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Klassiker verwandelten sich in Jazzer

Werne Mit dem Auftritt des «Rastrelli Cello Quartett» konnten die Besucher des Alten Rathauses am vergangenen Donnerstag ein in mehrfacher Weise ungewöhnliches Konzert erleben.

Namensgeber des Quartetts ist der Architekt Bartolomeo Rastrelli (1700-1771), der vor 300 Jahren Petersburg erbaute. Die vier Russen musizierten meisterhaft Werke aus vier Jahrhunderten, die alle eines gemeinsam hatten: Kein Werk wurde ursprünglich für diese Besetzung komponiert.

Kira Kraftzoff, Kira Timofejeff, Sergio Drabkine und Mischa Degtjareff bezeichnen sich selbst als «klassisch ausgebildete Musiker, die beweisen wollen, dass auf dem Cello jeder Musikstil vom Barock bis Free Jazz interpretiert werden kann.»

Genialer Vortrag

Die Künstler eröffneten den Abend mit der Transkription einer Orgeltoccata von Girolamo Frescobaldi (1583-1643). Die glänzende Übertragung sowie der geniale Vortrag ließen beim Zuhörer gelegentlich die Frage aufkommen, warum dieses und auch alle anderen Werke des Abends nicht direkt für Cello- Quartette konzipiert worden waren.

Nach «Paganissimo» von Sergio Drabkine (geb. 1953) und dem «Andante Cantabile» aus Peter Tschaikowskys (1840-1893) Streichquartett Nr. 1 widmeten sich die Musiker der «Suite im alten Stil» von Alfred Schnittke (1934-1998).

Jam-Session

Die warme Tongebung, gepaart mit technischer Brillanz und leidenschaftlicher Musikalität ließen dieses Werk zu einem besonderen Erlebnis werden, bevor mit David Poppers (1843-1913) Tarantelle der erste Teil des Programm seinen virtuosen Ab-schluss fand.

Nach der Pause fühlte man sich in eine «Jam Session» versetzt. Die Klassiker des ersten Teils verwandelten sich in Jazzer der allerbesten Sorte. Der besondere Reiz lag wiederum darin, dass die meisten Werke aus anderen Zusammenhängen bekannt waren, und hier quasi in einem neuen Licht erstrahlten. Namen wie Dave Brubeck (geb. 1920), George Gershwin (1898-1937) oder Paul Desmond (1924-1977) gaben jetzt den Ton an.

Dr. Hans-Joachim Wensing

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