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Integration im Altenheim St. Katharina in Werne

Arbeiten mit Handicap: „Sie ist ein Glücksgriff für uns alle“

Werne Jahrelang war Sarah Langer in einer Werkstatt für behinderte Menschen tätig. „Aber ich wusste, dass ich mehr kann“, sagt die 26-Jährige. Heute arbeitet sie trotz ihres Handicaps im Altenheim St. Katharina. Integration in das Arbeitsleben kann gelingen. Ohne kleine Hilfsmittel geht es aber nicht.

Arbeiten mit Handicap: „Sie ist ein Glücksgriff für uns alle“

Walter Daldrup (hinten l.), Pflegedienstleister des Altenwohnheims, Nicole Vormann von der Caritas (M.) und Heimleiter Rudolf Voß freuen sich wie Bewohner Ernst Lübke (vorn) darüber, dass Sarah Langer Betreuungsassistentin im St. Katharina geworden ist. Foto: Andrea Wellerdiek

Sie war aufgeregt, nervös und hatte etwas Bedenken. An ihr Vorstellungsgespräch kann sich Sarah Langer noch sehr gut erinnern. Trotz all der Aufregung und trotz ihrer Lernschwäche hinterließ sie einen bleibenden Eindruck.

„Mit welcher Selbstverständlichkeit, Leichtigkeit und mit welchem Engagement Sie ins Gespräch gegangen sind, war schon toll. Das war ein Vorstellungsgespräch, das ich mir von anderen Bewerbern gern wünschen würde“, sagt Walter Daldrup, Pflegedienstleiter des St.-Katharina-Altenwohnheims.

Sarah Langer strahlt, als sie die Worte hört. Mit so viel Lob hat sie nicht gerechnet. Und Heimleiter Rudolf Voß setzt noch einen drauf: „Sie tun mit Ihrer Ausstrahlung nicht nur den Bewohnern gut, sondern auch uns Mitarbeitern.“

Rotes Kreuz gibt Perspektiven in der Altenhilfe

Seit Februar ist Sarah Langer als Betreuungsassistentin am Becklohhof tätig. Und damit sei sie „wunschlos glücklich“, sagt die 26-Jährige. Zuvor hat sie fünf Jahre lang in der Stickerei der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Nordkirchen gearbeitet. „Aber ich wusste, dass ich mehr kann“, erzählt sie. Sie wollte unbedingt mit Menschen arbeiten.

Zunächst sammelte sie erste Erfahrungen in einer Tagespflege-Einrichtung. Nachdem der Jahresvertrag auslief, wechselte sie zurück in die WfbM. Schnell war klar, dass sie zurück in die Pflege möchte. Sie rückte in das Projekt PiA II (Perspektive in der Altenhilfe) nach. Damit qualifiziert das Deutsche Rote Kreuz Werkstattbeschäftigte, die in der stationären Altenhilfe eingesetzt werden können.

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Sarah Langer absolvierte während des Projekts ein Praktikum bei ihrem heutigen Arbeitgeber, freitags ging sie zur Fortbildung. „Wenn ich mich für etwas interessiere, dann schaffe ich das auch“, sagt Sarah Langer. Ende Januar schloss sie das Projekt ab. Einige Tage später unterschrieb sie ihren neuen, unbefristeten Arbeitsvertrag im St.-Katharina-Altenwohnheim in Werne.

Ausgestattet mit kleinen Hilfsmitteln

Dass Sarah Langer ein Handicap hat, merkt man ihr nicht an. Nicht jeder weiß hier, dass sie eine Lernschwäche hat oder sich einige Dinge nicht so gut merken kann. Sie selbst geht offen damit um und hat sich mit kleinen Hilfsmitteln ausgestattet. Sie trägt zum Beispiel immer einen Zettel und einen Stift in der Hosentasche mit.

Da schreibt sie auf, welche Aufgaben sie am Tag erledigt hat. „Manchmal vergesse ich, ob ich es schon heute gemacht habe oder es erst morgen machen wollte“, erklärt die 26-Jährige. Auch die Namen der Bewohner, mit denen sie zum Beispiel gern Memory spielt, schreibt sie auf. Zum Dienstende kann sie dann problemlos ihre täglichen Arbeiten erfassen.

In der gewohnten Umgebung fühlt sich Sarah Langer sicher

Sarah Langer hat sich gut eingelebt in ihrer neuen Wirkungsstätte. Und das ist wichtig. Denn in einer ihr bekannten Umgebung und einer festen Struktur könne sie sich am besten entfalten, erklärt Daldrup. An ihre Grenzen stößt sie, wenn sie die Örtlichkeiten nicht kennt. Deshalb kann sie die Bewohner etwa nicht allein zum Schwimmen begleiten.

„Bis ich auf der Station alles gefunden habe, hat es eine Woche gedauert. Aber jetzt kenne ich mich gut aus“, erzählt Langer. Die Einrichtung mit ihren kleinen Einheiten, in denen 9 bis 13 Bewohner leben, würde ihr in die Karten spielen. „Sie muss sich zum Beispiel nicht 30 Namen merken. In den kleineren Einheiten ist man insgesamt enger zusammen“, sagt Daldrup.

In der gewohnten Umgebung fühlt sich Sarah Langer sicher. Das spürt auch Nicole Vormann. Die Abteilungsleiterin für Integration & Außenarbeitsplätze der Caritas-Werkstätten berichtet, dass Sarah Langer nun viel selbstsicherer geworden sei und sie weniger vergessen würde. Als sie das hört, strahlt Sarah Langer wieder. Mit ihrer positiven Art sei sie eine Bereicherung für die Einrichtung, sagt Rudolf Voß. „Sie ist ein Glücksgriff für uns alle.“

Eine Werkstatt für behinderte Menschen ist eine Einrichtung zur Integration von Menschen mit Behinderung in das Arbeitsleben. Die entsprechenden Einrichtungen sind in Deutschland in der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen organisiert.

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