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Wanderfalken machen Jagd auf Brieftauben

Taubenzüchter verärgert

Taubenzüchter Klaus Iking ist verärgert. Immer wieder findet er seine Brieftauben verletzt oder tot auf. Er glaubt, dass Wanderfalken dahinterstecken.

VREDEN

von Alex Piccin

, 26.06.2018
Wanderfalken machen Jagd auf Brieftauben

Taubenzüchter Klaus Iking beklagt zahlreiche verletzte oder getötete Tiere aus seinem Brieftaubenschlag. Als Grund vermutet er Falkenangriffe. © privat

Das Tischtuch zwischen Taubenzüchter und Falkenfreunden ist zerschnitten. Vermehrt haben Vredener Züchter registriert, dass ihre Tiere immer wieder attackiert werden. Sie haben den Wanderfalken im Verdacht.

Das Ansiedlungsgebiet der Falken sei von den Verantwortlichen zu dicht gewählt geworden, glaubt Taubenzüchter Klemens Iking: „Kaum sind meine Tauben aus dem Schlag, sind innerhalb von zwei, drei Minuten die Falken da.“ Der Greifvogel dezimiere die Population seiner Brieftauben, da diese im Gegensatz zu den wilden Tauben in größerer Höhe fliegen. Ein Falke jagt im Sturzflug mit einer Geschwindigkeit von über 300 Stundenkilometern. So wird es zu gefährlich, die Stadttauben am Boden zu jagen. „Allein von meinen 39 wertvollen Zuchttauben sind in den letzten zwei Monaten elf zum Teil schwer verletzt und weitere neun Brieftauben vom Wanderfalken getötet worden“, sagt Iking. Das traditionsreiche Hobby und die gesamte Brieftaubenzucht seien extrem gefährdet.

Deutlich mehr Falken

Neben dem emotionalen Verlust verzeichnet er auch einen finanziellen Schaden. Preisgekrönte Brieftauben können schnell mehrere Tausend Euro kosten. „Sogar fünf- bis sechsstellige Beträge können erzielt werden“, sagt Iking.

Vor sechs Jahren hatte die Leitung der Vredener Papierfabrik mit Unterstützung der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Borken einen Nistkasten am Schornstein angebracht, der von Wanderfalken als Brutstätte angenommen worden ist (Münsterland Zeitung berichtete). Klemens Iking registrierte in der jüngeren Vergangenheit vermehrt Kadaver geschlagener Tauben unter dem Schornstein. „Das kann nicht der Sinn und Zweck des Artenschutzes sein“, beschwert er sich. Er unterstreicht aber auch, dass der Falke ein schöner Vogel sei und geschützt werden müsse.

„Bestand nicht mehr gefährdet“

Das unterschreibt Walter Bednarek nicht blind. Der Obmann für Greifvogelkunde beim Deutschen Falkenorden sieht den Bestand des Wanderfalken schon lange nicht mehr als gefährdet an. Seit der Aufnahme der Auswilderungsprogramme habe sich in den vergangenen 20 Jahren die Falkenpopulation deutlich erhöht. „Es brüten 300 Paare in Nordrhein Westfalen, damals waren es 17. Die Falken haben sich erholt. Wenn man biologisch denkt, muss man die Nistkästen eher abbauen“, sagt Bednarek.

Der Falke suche sich dann seine Brutstätte und seinen idealen Lebensraum. Bednarek glaubt, dass der Konflikt zwischen Brieftaubenzüchter und Tierschützer moralisch unterfüttert sei, da der Falke in der 1970er-Jahren ausgestorben war, und kaum zu lösen sei. „Man muss aber Verständnis für die Emotionen beider Seiten aufbringen.“

Kreis zeigt auch Verständnis

Dass der Falkenbestand so hoch ist, findet die Naturschutzbehörde für den Kreis Borken erfreulich. „Wir haben aber auch Verständnis für die Beschwerden der Brieftaubenzüchter. Doch sind Tauben nun mal ein beliebtes Beuteschema der Falken“, sagt Ellen Schlütter aus der Pressestelle des Kreises. Sie berichtet, dass der Wanderfalke nicht mehr gefährdet und in der Roten Liste geführt, wohl aber in der EU-Vogelschutzrichtlinie genannt wird. Dadurch genießt er unter anderem strengen Schutz in Sachen Fortpflanzungsstätte. „Somit kann aus naturschutzrechtlicher Sicht die Nistmöglichkeit nicht ohne Weiteres entfernt werden“, so Schlütter.

Der Bestand des Wanderfalken ist ihren Ausführungen nach in Nordrhein Westfalen konstant. Von hier aus breite sich die Art durch die Jungtiere in anderen Bundesländern und den Niederlanden aus. „Aus naturschutzfachlicher Sicht hätte die Entfernung der Nisthilfe zur Folge, dass das dort vorkommende Brutpaar verschwinden würde“, schildert die Kreis-Mitarbeiterin mit Blick auf den Nistkasten am Turm der Papierfabrik. Dies möchte die Behörde vermeiden, da in den kommenden Jahrzehnten im Rahmen der Energiewende und des Strukturwandels ein Rückbau von Fabriktürmen ansteht und Brutplätze dann verloren gingen. Schlüter: „Die Beseitigung einzelner Nistmöglichkeiten aus unserer Sicht ein falsches Zeichen.“

Konkurrenz vom Uhu

Ein weiteres Argument für Nistkästen liefere die natürliche Konkurrenz. Die positive Entwicklung des Uhus bedrohe den Wanderfalken, da er ihn aus dem Revier vertreibe und die Nester plündere. Klemens Iking sieht trotzdem in einer Reduktion des Falkenbestands auf eine der Natur angemessene Zahl den gangbaren Weg, um die Population der heimischen Singvögel und nicht zuletzt der Brieftauben nachhaltig zu schützen. Beim Kreis stößt er damit jedoch auf taube Ohren.