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Von den Sitzen gerissen

Vreden Mit einer phänomenalen Revue, gesungen und getanzt von einem jungen, arrivierten Ensemble, ließ das Publikum am Dienstagabend den Zeitgeist des 20. Jahrhunderts auf der Bühne des voll besetzten Theater- und Konzertsaals wie im Zeitraffer an sich vorüberziehen.

Farbige Lichteffekte, hervorragende Musiker, erstklassige Sängerinnen und Sänger gaben als Vamp oder Hippie, als marschierende Soldaten oder als Liebhaber - jeweils im Stil der Zeit gekleidet - einen fulminanten Einstieg in die neue Spielzeit des Kulturrings Stadtlohn-Vreden, der seinesgleichen sucht.

Mit dem Trauermarsch von Chopin trug man zuerst das 19. Jahrhundert zu Grabe. Dann erklang "Preußens Gloria", wohl eher ironisch gemeint, denn trotz politischer Fehler musste das Selbstbewusstsein des Volkes aufpoliert werden mit "Donnerwetter, wir sind Kerle...". Paul Linckes Medley von der "Berliner Luft" und dem "Glühwürmchen-Idyll", dazu ein fabelhaft getanzter Charleston erinnerten an die unvergesslichen 20er Jahre und an die Lola aus dem "Blauen Engel", einem Meilenstein der Filmgeschichte.

Evergreens aus Filmen

Unsterbliche Evergreens der 30er Jahre, "Ich brauche keine Millionen", "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frauen" spiegelten die große Zeit der UFA wider. Mit herrlichen Soli wurden die Filmstars vom Ensemble gekonnt imitiert und vom Publikum mit Szenenapplaus bedacht. Plötzlich hörten die Zuschauer im Originalton die Stimme Hitlers und mit Zeichen und Symbolen kennzeichnete man das "Tausendjährige Reich", wobei die Schauspieler auch auf die Judenverfolgung hindeuteten. Eine Szene zeigte Menschen, denen im Luftschutzbunker Mut gemacht wurde mit "Wir machen Musik..." und "In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine...". Großes Kompliment für "Lale Andersen" für ihr international bekanntes "Vor der Laterne....."

Wunderschön zeigten die Schauspieler das Wirtschaftswunder nach dem Krieg, die Urlaubswelle und die Zeit der Heimatfilme, die sie mit Kommentaren und Schlagern hervorragend aufarbeiteten. Durch extatische Schreie kündigten Fans im Hintergrund ein Medley von Elvis-Presley-Songs an. Die Zeit der Beatles und ABBA präsentierten die Sänger mit den Top-Hits "Yesterday" und "Waterloo" unbeschreiblich gut.

Beifallsstürme

Enthusiastisch besangen sie die 80er und 90er Jahre, die sie auch schauspielerisch glänzend darstellten mit "99 Luftballons", "Ein bisschen Frieden" oder dem "Sonderzug nach Pankow". Als die Akteure zum krönenden Abschluss "We are the World" sangen, riss es das Publikum von den Sitzen. Beifallsstürme und stehende Ovationen gab es für die großen Leistungen der Instrumentalisten und des Ensembles für eine Revue musikalischer Zeitgeschichte. Susanne Dirking

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