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Jagd auf Nutrias eröffnet

Nagetieren geht es grenzüberschreitend an den Kragen

Vreden/Ahaus Nutrias sorgen für Schäden an Hochwasserschutzanlagen und in der Landwirtschaft. Sie sollen nun bejagt werden. Das macht nicht vor der Grenze halt.

Nagetieren geht es grenzüberschreitend an den Kragen

So sieht die Nutria aus: Zum Pressegespräch zur Unterzeichnung der grenzüberschreitenden Vereinbarung zur Jagd auf das Tier hatte der Kreis Borken ein ausgestopftes Exemplar mitgebracht. Foto: Anne Rolvering

Die Nutriapopulation ist im Kreis Borken und entlang der deutsch-niederländischen Grenze stark gestiegen. So wurde am Montagnachmittag im Kult die Vereinbarung zum Pilotprojekt „Grenzüberschreitender Nutriafang“ unterzeichnet. Der Hintergrund des Projekts: Die Nutrias haben in den vergangenen Jahren für große Schäden an den Gewässern gesorgt, besonders an den Hochwasserschutzdeichen und Ufern entlang der Flüsse. Das Ziel: Niederländische Nutriafänger sollen nun entlang der deutsch-niederländischen Grenze auf deutschem Staatsgebiet – vom Zwillbrocker Venn bis Ahaus-Alstätte – die Bestände reduzieren.

Hauptamtliche Fänger in den Niederlanden

In den Niederlanden gibt es hauptamtliche Fänger, in Deutschland übernehmen das Ehrenamtliche. „Diese Vereinbarung ist ein weiterer Baustein im Rahmen der guten Zusammenarbeit beim grenzüberschreitendem Hochwasserschutz und für die regionale Wasserwirtschaft“, hob Landrat Dr. Kai Zwicker am Montag hervor. Er verwies auf die Hochwasserereignisse im Kreis Borken in den Jahren 2010 und 2016. Die Nutria und auch Bisame richteten große wasserbauliche Schäden an, sie würden Gänge in Uferböschungen graben und durchbohren und unterhöhlten Deiche. Dadurch könnten Uferböschungen einstürzen und abrutschen.

Pilotprojekt geht über drei Jahre

„Es gibt auf deutscher und niederländischer Seite Unterschiede beim Fang. Diese Zusammenarbeit ist vorbildlich für die Europäische Union“, betonte Dijkgraaf Hein Pieper (Watershap Rijn en IJssel). Er hofft auf gute Fangergebnisse und den Erfahrungsaustausch zwischen Ehren- und Hauptamt. Anschließend stellte Friedel Wielers vom Fachbereich Natur und Umwelt des Kreises Borken gemeinsam mit Ruben Verwoert (Waterschap Rivierenland/Muskusrattenbeheer) das drei Jahre umfassende deutsch-niederländische Pilotprojekt vor. „Die Nutria ist eine Art aus Südamerika, mit fünf Jungtieren pro Wurf und einer ganzjährigen Fortpflanzung“, berichtete Friedel Wielers. Durch ihre Ausbreitung würden auch landwirtschaftliche Flächen zerstört. Die Tiere fressen Mais und Feldfrüchte, gefährdeten andere Tiere- und Pflanzenarten und heimische Ökosysteme.

Durch einen Erlass der EU gibt es seit 2014 bei den Nutrias eine Ausnahmegenehmigung zur Tötung. Im Kreis Borken bekämpfen geschulte ehrenamtliche Fänger die Nutrias und Bisame mit Totschlagfallen.

Erst Lebendfallen, dann Luftdruckwaffen

Die niederländischen Nutriafänger sind ausgebildete Jäger mit einem Ausländerjagdschein und haben an der Schulung „Bisam- und Nutriafang“ vom Kreis Borken teilgenommen. Sie verwenden Lebendfallen (mit Sender ausgestattet) und töten die Nutrias dann mit Luftdruckwaffen. Es gibt laut Landrat Dr. Kai Zwicker eine Zustimmungsvereinbarung mit den örtlichen Jägern, jedoch keine Fangprämien von den deutschen Wasser- und Bodenverbänden. „Für die Niederlande ist die Bekämpfung der Nutrias eine existenzielle Angelegenheit, da große Teile des Landes unter oder nur knapp über dem Meeresspiegel liegen und daher eine große Anzahl an Deichen vorhanden ist“, sagte Ruben Verwoert. Die aus der deutschen Grenzregion in die Niederlande einwandernden Nutrias seien ein großes Problem. Daher sei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit besonders wertvoll. „Danke für die Zustimmung, dass wir auf die Tiere auf ihrem Gebiet bekämpfen dürfen“, erklärte Dijkgraaf Hein Pieper. „Wir hoffen, dass alle Jagdpächter, die noch skeptisch sind, sich an diesem Projekt beteiligen“, betonte Landrat Dr. Kai Zwicker, bevor alle die Stifte in die Hand nahmen, um die grenzüberschreitende Vereinbarung zu unterschreiben.

Die Nutria, laut Internet-Enzyklopädie Wikipedia auch Biberratte oder seltener Sumpfbiber, Schweifbiber, Schweifratte oder Coypu genannt, ist eine aus Südamerika stammende Nagetierart. Sie hat sich auch in Mitteleuropa ausgebreitet.

Die Nutria erreicht eine Körperlänge von bis zu 65 Zentimeter und wiegt erwachsen zwischen acht und zehn Kilogramm. Ihr runder, schuppenbedeckter Schwanz hat eine Länge von etwa 30 bis 45 Zentimetern.

Die Nutria wird gelegentlich mit der aus Nordamerika stammenden Bisamratte verwechselt, die sich gleichfalls in Europa als Neozoon etabliert hat, allerdings kleiner ist und einen seitlich abgeplatteten Schwanz hat.

Auffällig ist bei erwachsenen Tieren auch die orange Färbung der Nagezähne – diese wird durch Eiseneinlagerung hervorgerufen.

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