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Kirmes-Besucher müssen Becherpfand zahlen

Ratsentscheidung

Der Rat hat die Verwendung von Einwegbechern auf der Kirmes 2018 verboten. Stattdessen gibt es Mehrwegbecher mit Pfand – zumindest dieses Jahr.

Vreden

von Victoria Thünte

, 05.07.2018
Kirmes-Besucher müssen Becherpfand zahlen

Auf der Vredener Kirmes wird in diesem Jahr Becherpfand erhoben. Das hat der Rat beschlossen. © Verena Hasken

Keine Einwegbecher, dafür Mehrwegbecher mit 50 Cent Pfand – so hat der Rat am Mittwochabend in der Becher-Frage für die Vredener Kirmes entschieden. Damit hat der Rat den Beschluss für einen dreitägigen Test mit Einwegbechern zurückgenommen und gleichzeitig die Verwendung von Einwegbechern auf der Kirmes 2018 verboten. Für die Entscheidungsfindung musste der Rat zunächst drei grundsätzliche Fragen klären.

1. Einwegbecher – ja oder nein? Die Antwort auf diese Frage stand eigentlich schon vor der Sitzung fest. Die CDU hatte angekündigt, die Zustimmung zum Einwegbecher-Test zurückzunehmen und auch die Wirte sind zwischenzeitlich von dieser Idee abgewichen. Alle anderen Fraktionen und die Verwaltung entschieden sich ebenfalls gegen Einwegbecher. Grund für den Sinneswandel sind vor allem die öffentliche Kritik und eine Petition mit rund 1770 Unterstützern. Nur Hermann-Josef Sönnekes (CDU) wollte sich nicht gegen Einwegbecher aussprechen, weil er die vorliegenden Gutachten nicht für aussagekräftig genug hielt. „Die Diskussion wird im Moment zu emotional geführt und nicht auf Faktengrundlage“, sagte er und enthielt sich deswegen in der folgenden Abstimmung.

2. Mehrwegbecher oder biologisch abbaubare Einwegbecher? Ein Kompromissvorschlag der Wirte sah vor, wie gewohnt Mehrwegbecher zu nutzen und nur am Samstagabend zur besucherstärksten Zeit auf biologisch abbaubare Einwegbecher zurückzugreifen. Die vorgeschlagenen Becher bestehen aus dem Material PLA, das aus Maisstärke und Zuckerrohr hergestellt wird. Nachdem die Verwaltung in der Ratssitzung im Mai, als die Entscheidung für Einwegbecher fiel, noch keine Öko-Bilanz vorgelegt hatte, hat sie nun nachgearbeitet. 169 Seiten lang ist die Sitzungsvorlage mit vier Gutachten zur Ökologie verschiedener Bechersysteme. Das Umweltbundesamt (UBA) beispielsweise kommt zu dem Schluss, dass es für die Umweltverträglichkeit der PLA-Becher keine wissenschaftlichen Beweise gebe. Und weiter: „Es zeigte sich, dass das Mehrwegbechersystem allen Einweglösungen aus Umweltschutzsicht deutlich überlegen ist.“ Auf dieser Grundlage lehnte der Rat den Vorschlag der Wirte ab und entschied sich für Mehrwegbecher während der gesamten Kirmes.

3. Mit Pfand oder ohne Pfand? Ein Satz wurde in der Diskussion immer wieder genannt: „Pfand ist der einzig sinnvolle Weg, wenn man nach dem Kriterium der Ökologie entscheidet.“ Schließlich gingen in den vergangenen Jahren nach Aussagen der Wirte rund 40 bis 50 Prozent der Mehrwegbecher verloren. Das bedeutet sehr viel Plastikmüll. Den könne man nur verhindern, indem man Pfand nehme, argumentierte beispielsweise Elmar Kampshoff (UWG). Heinz Gewering erklärte für die CDU, dass sich die Fraktion bei dieser Frage nicht einig sei. Auch die beiden Mitglieder der FDP-Fraktion waren nicht einer Meinung. Am Ende stimmten 21 Ratsmitglieder für Pfand, 8 dagegen.

Andre Cohaus, Vertreter der Wirte, ist mit dem Beschluss grundsätzlich zufrieden, auch wenn der Vorschlag der Wirte nicht angenommen wurde: „Eigentlich sind wir gegen ein Pfandsystem, aber es ist die einzige Möglichkeit, zu gewährleisten, dass alle Mehrwegbecher auch zurückkommen und nicht im Müll landen.“ Die Wirte werden einheitliche Becher nutzen und Besucher können die Pfandbecher an allen Ständen zurückgeben, unabhängig davon, wo das Getränk gekauft wurde. Das System wird nach der Kirmes evaluiert.