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Suizidversuch vor Gericht

In Selbsttötungsabsicht in den Gegenverkehr gesteuert

Münster/Vreden Auf der B70 bei Lünten steuerte ein Niederländer im Juli 2016 mit Absicht in den Gegenverkehr. Das Landgericht muss nun entscheiden, ob der Mann in der Psychiatrie untergebracht werden soll.

In Selbsttötungsabsicht in den Gegenverkehr gesteuert

Der Unfall ereignete sich am 15. Juli 2016 auf der B70 bei Lünten.kippic (a)

Es war kein leichter Prozessauftakt für alle Beteiligten am Landgericht Münster. Der Vorwurf: Ein 59-jähriger Niederländer soll im Juli 2016 auf der B70 bei Lünten sein Auto mit Absicht in den Gegenverkehr gelenkt haben, um sich das Leben zu nehmen. Er selbst und zwei weitere Menschen wurden dabei verletzt. Da die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass der Beschuldigte schuldunfähig ist, handelt es sich nicht um ein Strafverfahren, sondern um ein Sicherungsverfahren. Die Kammer muss entscheiden, ob der Niederländer in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden sollte. Dafür nimmt sich der Richter Zeit: Vier weitere Prozesstermine sind angesetzt.

Erst im Krankenhaus wieder aufgewacht

Beim ersten Termin am Freitag schilderte zunächst der Beschuldigte seine Sicht der Dinge. Seit der Trennung von seiner Ehefrau wohnt er auf einem Campingplatz in Haaksbergen. Am 15. Juli 2016 sei er morgens auf dem Weg zum Zahnarzt in Ahaus gewesen. „Auf einmal war alles weg. Ich bin erst im Krankenhaus wieder aufgewacht“, sagte er. Wie genau der Unfall passiert sei, wisse er nicht. Der Richter konnte das nach Durchsicht der Akten nicht glauben. „Sie haben im Krankenhaus zu den Ärzten und zu Ihrer damaligen Frau gesagt, dass es ein Suizidversuch gewesen sei“, so der Richter. Er machte dem Beschuldigten klar, dass es wenig Sinn mache, den Sachverhalt aus falscher Scham anders darzustellen.

„Hatte die Absicht, mir das Leben zu nehmen“

Nach einigen Minuten der Stille setzte sich der Beschuldigte schließlich auf, rieb die Hände an seiner Hose, schluckte ein paar Mal schwer und sagte: „Dann muss ich erklären, dass ich die Absicht hatte, mir das Leben zu nehmen.“ Doch er sei froh, dass es nicht geklappt habe und dass er noch lebe. Schon beim Aufstehen am Morgen des 15. Juli habe er sich schlecht gefühlt, habe Angstzustände gehabt. Kurz zuvor hatte sich seine Ehefrau endgültig von ihm getrennt. „2015 hat sie mich nach einem Unfall wieder zurückgenommen und ich war so stolz darauf, dass wir es wieder hingekriegt haben. Aber nach ein paar Monaten habe ich es wieder versaut. Damit bin ich nicht klargekommen“, sagte der 59-Jährige. Außerdem habe sein Arbeitgeber finanzielle Probleme gehabt, der Verlust des Jobs stand kurz bevor.

Bewusst falsch abgebogen

Bewusst sei er auf die B70 abgebogen, obwohl es die falsche Richtung zum Zahnarzt war. Im Polizeibericht steht später, dass er frontal mit einem Lkw zusammengeprallt ist. Das Auto des 59-Jährigen wurde zurückgeschleudert und prallte gegen den Pkw eines 39-jährigen Gronauers, der ebenfalls in Richtung Vreden unterwegs war. Der Gronauer wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, der 23-jährige Lkw-Fahrer erlitt leicht Verletzungen. Der Niederländer hatte mehrere Knochenbrüche, wurde erst im Krankenhaus und dann in einer psychiatrischen Einrichtung behandelt. Doch schon ein paar Tage, nachdem er in seinen Wohnwagen in Haaksbergen zurückgekehrt war, folgte der nächste Suizidversuch.

Medikamente abgesetzt

In der Verhandlung wird deutlich, dass der Beschuldigte schon lange psychische Probleme hat. Vor 23 Jahren wurde ein Burn-Out diagnostiziert. Vor zwölf Jahren versuchte er zum ersten Mal, sich das Leben zu nehmen. Im Arztbrief ist später von einer Depression die Rede. Auf Nachfrage des Richters gab der Niederländer zu, dass auch der Unfall 2015 auf der B70 ein Suizidversuch war. Immer wieder hat er sich in psychiatrische Behandlung begeben. Die Medikamente setzte jedoch jedes Mal nach kurzer Zeit eigenmächtig wieder ab. Die Ex-Frau des Beschuldigten sollte als Zeugin aussagen, machte aber von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. „Mir geht es seit langer Zeit jetzt wieder gut und will, dass es so bleibt. Ich will nicht mehr darüber reden“, sagte sie. Der Prozess wird am 2. Mai fortgesetzt.

Hilfe: Sollten Sie Suizid-Gedanken haben oder jemanden kennen, der sich das Leben nehmen will, dann wenden Sie sich bitte an die kostenlose Telefonseelsorge unter (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222 116 123.

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