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Interview mit Hundeexpertin über Hundeführerschein

Hundeerziehung ist viel mehr als ein Schein

Vreden Das Verhältnis von Mensch mit Hund ist nicht konfliktfrei. Zur richtigen Haltung und Erziehung gibt es viele unterschiedliche Theorien. Im Interview erklärt Evelyn Gericks, Hundeexpertin aus Ammeloe, was Hundehalter beachten sollen. In einem Quiz können Sie Ihr Wissen zur Hundehaltung testen.

Hundeerziehung ist viel mehr als ein Schein

Schulstunde für Leo: Auch beim eigenen Vierbeiner setzt Evelyn Gericks ihr Expertenwissen ein. Sie verfügt über eine umfassende und langjährige Ausbildung, ein Studium in England und bildet sich ständig fort. Foto: Christiane Hildebrand-Stubbe

Zurzeit häufen sich Nachrichten von gefährlichen und sogar tödlichen Hundebissen. In der Diskussion ist ein „Führerschein“ für Hundebesitzer. Christiane Hildebrand-Stubbe hat mit der Hundeexpertin und -trainerin Evelyn Gericks aus Ammeloe gesprochen. Die hat zu diesem Thema ihre ganz eigenen Ansichten.

Frau Gericks, gerade hat sich wieder ein Vorfall ereignet, bei dem der Labrador der Familie einen siebenjährigen Jungen ins Gesicht gebissen hat. Was läuft da zurzeit schief? Sind die Hunde aggressiver geworden?

Zum einen gibt es heute einfach mehr Hunde als früher, sodass es auch mehr solcher Vorfälle gibt. Aus meiner Erfahrung weiß ich aber auch, dass so etwas in 99 Prozent der Fälle nicht einfach so passiert. Ich will damit auf keinen Fall das Verhalten des Hundes entschuldigen, aber es gibt wirklich verschiedenste Anzeichen von aggressivem Verhalten. Bei den insgesamt fünf Stufen steht das Beißen an letzter Stelle. In persönlichen Gesprächen nach solchen Ereignissen hat sich häufig schon herausgestellt, dass dem keine oder wenig Beachtung geschenkt wurde. Oft einfach aus Unwissenheit

Nun gut, aber man mus solche Anzeichen des Hundes auch lesen, also deuten können?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich zu informieren. Es gibt verschiedenste Bücher über Verhaltensmuster von Hunden, Hundeschulen, Tierärzte und andere Experten als Ansprechpartner.

Oft sind Kinder die Opfer bei Hundeattacken, gibt es da Prinzipien, die man beachten sollte?

Ja, das oberste Prinzip heißt: Kinder und Hund niemals, also wirklich nie, zusammen alleine lassen. Und außerdem müssen Kinder, Erwachsene natürlich auch, lernen, mit dem Tier umzugehen, es zu verstehen. Gerade Kinder müssen die unterschiedlichen Signale des Hundes erkennen können. Sie müssen zum Beispiel wissen, dass man nicht einfach so auf fremde Hunde zugehen darf, oder auch, dass nicht jeder Hund und bei jeder Gelegenheit gestreichelt werden will. Ein Hund ist einfach kein Kuscheltier. Mensch und Tier haben beide Pflichten, aber eben auch Rechte. Ich halte daher viel von einer Frühschulung von Kindern im Umgang mit Tieren, zum Beispiel schon im Kindergarten.

Beim Reiten gibt es eine Regel: junges Pferd, alter, also erfahrener Reiter! Kann man das auch auf die Hundeerziehung übertragen?

Das kann man so allgemein gar nicht sagen, ich wehre mich gegen Verallgemeinerungen. Da die wichtigste Lernphase der Hunde zwischen der 6. und 16. Woche liegt, kann es sogar leichter sein, dass eine Familie sich einen Welpen anschafft. Ein älterer Hund bringt eben schon eine gewisse Prägung mit, das könnte gerade in unbedarften Familien Probleme machen. Und manche Rassen haben zumindest eine gewisse Tendenz zur Aggressivität. Aber wie gesagt, auch Hunde als aggressiv geltender Rassen können ganz toll sein, aber sie erfordern auch eine besonder Sorgfalt. Das kommt ganz auf den konkreten Hund an.

Heißt das also, dass die meisten Fehler am Anfang der Leine passieren?

Auf jeden Fall. Die Probleme fangen aber sogar noch früher an. Hier möchte ich auch die Züchter ansprechen, dass sie mehr wissen und lernen, was schon vorher passieren sollte. Selbst die Haltung einer trächtigen Hündin kann sich später bei den Nachkommen negativ auswirken. Und auch in den Tierheimen müsste es, wie in den USA bereits üblich, eine professionelle Begleitung geben.

Macht es denn da nicht wirklich Sinn, einen Hundeführerschein einzuführen? Vielleicht sogar nicht nur für die Besitzer?

Menschen, die sich informieren wollen, suchen sich Beratung, kommen in die Hundeschule. Die aber, die man dahin zwingt, die machen die Prüfung, und dann legt man das Ganze ad acta. Nach meiner Vorstellung ist es ohnehin nicht mit dem einen Schein getan, sondern muss das Zusammenleben von Hund und Mensch als Dauerauftrag verstanden werden.

Was aber ist, wenn es schiefläuft, es zu tödlichen Attacken kommt wie gerade in Berlin? Da gingen Tierschützer auf die Barrikaden, als der Rüde eingeschläfert wurde.

Ein Hund, der einmal gebissen hat, muss nicht zwangsläufig wieder beißen, aber es ist ein bisschen wie bei einem Alkoholiker. Das Vertrauen ist hin. Im Fall des tödlichen Hundebisses finde ich die Entscheidung richtig, auch im Sinne des Hundes, der mit seiner schlimmen Vorgeschichte sicher keine gute Zukunft zu erwarten hatte.

Ist das Verhältnis Mensch und Hund oft ein viel zu emotionales, bringt das vielleicht nicht auch Probleme?

Emotionen gehören dazu, gleichzeitig aber auch eine gewisse nüchterne Sachlichkeit. Dabei geht es allerdings nicht um Dominanzverhalten von Herrchen oder Frauchen, wohl aber um Konsequenz. Die Richtlinienkompetenz liegt beim Mensch, das gibt dem Hund sogar Sicherheit. Andererseits gibt es auch die Theorie, dem Hund öfter mal die Wahl zu lassen, sich selbst zu entscheiden. Auch eine Zwingerhaltung ist eben nicht per se schlecht. Es kommt immer auf den Rahmen an.

Sie glauben also daran, dass der Hund ein differenziertes Denkvermögen besitzt?

Ja natürlich. Es handelt sich nicht um Konditionierung, ansonsten wäre ja auch kein differenziertes Lernen möglich.

Können Sie denn zusammenfassend sagen, wie es am besten klappt mit Mensch und Hund?

Leider nein. Es gibt nicht den einen Weg, keinen Königsweg. Jeder Hund ist unterschiedlich und die Besitzer natürlich auch. Dennoch empfehle ich vor der Anschaffung eines Hundes drei Dinge: 1. Sich einen seriösen Züchter oder ein entsprechendes Tierheim suchen. 2. Spontankäufe vermeiden und sich gut zu überlegen, welche Rasse, welches Alter des Tieres für die spezielle Situation geeignet erscheint. 3. Sich genau anzuschauen, wie viel Zeit man übrig hat und bereit ist zu investieren.

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