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Arbeit als Ablenkung im Vredener Antoniusheim

Bewohner würden gerne den Mindestlohn verdienen

Vreden Seit 110 Jahren finden wohnungslose Menschen im Antoniusheim in Köckelwick ein neues Zuhause. Die Einrichtung verfolgt dabei ein klar definiertes Konzept: Wer dort wohnen möchte, muss arbeiten. Das passt nicht allen Bewohnern.

Bewohner würden gerne den Mindestlohn verdienen

Christoph Brüx leitet die Werkstatt des Antoniusheims und pflegt einen lockeren Umgangston. Foto: Victoria Thünte

Wer im St. Antoniusheim unterkommt, hat eine schwere Zeit hinter sich. Dort finden Wohnungslose einen Ort zum Leben. Doch die Obdachlosigkeit sei nicht das eigentliche Problem, sie sei das Ergebnis vieler Probleme, sagt Reinhard Heidemann, Leiter der Einrichtung.

Das Antoniusheim gibt den Bewohnern deswegen nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern bietet auch sozialpädagogische Hilfe und eine Tagesstruktur an. „Es gehört bei uns zum Konzept, dass die Bewohner arbeiten – in der Werkstatt, der Cafeteria, der Gärtnerei oder in der Landwirtschaft“, sagt Reinhard Heidemann.

Viel Geld gibt es für diese Arbeit nicht und genau damit haben die Bewohner Willi Hagedorn, Udo Poos und Norbert Kurzawe ein Problem. Sie sehen nicht ein, dass sie für einen ganzen Tag Arbeit nur 4,50 Euro bekommen. Sie wollen nach Mindestlohn bezahlt werden.

Bewohner würden gerne den Mindestlohn verdienen

Willi Hagedorn arbeitet in der Werkstatt des Antoniusheims. Foto: Victoria Thünte

Reinhard Heidemann findet es eigentlich gut, dass die Bewohner sich mit dem Thema beschäftigen. Aber er sagt auch deutlich: „Das ist nicht möglich.“ Bei der Arbeit in der Einrichtung handelt es sich nämlich nicht um den ersten Arbeitsmarkt.

„Bei der Tätigkeit geht es eher um das Gefühl, gebraucht zu werden, darum, Verantwortung zu übernehmen und etwas zu tun zu haben“, sagt Christoph Brüx. Er leitet die Werkstatt. Die meisten Bewohner sind Alkoholiker, der Konsum wird in der Einrichtung geduldet. „Wenn man nichts zu tun hat, ist die Versuchung größer, der Sucht nachzugehen.“ Ums Geldverdienen geht es bei der Arbeit nicht.

Sozialarbeiter Ingo Hoppe rechnet vor, was die Bewohner im Monat zur Verfügung haben: circa 112 Euro Barbetrag plus 41 Euro Bekleidungsgeld. Der Betrag richtet sich nach dem aktuellen Hartz-IV-Niveau. Miete, Heizung, Nahrungsmittel, Rundfunkgebühren oder Versicherungen müssen die Bewohner davon nicht bezahlen. Das übernimmt die Einrichtung. Die meisten geben das Geld für Alkohol, Zigaretten und Hygieneartikel aus.

Individuelle Absprachen

„Mit dem Geld kommt man nicht aus“, sagt Willi Hagedorn. Er ist Rentner und müsste auch im Antoniusheim eigentlich nicht arbeiten. Aber er möchte – um sich etwas dazu zu verdienen.

Wie viele Stunden die Bewohner arbeiten, wird individuell abgesprochen. Ein Arbeitstag hat in der Werkstatt rund acht Stunden, jede Stunde werden zehn Minuten Raucherpause gemacht, sagt Christoph Brüx. Dafür bekommen die Bewohner 4,50 Euro, jedoch maximal 95 Euro im Monat. Wer weniger arbeitet, verdient weniger. Wer krank oder zu betrunken zum Arbeiten ist, bekommt an diesem Tag gar kein Geld.

Historischer Hintergrund

Das Konzept hat einen historischen Hintergrund. Damals galt das Motto „Arbeit statt Almosen“. Kolonisten kamen zum Antoniusheim, arbeiteten auf dem Feld und bekamen dafür eine Unterkunft.

Diese Idee kommt auch heute noch bei den Bewohnern gut an. Eine Umfrage vor ein paar Jahren habe ergeben, dass sich rund 80 Prozent der Bewohner freuen, arbeiten zu können, sagt Reinhard Heidemann. Auch Willi Hagedorn, Udo Poos und Norbert Kurzawe fühlen sich eigentlich wohl im Antoniusheim. Auch auf die Möglichkeit zu arbeiten, wollen sie nicht verzichten. Sie brauchen das Geld. Aber sie hätten eben gerne noch ein bisschen mehr.

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