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Traumberuf Landwirt

Stadtlohner Jungbauer findet in Beruf seine Berufung

Marten Schulze Icking wusste schon früh, was er werden will: Landwirt. Warum das immer noch sein Traumberuf ist? Die Frage beschäftigt ihn ständig.

STADTLOHN

01.06.2018
Traumberuf Landwirt

Hier ist Marten Schulze Icking in seinem Element, bei den Wollschweinen auf dem elterlichen Hof in Stadtlohn. MLZ-Fotos (2) Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Der Hof der Familie Schulze Icking in Stadtlohn, eine Idylle mitten im Wald. Neben den Ackerflächen hier, auf denen Getreide und Mais angebaut wird, gehört ein weiterer Hof in Gescher mit rund 1000 Plätzen für Mastschweine dazu. Und auch das Klinkerwerk Iking, das zusammen mit einem Landwirt aus Gescher betrieben wird, ist Teil des Ickingschen Hofes. Für heutige Verhältnisse ein mittlerer landwirtschaftlicher Betrieb.

Und der musste und muss sich auf immer neue Bedingungen in der Landwirtschaft einstellen. „Die Landwirtschaft hat sich stark verändert“, sagt Marten Schulze Icking, Jahrgang 1997. Immer mehr Bürokratie, immer weniger klassisches bäuerliches Arbeiten. Von der berühmten Freiheit des Berufes keine Spur mehr. Marten: „Man verbringt heute den halben Tag im Büro und kann schon lange auf dem eigenen Grund und Boden nicht mehr das machen, was man will.“ Ob Flächenantrag oder neue Düngeverordnung, all das koste richtig viel Nerven.

Eltern rieten ab

Seine Eltern Anne Bushues-Schulze Icking und Josef Schulze Icking hat die Entwicklung jedenfalls so frustriert, dass sie ihren Kindern abrieten, Landwirt zu werden. In zwei Fällen hat das aber schon mal nicht geklappt. Neben Marten, der bereits seine landwirtschaftliche Lehre abgeschlossen hat, ist auch sein Bruder Justin (24) auf dem gleichen Berufsweg und studiert Landwirtschaft in Göttingen. Nur bei der Schwester Klarissa ist noch nicht klar, wohin die Reise nach dem Abi geht.

In Zeiten, in denen andere Betriebe sich um die Hofnachfolge sorgen, gibt es bei den Schulze Ickings gleich zwei potenzielle Anwärter darauf, in die Fußstapfen von Vater, Großvater, Urgroßvater zu treten. „Man wächst einfach damit auf, es ist Teil meines Lebens“, erklärt Marten seine frühe Entscheidung.

Liebe zur Natur

Während der Realschulzeit, wenn die anderen Jungs aus der Stadt sich mit Computerspielen vergnügten, saß Marten lieber auf dem Trecker. Und trotz Strukturwandels und schlechter Zeiten für die Landwirtschaft, reifte sein Berufswunsch. Auch deswegen, weil er nur hier seine Interessen kombiniert sieht – Tiere, Natur und Technik: „Wenn du die Natur liebst, kannst du Gärtner werden, wenn es die Technik ist, kannst du Schlosser oder so werden.“ Dass die Landwirte – auch gegen den Begriff Bauer hat er nichts – dank der sich rasant entwickelnden ländlichen Technologie aber mehr Zeit für sich und die Familie hätte, sieht er skeptisch. „Das frage ich mich auch.“

Bei seiner Lehre in Kirchhellen bekam er auf dem Mehrspartenbetrieb Miermann ganz tiefe Einblicke in die heutige Landwirtschaft: Ob Schweinemast, Jungsauenaufzucht, Legehennen, Biogas, Kartoffel- und Spargelanbau, Direktvermarktung – die ganze Bandbreite ist dort zu erleben. Und dort ist seine Liebe zum Beruf, zu dessen Vielseitigkeit, noch gewachsen: „Jede Woche ist einfach anders.“

Mut und Zuversicht

Allerdings müsse man sich schon sehr gut überlegen, sich selbstständig zu machen. Dazu gehöre einfach viel Mut, aber auch Zuversicht. Er selbst hat sich noch nicht entschieden, wohin die Reise geht. Aber selbst wenn es mit einem eigenen Betrieb nichts werden sollte, ist er sich sicher, das Richtige zu tun: „Ich würde das auch machen, wenn es keinen Hof geben sollte, man bekommt immer einen Job, Fachkräfte werden gesucht.“ Millionär zu werden, ist nicht sein Ziel, Geld verdienen will er in und mit der Landwirtschaft aber schon: „Ich muss nicht nach Saint-Tropez.“

Zuerst aber steht ohnehin erst mal die berufliche Qualifizierung an: Nach dem Gesellenpraxisjahr folgt ab Sommer die Höhere Landbauschule, auf die er sich schon freut. Für das Leben während der zweijährigen Ausbildung mit dem Abschluss Agrarbetriebswirt, was etwa dem Meister im Handwerk entspricht, hat er Geld gespart: „Es gibt ja schließlich auch Ferien, in denen ich arbeiten kann. Die Frage aber, woher „ich meine Überzeugung nehme“, beschäftigt ihn immer wieder. Und immer wieder findet er neue Antworten: „Weil man neues Leben wachsen sieht, ob bei Tier oder Pflanze.“ Oder: „Ich kann es mir einfach nicht anders vorstellen.“

Allerwichtigster Beruf

Wichtige Stichworte auf seiner „Pro-Liste“: Tiere, Natur, Technik, Familie, Forst, soziale Ebene, nachhaltiges Wirtschaften, Selbstständigkeit. All seine Antworten fasst er so zusammen: „Es ist einfach der allerwichtigste Beruf, ohne Lebensmittel läuft nichts.“

Davon will er auch andere überzeugen und war auch als AgrarScout, als Werber für die Landwirtschaft, auf der Grünen Woche aktiv.