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Berkel-Bett wird breiter

Berkel-Renaturierung

Stadtlohn. Renaturierung nördlich des Linwards kostet 900.000 Euro.

Stadtlohn

von Stefan Grothues

, 20.06.2018
Berkel-Bett
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Das Luftbild zeigt das untere Berkeltal westlich von Stadtlohn, das ökologisch aufgewertet wird. Der Fluss soll dort noch freier fließen und noch mehr Prall- und Gleithänge ausbilden (Foto unten). Foto Geodaten Kreis Borken / Grothues © Stefan Grothues

Von Stefan Grothues

Naturnahe Wiesen, ein Weiher und ein fast unregulierter Fluss – das naturgeschützte Berkeltal nördlich des Linwards in Stadtlohn präsentiert sich dem Laien heute schon als ein wahres Idyll. Im November werden dort Bagger anrollen. Sie sollen der natürlichen Entwicklung weiter auf die Sprünge helfen. Über eine Flusslänge von fast einem Kilometer ab dem alten Klärwerk wird mit schwerem Gerät das Profil des Flusslaufes verändert.

Warum und wie, das hat am Dienstagabend Joachim Steinrücke im Planungs- und Bauausschuss der Stadt Stadtlohn erläutert. Der Ingenieur ist Geschäftsführer der ProAqua Ingenieurgesellschaft für Wasser- und Umwelttechnik.

Totholz für mehr Leben

Der Wasserlauf der Berkel ist aus Sicht des Experten noch zu tief eingeschnitten und eingezwängt. Die Berkel strömt zu gleichmäßig. Für Fauna und Flora, so Joachim Steinrücke, wäre es förderlich, den den Flusslauf zu „dynamsieren“, das heißt, Bereiche zu schaffen, in denen der Fluss mal langsamer und mal schneller fließt. Dafür soll die Flusssohle um anderthalb Meter aufgeweitet werden. Dadurch können flachere Uferbereiche entstehen, in denen sich das Wasser selbst seinen Weg sucht. Neu eingebrachtes Totholz wie Baumstämme, Äste oder Wurzeln schaffen geschützte Bereiche mit unterschiedlicher Strömung und Temperatur. So entstehen Lebensräume und Nahrungsquellen für Kleinstlebewesen und für Fische. Die neuen Strömungsverhältnisse sollen im Uferbereich auch die Bildung von flachen Gleithängen und steilen Prallhängen fördern. Auf einer Länge von 400 Metern wird der bislang schnurgerade Berkelzufluss Claushues Pohl verfüllt und naturnah neu angelegt werden: als sich freischlängelnder Bach, ebenfalls mit Totholz ökologisch aufgewertet.

80.000 Kubikmeter Sand

Joachim Steinrücke stellte im Ausschuss auch den Zeitplan bis zum Baustart vor: Am 17. August soll die Erörterung im Rahmen des Planfeststellungsverfahren stattfinden. Nach der Genehmigung sollen die Arbeiten Ende August ausgeschrieben und bis Mitte Oktober vergeben werden, sodass der Baustart spätestens Anfang November erfolgen kann. Die Arbeiten sollen aus Naturschutzgründen auf jeden Fall im Winter abgeschlossen werden. Um einen schonenden Eingriff zu ermöglichen, wird entlang der Berkel eine Baustraße aus Stahlplatten verlegt, über die 80.000 Kubikmeter Sand abtransportiert werden.

Die Flächen befinden sich weitestgehend im Eigentum des Kreises. Die Kosten für die Strukturverbesserung an Berkel und Claushues Pohl schätzte Gerd Große Frericks vom Tiefbauamt der Stadt auf rund 900.000 Euro. 20 Prozent muss die Stadt zahlen, 80 Prozent werden vom Land NRW gefördert.

Die Strukturverbesserung der beiden Flussläufe steht im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Regenrückhaltebeckens am alten Klärwerk. Als Nebenbestimmung ist sie Teil der Baugenehmigung und damit verpflichtend. Sie stärkt nicht nur die Ökologie, sondern verbessert im Hochwasserfall den Wasserabfluss.

Darum diskutierte der Bauausschuss nicht lang und beschloss die vorgestellten Maßnahmen einstimmig. Heinrich Ellers (CDU): „Was sollen wir lange reden, wir müssen’s ja machen.“