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Auch Vermieter darf Wohnung nicht aufbrechen

78-jähriger Stadtlohner wegen Unterschlagung vor Gericht

Stadtlohn Die Unverletzlichkeit der Wohnung steht unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes. Auch ein Vermieter darf die Wohnung nicht ohne weiteres betreten – selbst dann nicht, wenn der Mieter verschwunden ist und die Zahlung der Wohnungsmiete ausbleibt. Dies machte am Montag die Richterin am Amtsgericht Ahaus einem 78-jährigen Stadtlohner unmissverständlich klar.

78-jähriger Stadtlohner wegen Unterschlagung vor Gericht

Der Wohnungseigentümer saß wegen des Vorwurfs der Unterschlagung auf der Anklagebank. Und beinahe hätte er sich auch noch den schwer wiegenden Vorwurf des Wohnungseinbruchs eingehandelt. Der mutmaßlich Geschädigte erschien am Montag trotz Ladung nicht vor Gericht. So hörten Richterin und der Vertreter der Staatsanwaltschaft nur die Version des Angeklagten. Der 78-Jährige berichtete, dass sein Mieter ihm im Juli 2017 eine schriftliche Kündigung für die Wohnung überreicht habe. „Dann habe ich ihn nicht mehr gesehen und nichts mehr von ihm gehört.“

Nach Monaten gehandelt

Monate später habe er dann zunächst die vermüllte Garage ausgeräumt. „Da kam ja keine Miete mehr“, so der Angeklagte. Im Herbst habe er dann das Schloss der Wohnung aufgebohrt, einen Container bestellt und alle Sachen aus dem Fenster dorthinein geworfen. „Was hätte ich denn sonst tun sollen? Etwa das Gericht damit belästigen?“, fragte der Angeklagte. Die Antwort der Richterin: „Ja! Denn Sie hatten in der Wohnung nichts zu suchen! Nur ein Gerichtsvollzieher hätte das gedurft. Sie hätten die Polizei oder das Gericht verständigen müssen.“

„Dringlichkeit vermutet“

Der Verteidiger gab zu bedenken, dass es sich beim Wohnungsinventar aus der Sicht des Vermieters um „herrenlose Sachen“ gehandelt habe. Da war der Mieter allerdings anderer Meinung. Kurz nachdem die Wohnung leer geräumt war, erstattete er Anzeige bei der Polizei. Ihm seien Gegenstände im Wert von 1200 Euro aus der Wohnung abhanden gekommen.

Den möglichen Vorwurf eines Einbruchdiebstahls durch den Vermieter konnte der Verteidiger nur durch einen Hinweis auf den Gestank abwenden, der aus der Wohnung gedrungen sei. Sein Mandant habe das Gefühl gehabt, schnell handeln zu müssen. Die Richterin zeigte Verständnis und stellte das Verfahren gegen die Auflage einer Zahlung von 900 Euro durch den 78-Jährigen an seinen Ex-Mieter vorläufig ein – nicht ohne die dringende Mahnung an den Stadtlohner, so etwas nie wieder zu tun.

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