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Vogelsterben in Selm

Wieso es immer weniger Kiebitze und Lerchen gibt

Selm Früher waren sie weit verbreitet, heute sind sie eine Seltenheit: In Selm gibt es wie in ganz NRW kaum noch Kiebitze und Lerchen. Für viele ist die Landwirtschaft verantwortlich – die weist aber die Schuld von sich.

Wieso es immer weniger Kiebitze und Lerchen gibt

Die Prognose für Feldflurvögel wie die Feldlerche oder den Kiebitz ist schlecht. Foto: picture alliance / dpa

Anfang April hat sich die ornithologische Arbeitsgemeinschaft (OAG) Kreis Unna wieder einmal auf Kiebitzsuche in Selm begeben. Doch auch in diesem Jahr hat sich das bestätigt, was Benedikt Warnke von der OAG schon lange ahnt: „Die Kiebitzpopulation befindet sich auf dem absteigenden Ast“. Seit 1999 zählt die Arbeitsgemeinschaft stichprobenartig einmal im Jahr im April, wie viele Kiebitzbrutpaare sich auf den Selmer Äckern tummeln. Kiebitze sind sehr ortstreue Vögel, „sie kommen fast immer zurück“, erzählt Warnke.

Doch ein Blick auf die Entwicklung seit 1999 zeigt: Die Kiebitzpopulation in Selm ist um mehr als die Hälfte geschrumpft. „Es geht immer weiter bergab“, sagt Benedikt Warnke. Waren es im Jahr 1999 noch 65 Brutpaare, konnten er und seine Mitstreiter in diesem und im letzten Jahr nur noch jeweils 23 Brutpaare sichten.

Hauptsächlich befänden sich diese am Selmer Bahnhof in Richtung Olfen. „Da gibt es aktuelle sechs Brutpaare“, erzählt Warnke. Die säßen dann meist auf Ackern, die noch nicht bearbeitet wurden. Bei ihren Beobachtungen würden sie sporadisch auch die Zahl der Lerchenbrutpaare mitzählen. Die Prognose sei für sie aber, wie für alle Feldflurvögel, schlecht. „Die Landwirtschaft ist mittlerweile so intensiv, dass die Vögel kaum noch einen Platz zum Brüten finden“, sagt Warnke.

Blick auf die Landwirtschaft



Damit bestätigt sich auch in Selm ein Trend, der in ganz NRW schon länger zu beobachten ist. Gab es 2005 noch rund 116.000 Feldlerchen, waren es bei den aktuellsten Zahlen von 2015 weniger als 100.000. Im gleichen Zeitraum sank der Bestand von Kiebitzen von etwa 20.000 auf weniger als 12.000.

Bei der Suche nach den Gründen für das massive Artensterben machen Naturschützer vor allem eine Branche verantwortlich: die Landwirtschaft. So trägt auch für Holger Sticht, dem Vorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Nordrhein-Westfalen, die Landwirtschaft die Hauptschuld. „Die Intensivierung, die Technisierung, der zunehmende Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden – all das macht es für Vögel, die in Agrarlebensräumen zuhause sind, natürlich schwierig zu überleben. Zu diesen Vögeln gehören auch Kiebitz und Lerche“, so Sticht. „Es gibt einfach nicht mehr genug Futter. Außerdem werden ihre Nester und Gelege zerstört.“

Fehler in den Vorjahren



Obwohl das Artensterben erst in den vergangenen Jahren zu einem massiveren Problem geworden ist, seien auch schon in den Jahren zuvor Fehler gemacht worden. „Die Zahlen können durchaus eine Spätfolge der letzten 20 Jahre sein. In einem Boden reichern sich Nährstoffe und Pestizide in so einer Zeit an“, erklärt Sticht.

Doch einfach so den schwarzen Peter zuschieben lassen möchte sich die Landwirtschaft natürlich nicht. „Es ist immer der erste Reflex, dass uns die Schuld dafür gegeben wird“, beklagt sich Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Den Landwirten und ihrer Arbeit die Schuld für das Artensterben zu geben, sei aber nicht gerechtfertigt.

Verantwortung für Umwelt

Das Artensterben hänge eher mit einem Problem zusammen, mit dem die Landwirte selbst auch zu kämpfen haben – dem Flächenfraß. „Die Landwirtschaft verliert in den letzten Jahren massiv an Fläche – dadurch wird der Lebensraum der Vögel natürlich auch kleiner“, erklärt Rüb. Deshalb gebe es Aktionen wie das „Lerchenfenster“, bei denen Landwirte Extra-Flächen für Lerchen auf ihrem Feld frei lassen. Und der Einsatz von Pestiziden? „Alles, was eingesetzt wird, wird geprüft – auch unter Gesichtspunkten des Artenschutzes.“

Die Schuld nur bei der Landwirtschaft zu suchen, wäre auch für Fritz Angerstein zu kurz gedacht: „Letztlich muss sich jeder Bürger selbst fragen, inwieweit er zum Artensterben beiträgt und wie er der Verarmung der Umwelt entgegensteuern kann.“

Zu spät ist es für ein Comeback der Vögel laut Angerstein noch nicht.

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