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DJ von Culcha Candela im Interview

„Ihr werdet schwitzen, dafür sorgen wir!“

Selm Die deutsche Reggae- und Hip-Hop-Band Culcha Candela ist der Stargast beim Selmer Stadtfest. Im Interview verrät Mitglied DJ Chino, worauf sich das Publikum freuen darf und spricht auch über Herzensangelegenheiten und Aufreger.

„Ihr werdet schwitzen, dafür sorgen wir!“

Culcha Candela sind zu Gast beim Selmer Stadtfest. Foto: Katja Kuhl

DJ Chino ist während des Telefoninterviews im Auto unterwegs. Ruhige Momente haben er und seine Band-Kollegen von Culcha Candela nur selten – und das seit 16 Jahren. Fast pünktlich zum Jubiläum lernt die Band jetzt Selm kennen.

Ihr kommt ursprünglich aus Berlin – kanntet ihr Selm vorher?

Wir hatten davon gehört. Ich muss aber ganz ehrlich zugeben, dass ich es geografisch anfangs nicht einordnen konnte – mittlerweile weiß ich aber Bescheid und bin schon sehr gespannt. Wir waren ja oft in Dortmund und Münster unterwegs, jetzt kommen wir nach Selm. Das ist einer der schönen Aspekte unseres Berufs: Wir kommen viel rum und lernen unser Heimatland Deutschland kennen.

Wie viele Konzerte und Auftritte habt ihr denn jährlich?

In diesem Jahr kommen wir auf rund 50 Konzerte, schätze ich. Es ist definitiv weniger geworden. Früher haben wir deutlich mehr gespielt, etwa 100 Mal pro Jahr. Das funktioniert aber auf Dauer nicht, weswegen wir uns jetzt auf einer guten Basis bewegen. 40 bis 50 Auftritte sind machbar, ohne dass der Spaß darunter leidet. In den Sommermonaten haben wir dann meist ein bis zwei Konzerte am Wochenende, aber im Winter wird es ruhiger.

Obwohl ich sagen muss, dass wir alle unseren Job am meisten lieben, wenn wir viel unterwegs sind und unsere Musik zeigen können.

Thema Musik: Was bringt ihr mit nach Selm? Wir dürfen uns wahrscheinlich nicht nur auf altbekannte Hits freuen, oder?

Nicht nur, ganz richtig. Ihr bekommt sozusagen eine Best-Of-Packung. Wir haben ja mittlerweile 16 Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel, aus allen Epochen spielen wir unsere Songs. Es wird auf jeden Fall eine bunte Mischung. Natürlich sind auch ein paar Titel von unserem neuen Album „Feel Erfolg“ mit dabei – aber auch ältere Culcha-Fans, die das neue Album nicht kennen, werden auf ihre Kosten kommen und den ein oder anderen Song wiedererkennen.

Erzähl uns von dem neuen Album – man hört den typischen Culcha-Candela-Stil aus den vergangenen Jahren deutlich raus. Aber es hat sich auch einiges verändert.

Wir sind zwar älter geworden, haben uns aber musikalisch verjüngt, würde ich sagen. Unsere DNA ist noch erhalten: die Mischung aus verschiedenen Musikrichtungen, aus allem, was wir mögen. Früher war das Hip Hop, Reggae, Latino. Das war der Mix, mit dem wir damals angefangen haben. Aber wir haben uns weiterentwickelt und immer die Augen und Ohren nach neuen Klängen offen gehalten. Was wir bei dem Album „Feel Erfolg“ anders gemacht haben: Es sind viele junge Producer dabei. Das hat uns frischen Wind gebracht. Wir sind quer durch das Land gereist, waren in vielen Studios zu Gast und konnten mit vielen coolen, talentierten Leuten zusammenarbeiten.

Es ist wirklich erstaunlich, wie viel junges Talent mittlerweile nachgewachsen ist. Ja, deswegen ist unser Sound-Spektrum etwas breiter geworden. Aber der rote Faden ist nach wie vor zu sehen.

Kannst du ein paar Namen nennen?

Unsere neue Single „Rodeo“ ist mit dem Produzenten Guido Craveiro entstanden. Er hat beispielsweise schon mit Seeed und vielen anderen Künstlern aus der Reggae-Szene zusammengearbeitet.

Juh-Dee hat auch viel zum Album beigetragen. Das ist lustig, weil er eigentlich Deutsch-Rap produziert – für Kollegah, KC Rebell oder Summer Cem. Das war nicht nur für uns, sondern auch für ihn ein musikalischer Spagat.

Es gibt auf jeden Fall eine sehr illustre Runde auf dem Album und ich denke, das merkt man auch.

Ihr seid als multikulturelle Band auch abseits der Bühne für euer politisches und soziales Engagement bekannt, setzt euch gegen Kinderarbeit ein und unterstützt die Arche. Welche Themen bringen euch so richtig auf die Palme?

Im Moment gibt es natürlich Steilvorlagen noch und nöcher – amerikanische und türkische Präsidenten, um mal einige davon zu nennen. Es sind so viele Menschen in diesem politischen Panoptikum, die Grund für Kritik aufwerfen. Da tragen wir als Personen der Öffentlichkeit auch irgendwo eine Verantwortung, Stellung zu beziehen.

Die Themen, die uns schnell auf die Palme bringen: Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Rassismus und Sexismus. Auch Antisemitismus generell – der wird ja auch jetzt wieder sehr stark diskutiert.

Du sprichst den Antisemitismus schon an: Wie steht ihr als Gruppe zur Echo-Debatte?

Die ganze Situation ist natürlich hochgekocht, es ist sehr unglücklich gelaufen. Kollegah und Farid Bang durften auftreten, obwohl die Diskussion über ihre Liedtexte schon vorher da war.

Es ist bestimmt förderlich, dass der Echo einen Neuanfang wagt. Aber musste es dafür wirklich erst diesen Skandal geben? Natürlich ist der Echo immer ein sehr großer Preis für alle Musikkünstler gewesen, aber seine Bedeutung hat innerhalb der letzten Jahre deutlich abgenommen. Für die Zukunft gibt es auf jeden Fall genug Spielraum für Verbesserungen.

Dass ein Neuanfang viel bewirken kann, habt ihr ja auch gezeigt: Seit 2015 seid ihr nicht mehr zu sechst, sondern nur noch zu viert unterwegs. Hat sich dadurch das Gefühl auf der Bühne verändert?

Lustigerweise merken wir es auf der Bühne am wenigsten. Da ist alles wie immer, wir geben Vollgas. Da fühlen wir uns auch in der Viererbesetzung am wohlsten. Wir haben uns jetzt Verstärkung dazu geholt – in Form von zwei wunderbaren Sängerinnen, die uns unterstützen.

Was sich im Gegensatz dazu sehr verändert hat, ist das Drumherum, die Arbeitsweise. Uns fehlen natürlich zwei Künstler. Dadurch haben wir uns jetzt anderen musikalische Einflüssen geöffnet, die uns aber sehr gut bekommen, wie ich finde. Die Live-Auftritte sind aber nach wie vor unsere Leidenschaft und da zeigen wir, was wir können.

Also keine Angst vor Langeweile in Selm?

Absolut nicht. Ihr solltet euch sogar ein wenig aufwärmen, vielleicht am Freitag noch eine Runde Joggen gehen. Ein bisschen Fitness wäre nicht verkehrt. Wir sind immer sehr ehrgeizig, wenn es darum geht, die Leute mitzunehmen und die Show möglichst interaktiv zu gestalten. Ihr werdet ins Schwitzen kommen, dafür sorgen wir.

Selm Das Selmer Stadtfest wird an fünf statt an drei Tagen – vom 13. bis 17. Juni - laufen. Die großen Musikveranstaltungen – unter anderem mit Culcha Candela – laufen auf dem neuen Campusplatz Süd. Zum Warmhören haben wir Videos.mehr...

DJ Chino heißt eigentlich Matthias Hafemann. Als Künstler nennt er sich auch Chino con Estilo. Er gehört seit 2002 zur Reggae-Band Culcha Candela.

Der Berliner mit koreanischen Wurzeln ist der DJ der Band und kümmert sich auf der Bühne weniger um den Gesang, sondern um Melodien und Beats.

Kurz nach der Gründung im Jahr 2002 bestand die Band noch aus sieben Mitgliedern. Heute gehören Mateo Jasik (Polen), Johnny Strange (Deutschland), Don Cali (Kolumbien) und DJ Chino (Südkorea) zum vierköpfigen Ensemble.

Tickets für das „Summer Open Air“ am Samstag, 16. Juni, kosten 19 Euro im Vorverkauf, 23 Euro an der Abendkasse.

Folgende Vorverkaufsstellen im Selmer Stadtgebiet haben Karten:
die Filialen der Sparkasse in Selm und in der Hauptstelle in Lünen
das Amtshaus Bork
alle Filialen der Volksbank Selm
der FoKus Selm, Willy-Brandt-Platz
Getränke Krevert, Funnemannstraße
die Tankstelle Vernekohl, Lünener Straße
die Aral-Tankstelle Otto, Kreisstraße

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