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Selbstversuch zur Spargelsaison in Selm

Ein Tag als Spargelstecher

Selm Mit Spannung erwarten viele schon den Beginn der Spargelsaison. Davor liegt aber die Ernte. Am Schloss Sandfort in Selm hat die gerade begonnen. Ein Selbstversuch unseres Reporters zeigt, worauf es dabei ankommt und warum eine Mauererkelle dabei wichtig ist.

Ein Tag als Spargelstecher

Unser Reporter probierte sich als Spargelstecher. Foto: Marvin K. Hoffmann

Der Erntehelfer streift sich den linken Handschuh über, dann den rechten. Die Handschuhe liegen eng an, die Finger bleiben beweglich. Er geht in die Hocke, zieht eine dünne Eisenstange aus dem Boden. Die darunterliegende Plane wirft er über den aufgeschütteten Erddamm. Darunter: noch eine Plane. Auch diese muss weichen. Die Erde ist feucht und warm. In einem Abstand von einem Meter stehen sie dann: Die ersten Spargelköpfe sind da – und müssen in akribischer Handarbeit gestochen werden.

Fünf Kilo Spargel in einer halben Stunden

Fünf Kilogramm Spargel sticht ein erfahrener Erntehelfer in einer halben Stunde. Unser Reporter hat es selbst probiert. Und braucht fast so lange für nur drei Stangen. „Früher haben wir mit einem Messer seitlich in den Damm gestochen und ‚gehofft‘, die Pflanze zu treffen. Mit den Stechgeräten ist das jetzt wesentlich leichter und weniger Stangen werden beschädigt“, erklärt Lars Hittscher, der Verwalter von Schloss Sandfort und den dazugehörigen Feldern. Das Stechgerät ist ungefähr 40 Zentimeter lang. Es sieht aus wie eine Miniatur-Rutsche, am Ende leicht gebogen und spitz. Die weitere Ausrüstung: ein Korb aus Metall und eine Maurerkelle – dazu später mehr.

Der Spargel selbst wird nur ein einziges Mal gesetzt – und kommt dann jedes Jahr aufs Neue. „Im Juli, August, September und Oktober sammelt das Wurzelsysteme neue Energie, um im folgenden Jahr wieder hervorzuschießen“, so Hittscher. Doch die Stangen kommen nicht sofort. Hittscher: „Im Jahr Null wird gepflanzt, im Jahr eins hat man noch keine Ernte, im Jahr zwei 10 bis 20 Prozent. Den vollen Ertrag hat man im vierten Jahr – und dann folgen noch mal fünf bis sechs Jahre.“ Und dann ist Geduld gefordert. Ein Spargelfeld verspricht zwar zehn Jahre lang Ernte – kann dann aber nicht mehr mit dem Stangengemüse bepflanzt werden.

Vorsichtige Arbeit am Spargelkopf

Zurück zur Ernte: Unser Reporter kniet vor dem Damm. Ein einzelner Spargelkopf ragt aus der Erde. Und jetzt? „Mit zwei Fingern vorsichtig die Erde entfernen, etwa zehn Zentimeter tief“, sagt Hittscher. Unser Reporter buddelt. Und dann? „Neben der Pflanze gerade in den Boden und dann zustechen“, erklärt der Verwalter. Die Spitze des Stechgeräts gleitet weich durch die Erde – vorbei an der Spargelstange. Hittscher lacht. „Wenn die gerade gewachsen wäre, hätten wir sie erwischt.“ Neuer Versuch. Dieses Mal klappt es. Leicht lässt sich die die Stange aus dem Boden ziehen.

Ein Tag als Spargelstecher

Ein einzelner Spargelkopf ragt aus der Erde. Und jetzt? Foto: Marvin K. Hoffmann


Das Loch wieder zuschütten“, sagt Hittscher. Dafür also die Maurerkelle. Unser Reporter klopft den Damm wieder zusammen. Für die nächste Ernte. Hittscher: „Bis Juni schieben die Stangen sich nach oben durch.“ Ist eine Stange gestochen, schiebt von unten eine andere Stange nach. Immer wieder – bis zum Ende der Erntezeit.

Ein Tag als Spargelstecher

Im Hofladen wird der geerntete Spargel verkauft. Ein Kilo Spargel kostet zurzeit ungefähr zehn Euro. Foto: Marvin K. Hoffmann

Doch damit nicht genug der Arbeit. Im Hofladen geht es weiter. Der Spargel wird sortiert, geschält, zum Verkauf angeboten. Dieses Jahr hat es länger gedauert, bis der Spargel geernet werden konnte. Das Lag auch am kalten Wetter. Nun freuen sich die Spargelfans. „Wir haben viele Stammkunden“, sagt Hittscher. Einer ist gerade da. Udo Holz aus Selm hat extra seine Walking-Runde so geplant, dass sie am Hofladen vorbeiführt. „Ich wollte sehen, ob es schon frischen Spargel gibt“, sagt Holz – und bestellt ein Kilogramm vor. „Die Qualität stimmt. Ich freue mich auf die Spargelsaison“, erklärt der Stammkunde.

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