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Weltkriegsbomben in Selm

Bomben auf McAirlaid‘s-Gelände geborgen

Selm Durchatmen: Drei Bomben haben Kampfmittelräumer auf dem Baugrundstück an der Steigerstraße in Selm unschädlich gemacht – ohne Evakuierung und Explosion. Dabei waren die Weltkriegsrelikte brandgefährlich.

Bomben auf McAirlaid‘s-Gelände geborgen

Luftdicht verpackt hinter der Zarges-Kiste: die Brandbomben. Foto: Foto: Sylvia vom Hofe

Am Donnerstagmittag kratzt sich Alessandro Rametta den Lehm von den hohen Arbeitsschuhen. Zusammen mit Feuerwerker Andreas Brümmer hat er seinen Auftrag an der Steigerstraße in Selm beendet. „Wir haben drei Bomben luftdicht verpackt für den Transport“, sagt Brümmer. Sie hatten den Bau der zentralen Produktionsstätte des international tätigen Vließherstellers McAirlaid`s mehr als einen Monat lang blockiert.

„Damit war nicht zu rechnen“, sagt der Feuerwerker. Auf den Luftbildern der Bezirksregierung sei der Acker, auf dem McAirlaid`s mehr als 100 Arbeitsplätze schaffen will, „völlig unverdächtig“ gewesen. Doch dann stießen Baumaschinen unmittelbar nach dem ersten Spatenstich auf etwas Verdächtiges: Baustopp. Das Absuchen mit Metalldetektoren bestätigte anschließend: vier Verdachtsfälle.

Kleine Bomben

Warum die Bomben nicht auszumachen waren, ist Brümmer inzwischen klar. „Sie waren zu klein.“ Zum Vergleich: Ende November 2016 hatten Bauarbeiter in drei Meter Tiefe am Borker Nepomukweg eine 250-Kilogramm-Bombe gefunden. Rund 400 Bürger mussten damals während der Entschärfung evakuiert werden. Am Donnerstag können die Gewerbetreibenden zwischen Schacht- und Werner Straße dagegen in ihren Büros und Werkstätten bleiben.

Baugrundstück an Werner Straße

Bombenverdacht sorgt für Baustopp bei McAirlaid’s

Selm Eigentlich sollten die 90 Stützen für die neue Produktionshalle des Vließherstellers McAirlaid’s schon von Weitem zu sehen sein. Doch auf der Baustelle tut sich derzeit nichts. Grund ist ein Bombenverdacht. Und nun?mehr...

Bei den in etwas mehr als einem Meter Tiefe entdeckten Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg handelt es sich um englische 15-Kilogramm-Brandbomben. „Sie bestehen aus weißem Phosphor und Benzin.“ Das Benzin sei längst versickert. „Der Phosphor begann aber, kaum dass wir die Bomben ausgegraben hatten, im Kontakt mit Sauerstoff schon wieder an zu brennen“ – daher die luftdichte Verpackung. Die Kampfmittelräumer bringen die drei Fundstücke erst zu einem Sammelbunker bei Hagen. Wo genau er sich befindet, unterliege der Geheimhaltung, sagt Brümmer. Anschließend würden die Bomben demontiert und bei 1600 Grad verbrannt.

Nur ein Stück Draht

Der vierte Verdachtsfall aus dem Selmer Grundstück braucht nicht so sorgfältig bearbeitet zu werden: „Das war nur ein Stück alter Draht“, sagt Maik Kapphammel, Mitarbeiter des von der Bezirksregierung beauftragten privaten Kampfmittelräumungsunternehmens Schollenberger aus Celle.

Erst baggernd, dann mit dem Spaten grabend, zum Schluss mit den Händen freiräumend: So hatten sich Kapphammel und seine Kollegen den vier Verdachtsfällen genähert. „Angst darf man dabei nicht haben“, sagt er. „Respekt aber auf jeden Fall.“ Denn wie gefährlich der Fund wirklich ist, zeige sich erst, wenn er zu sehen sei. Die drei Bomben von der Steigerstraße gelten bei Kampfmittelräumern als weniger gefährlich.

Aber als ärgerlich – zumindest für McAirlaid’s. Auch wenn die Bauarbeiter jetzt Gast geben können: Ob die Produktion im September beginnen kann, ist fraglich.

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