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Bahnstreik hätte ewig dauern können

SCHWERTE Ohne Zug kein Abschiedsschmerz: Jede Minute Verspätung genossen Eugen Nickel und Natalja Kort. Die angenehme Seite des Bahnstreiks.

Innig umschlungen stand das Paar Donnerstagmorgen am Gleis 5, wo die Ardeybahn die junge Frau nach Dortmund entführen sollte. Wann der Moment der Trennung nahte, mochte nicht einmal die große neue Anzeigetafel in der Wartehalle verraten. Sie schloss sich offensichtlich dem Arbeitskampf an und versagte ihren Dienst.Bahnsteige fast menschenleer „Zurzeit fallen die Dortmunder aus“, wusste jedoch Wolfgang Pitzer im Reisezentrum. Ansonsten fahre der größte Teil der Züge, wenn auch teilweise mit Verspätung. Eine ähnliche Situation also wie beim letzten Streik am vergangenen Freitag. Wieder hatten sich viele Pendler offensichtlich andere Möglichkeiten gesucht, um zum Arbeitsplatz zu gelangen. Denn die Bahnsteige zeigten sich fast menschenleer. Nicht ein einziger Reisender wollte in den Triebwagen nach Kassel einsteigen, der planmäßig auf Gleis 1 einlief.Mehr Zeit eingeplant    Auf die Situation eingestellt hatte sich auch Dr. Svenja Schmülling, die trotz des Streiks zum Ärztekongress nach München musste. „Ich fahre lieber etwas eher“, plante sie von vornherein genügend Zeit zum Umsteigen in den ICE ab Köln ein. Für den Arbeitskampf der Lokführer fand die Medizinerin Verständnis: „Wenn die Bedingungen schlecht sind, müssen sie das tun. Die haben einen verantwortungsvollen Job.“ Außerdem hätten die Ärzte im vergangenen Jahr ja auch gestreikt. Wartezeit mit Kaffee überbrückt Die tickende Bahnsteiguhr konnte Schwester Margarethe Kamphus nicht aus der Ruhe bringen. Auf der Wartebank harrte die Ordensfrau auf den Zug zu ihrer Schwester ins Münsterland: „Ich muss eine halbe Stunde warten. Das ist normal.“ Mit lediglich einer Viertelstunde Verspätung kam dagegen der Damen-Stammtisch „Die Spätzünder“ aus Greven an. Die Zeit bis zur Weiterfahrt nach Willingen verkürzte sich die lustige Truppe auf angenehme Weise: Mit Kaffee und Brötchen vom Bahnhofsbäcker.  

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