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Bananen auf Rezept

OLFEN Es war ja nicht alles schlecht. Es gab zwar keine Bananen, dafür aber auch keine Arbeitslosigkeit. Sätze, die man immer wieder hört, wenn von der ehemaligen DDR die Rede ist. Die Zeitzeugen Andreas Schlotz und Ute Lütkemeier erzählen Olfener Schülern von der DDR.

Bananen auf Rezept

Die ehemaligen DDR-Bürger Andreas Schlotz und Ute Lütkemeier erzählten den Gesamtschülern von ihrer bewegten Vergangenheit

Wie das Leben jenseits des Eisernen Vorhangs wirklich aussah, davon konnten sich am Montag die Schüler des Geschichts-Leistungskurses Jg. 13 an der Wolfhelm-Gesamtschule mit Lehrerin Cordula Bahn-Delker ein Bild machen. Zwei Schulstunden lang erzählten die Zeitzeugen Andreas Schlotz und Ute Lütkemeier den Schülern aus ihren spannenden Biographien – Geschichte zum Anfassen.

Flucht drei Tage vor dem Mauerfall

Schlotz floh am 6. November 1989 über die tschechische Grenze nach Bayern, übernachtete dort mit 300 anderen Flüchtlingen in einer Turnhalle in Amberg. Drei Tage später fiel die Mauer. Die erste Frage eines Schülers: „Ärgert Sie das, drei Tage zu früh dran gewesen zu sein?“ Die Antwort: Ein „Ja, aber...“ Denn Andreas Schlotz musste zwar alles zurücklassen, konnte aber am 6. November noch nicht damit rechnen, dass sich drei Tage später die Ereignisse überschlagen würden. „Wir haben immer geglaubt, der Russe marschiert ein.“ Über ein Aufnahmelager in Recklinghausen landete Schlotz schließlich in Olfen, wo seine beiden Kinder heute die Wolfhelmschule besuchen.

Dort werden sie in Mathe und Kunst von Ute Lütkemeier unterrichtet, die ebenfalls eine ostdeutsche Vergangenheit hat. Nach dem Abitur studierte die gebürtige Dessauerin vier Jahre lang in Erfurt. Bis die Wende kam. „Weil damit im Osten auch das Bildungssystem umgestellt wurde, konnte ich meinen Abschluss nicht mehr machen und bin nach Paderborn gegangen“, erzählt Lütkemeier.

Schöne Erinnerungen an die Jugend

An ihre Jugend in der DDR haben die beiden Zeitzeugen überwiegend positive Erinnerungen. „Wir sind aufgewachsen wie jeder andere auch. Auf mein Jungpionier-Hemd war ich sogar richtig stolz“, so Schlotz. Und Ute Lütkemeier bezeichnet die Studienjahre in Erfurt mit sieben Mitbewohnern pro Wohneinheit gar als ihre „schönste Zeit“.

Einmal in Fahrt, nutzte Andreas Schlotz die Gelegenheit, um mit einem gängigen Vorurteil aufzuräumen: „Es gab Bananen!“ An Lebensmitteln konnte man alles kriegen, es war nur eine Frage des Preises. Und ich wurde als Handwerker gut bezahlt“, so der Glas- und Gebäudereiniger. Über eine Freundin beim OGS (Obst, Gemüse, Speisekartoffeln) kam er so auf Rezept auch an Bananen ran.

Weniger positive Erinnerungen haben die beiden Zeitzeugen indes an den Staatsapparat. Öffentliches und privates Leben stand unter ständiger Kontrolle der Staatssicherheit.

„In Erfurt habe ich mir mal mit einem Kumpel einen Spaß gemacht und durch ein Fenster des Stasi-Gebäudes nach innen geschaut. Prompt musste ich eine Nacht da bleiben“, berichtet Andreas Schlotz heute augenzwinkernd.

Nicht zu viel mit dem Staat zu tun haben

Und Ute Lütkemeier machte nach der Wende die Entdeckung, dass einer ihrer besten Freunde selbst Stasi-Mitarbeiter war. „Da wurde mir erst richtig bewusst, was das für ein schlimmes System war.“

Das Fazit der beiden fiel dementsprechend gemischt aus. Gefehlt habe ihnen damals nichts, es war tatsächlich nicht alles schlecht. Aber, so betont Andreas Schlotz: „Man musste aufpassen, in diesem Staat nicht zu viel mit dem Staat zu tun zu haben.“

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