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„Übertriebener Druck führt bei schlechten Noten zu nichts“

Zeugnisse

Welches Verhalten ist angebracht, wenn das Kind schlechte Noten mit nach Hause bringt? Übertriebener Druck hilft jedenfalls nicht. Diplom-Psychologin Martina Rupprecht klärt auf.

Lünen

von Magdalene Quiring-Lategahn

, 10.07.2018
„Übertriebener Druck führt bei schlechten Noten zu nichts“

Bald gibt es Zeugnisse. Schlechte Schulnoten sorgen in Familien häufig für Stress. Foto dpa © picture alliance / dpa

Bald gibt es Zeugnisse. Das provoziert in manchen Familien Stress. Martina Rupprecht arbeitet bei der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche. An sie können sich Familien wenden, wenn sie Hilfe suchen. Im Gespräch mit Redakteurin Magdalene Quiring-Lategahn gibt Martina Rupprecht Tipps zum Umgang mit schlechten Noten.

Frau Rupprecht, es gibt bald Zeugnisse. Haben Sie dann immer viel zu tun?

In der Tat ist das eher zu den Halbjahreszeugnissen der Fall. Denn dann wissen Eltern, was sie erwartet und die Familie hat Zeit, zu handeln. Aber es melden sich auch Eltern vor den Sommerferien.

Wenn Eltern absehen können, es läuft nicht in der Schule. Worauf sollten sie achten?

Bei schlechten Noten vermuten viele Eltern, ihr Kind sei faul. Gerade bei Grundschülern trifft das eher selten zu, weil Kinder eigentlich gerne lernen. Schlechte Noten haben bei ihnen häufig damit zu tun, dass sie etwas noch nicht können. Nicht selten spielen diese Ursachen eine Rolle: Über – oder Unterforderung, Teilleistungsstörungen oder Konzentrationsprobleme; aber auch psychische Probleme, zum Beispiel durch Mobbing oder Stress in der Schule. Bei Heranwachsenden kann natürlich auch Faulheit eine Rolle spielen, was oft mit der Pubertät zu tun hat. Dann sind andere Dinge wichtig, wie Mädchen oder Jungen, mit Freunden treffen oder „Chillen“. Da bleibt für die Schule wenig Zeit. Manchmal hilft Eltern, einen wohlwollenden Blick auf die eigene Jugend zu werfen. Wichtig ist in jedem Fall, das Gespräch mit dem Sohn oder der Tochter zu suchen.

Was sollten Eltern bei schlechten Noten dann tun?

Sich in aller Ruhe zusammensetzen und trösten. Trost brauchen auch die, die auf den Putz hauen. Denn schlechte Noten sind schlecht für das Selbstbewusstsein. Eltern sollten mit dem Kind ins Gespräch kommen und einen klaren Plan festlegen. Sie können sich auch bei uns beraten lassen. Dann geht es um Fragen, wo steht das Kind? Welche Hilfen braucht es? Und Eltern sollten bedenken, nicht jedes Kind ist in der Schule eine Rakete. Trotzdem sind das tolle Menschen, die ihren Weg gehen. Strafen und Druck sind jedenfalls das Falsche.

Woher kommt dieses Schimpfen und Druck ausüben?

Der Leistungsdruck hängt auch mit unserem Bildungssystem zusammen, wo eine Schulform schon das soziale Aus bedeuten kann. Doch es gibt auch Möglichkeiten, später Schulabschlüsse draufzusatteln.

Was können Eltern über das ganze Jahr hinweg tun, um ihr Verhalten zu ändern und das Kind vielleicht auch positiv zu beeinflussen?

Loben, loben und nochmal loben, bei jeder Kleinigkeit, die besser läuft. Pubertierende Kinder sind allerdings schwerer zu motivieren.

Wie kann sich das unangemessene Verhalten der Eltern auf die Schulleistung des Kindes auswirken?

Übertriebener Druck kann auch dazu führen, dass das Kind Noten verheimlicht. Druck jedenfalls führt zu nichts. Dass wissen wir doch von uns selbst. Dann wird nur die Anspannung größer.

Was ist, wenn das Kind sitzen bleibt?

Dann sollten sich die Eltern die Frage stellen, ist es sinnvoll, dass das Kind die Klasse wiederholt? Wird es positive Effekte haben oder ist es insgesamt überfordert und die Schulform nicht die richtige.

Gibt es auch falsches Verhalten bei guten Noten?

Ich kann nicht verstehen, warum es für gute Note oft Geld gibt. Dabei haben Noten mit Geld nichts zu tun. Das ist wie eine Bezahlung. Beispiel Geschwister: Dem einen fällt es in den Schoß und er bekommt Geld, der andere schafft mit viel Elan eine drei und bekommt nichts. Dabei ist dieses Ergebnis für ihn viel wertvoller. Oder soll ein Schüler bei einer Fünf Geld zurückzahlen?

Was könnte ein Anreiz zum Lernen sein?

Etwas, was sich ein Kind schon lange wünscht oder eine Unternehmung mit der Familie, die Zeit mit schönen Dingen füllen.

Kann die Familiensituation auch eine Rolle spielen bei schlechten Noten?

Ja, Kinder reagieren manchmal auf häusliche Probleme mit Abwesenheit, können sich nicht motivieren. Wer psychisch unter Druck steht, kann keine guten Leistungen bringen. In Krisensituationen kann die Caritas-Beratungsstelle Ansprechpartner sein. Wir versuchen, das Problem von verschiedenen Seiten zu beleuchten.