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Die Hölschers und ihre Holzschuhe in Asbeck

Gastgeber der Schnadgänger am 1. Mai

Asbeck Kreischend frisst sich die Säge durch das Holz, zwei Holzschuhe entstehen. Und das genauso wie vor 60 Jahren. Davon können sich die Schnadgänger am 1. Mai bei der Familie Hölscher persönlich überzeugen.

Gastgeber der Schnadgänger am 1. Mai

In der Holzschuhwerkstatt (v.l.): Bernd, Marion, Maike, Sebastian und Ewald Hölscher. Sie freuen sich auf die Schnadgänger, die am 1. Mai auf ihrem Hof rasten werden. Foto: von Wangenheim

Wer die Werkstatt der Familie Hölscher im Eißingort betritt, findet sich auf einer Zeitreise wieder. Die Maschinen, bedeckt von Holzstaub und Spänen, sind teilweise älter als Ewald Hölscher. Im Juli wird der 81-Jährige Holzschuhmacher seinen Diamantenen Meisterbrief bekommen.

Tradition wird hier gelebt. Nicht nur mit dem alten Handwerk. So hat die Familie sofort zugestimmt, die Schnadgänger zu ihrer Rast zu empfangen. Ewald Hölscher war selbst jahrzehntelang im Vorstand des Heimatvereins Asbeck tätig und freut sich auf die Gäste am Maifeiertag.

Holzschuhmacher in Asbeck

In der Holzschuhwerkstatt (v. l.): Bernd, Marion, Maike, Sebastian und Ewald Hölscher. Sie freuen sich auf die Schnadgänger, die am 1. Mai auf ihrem Hof rasten werden. (5) von Wangenheim
Mit Pappelholzstämmen fängt alles an.
Bernd Hölscher sägt aus einem Stamm mehrere gleich große Stücke.
Grob werden zwei Holzstücke vorgesägt. Es wird immer ein Paar hergestellt.
Die Hölzer werden in den Kopierer eingespannt.
Die Hölzer werden in den Kopierer eingespannt.
Das Gussmodell gibt die Form vor.
Die Säge kreischt, die Späne fliegen, langsam schält sich die Grundform des Schuhs heraus.
Die Kopiermaschine stammt aus den 1930er-Jahren.
Die Werkstatt könnte gut in einem Museum stehen.
Jetzt sind die Schuhe groß vorgeformt.
Zweite Station ist die Bohrmaschine. In der Mitte ist wieder ein Modell, ein Fühler tastet es ab, die Maschine überträgt die Bewegungen auf die beiden Löffelbohrer.
Zweite Station ist die Bohrmaschine. In der Mitte ist wieder ein Modell, ein Fühler tastet es ab, die Maschine überträgt die Bewegungen auf die beiden Löffelbohrer.Man sieht, wie die Holzabfälle immer mehr werden...
...und am Ende herausfallen. Ein dritter Schritt ist die Nachputzmaschine, die ähnlich funktioniert, nur feiner arbeitet.
Bernd Hölscher schleift die Spitzen in die typische Form.
Verarbeitet wird das noch feuchte Holz. Jetzt kommen die Holzschuhe für fünf bis acht Tage in eine Trockenkammer, in der sie bei etwa 40 Grad langam ausdampfen.
Erst, wenn es einen Auftrag gibt, poliert Bernd Hölscher die Holzschuhe.
Am Ende wird  der letzte Staub abgesaugt.
Ein Stempel mit der Schuhgröße kommt auf die Unterseite. Von 21 bis 50 ist alles möglich.
Im Gegensatz zu den niederländischen Holzschuhen kommen im Münsterland Lederbänder auf den Schuh. das macht ihn bequemer.
Das Lederband wird aufgetackert.
Die fertigen Holzschuhe aus der Werkstatt von Bernd Hölscher.
Tochter Maike hilft und verdrahtet die beiden Schuhe zu einem Paar.
Ewald Hölscher hat vor 60 Jahren seinen Meister als Holzschuhbauer gemacht. In wenigen Wochen wird er zu seinem Meisterbrief von 1958 auch noch den Diamantenen Meisterbrief erhalten.
Die eigene Familiengeschichte reicht weit zurück. „Seit es Kirchenbücher in Asbeck gibt, ist die Familie Leuters hier vertreten“, sagt Ewald Hölscher. Einen Stammbaum haben sie bis 1690 zurückverfolgt. Leuters folgt auf Leuters. Doch dann, Jahrhunderte später, stirbt der Erbe Bernhard Hölscher im Ersten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft. Sein Bruder Heinrich wird nur 25 Jahre alt. Also geht der Hof an die Schwester Gertrud, die damals schon mit Bernhard Hölscher verlobt ist. Der soll eigentlich den elterlichen Hof im Frettholt erben, erklärt sich dann aber bereit, den Hof Leuters zu übernehmen. Seitdem heißt der Hof Hölscher. An die Leuters, an den früheren Flur- und Hofnamen, erinnern heute noch die Schilder „Leutersdorf“ an den Bäumen. Das ist Ewald Hölscher wichtig, der erzählt, er hätte am liebsten den Namen Leuters übernommen.

Name ist Programm

Auch Bernhard Hölscher ist schon Holzschuhmacher und ein Meister seines Handwerks – kein Wunder bei dem Namen. Hölscher stammt von der niederdeutschen Berufsbezeichnung „Holschke“ ab, also Holzschuhmacher. Er richtet 1934 im Eißingort seine Holzschuhwerkstatt ein, in der fünf bis sechs Männer arbeiten. 1939 wird er eingezogen, aber schnell wieder nach Hause geschickt. Die Werkstatt wird zum Rüstungsbetrieb. Seine Holzschuhe werden für Gefangenenlager benötigt.

Nach dem Krieg läuft die Produktion langsam wieder mit drei Mitarbeitern an. Zusammen mit dem Eierhändler geht es regelmäßig ins Ruhrgebiet. Ewald Hölscher macht seine Ausbildung, steigt in den Familienbetrieb ein, stellt Holzschuhe her und reist herum zu kleinen Schuhmachern und Läden. Auch Verzinkereien oder Glashüttenwerke kaufen die Holzschuhe. „Aber die Constructa hat alles geändert“, sagt er. Mit den Waschmaschinen verschwinden die Waschkeller, in denen Frauen gerne die trocken haltenden Schuhe trugen.

„Wir haben durchgehalten, haben keinem gekündigt“, sagt Ewald Höscher nicht ohne Stolz. Längst hat sein Sohn Bernd Hölscher die Holzschuh-Produktion übernommen. Das Handwerk als Beruf konnte er schon nicht mehr erlernen. Das ist sicher gut so, ist doch heute die Landwirtschaft mit Schweinemast und Ackerbau das Hauptstandbein. Von Holzschuhen könnten die Hölschers heute nicht mehr leben.

3000 Paare pro Jahr

Aber ganz davon lassen wollen sie auch nicht. Immerhin rund 3000 Paare entstehen in jedem Jahr. „Früher waren es 30.000“, sagt Bernd Hölscher. Die meisten gehen an Großhändler. Auf wenige Märkte wie den Klumpensonntag in Rhede fährt Bernd Hölscher noch.

Immer wenn er Zeit hat, geht er in die Werkstatt. Eine Jahresproduktion lagert dort in der Regel. Von Schuhgröße 21 bis 50 ist alles vertreten. Bernd Hölscher nimmt Pappelholz, weil es leicht, weich und hell ist. „Früher haben wir Weide genommen, das war wasserdichter. Aber das bekommt man nicht mehr.“ Eine Viertelstunde braucht er für ein Paar. Dabei helfen die Maschinen, die gut Museumsstücke sein könnten.

Aus einem Baumstamm werden Holzrechtecke gesägt, dann schälen sich im Kopierer, in der Bohrmaschine mit Löffelbohrer, in der Nachputzmaschine die Schuhe heraus. Nachdem sie einige Tage in der Trockenkammer getrocknet sind, werden sie noch poliert, mit Lederkissen versehen und zusammengebunden. Hier verdienen sich heute Maike und Sebastian etwas Taschengeld, genauso wie es ihr Vater als Kind gemacht hat. Wer weiß: Vielleicht führen sie die Familientradition ja weiter.

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