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Sky-Gebühren machen den Wirten das Leben schwer

„Nahezu unmöglich, die Gebühren wieder reinzuzapfen“

Grafenwald Mit Fußball Geld verdienen? Viele Wirte machen das. Die Live-Übertragungen sind wichtiger Bestandteil der Kneipenkultur. Fußball verbindet, das war schon immer so. Doch damit wird in der „Wöller Storwe“ wohl bald Schluss sein.

„Nahezu unmöglich, die Gebühren wieder reinzuzapfen“

Zum Bundesligaspiel Köln gegen Schalke am Sonntagabend war die „Wöller Storwe“ wieder voll. Geschäftsführerin Petra Scheidgen hat Sky aber zur nächsten Saison gekündigt. Foto: Ralf Pieper

Fußball ist Emotion. Fußball ist Geld verdienen. Fußball ist Leidenschaft. Fußball ist Business. Um das zu verstehen, muss man nicht in die große Fußballwelt, man muss in die kleine. Fußball in der Kneipe ist ein eigenes Fanerlebnis, eine eigene Fankultur. Weißt du noch? Die Borussen gegen Malaga? Damals, Schalke gegen Inter? Fremde Menschen im Arm, Gänsehaut, heiser vom Torjubel. Stadionatmosphäre ohne Stadion.

In so einer kleinen Welt ist auch Petra Scheidgen zu Hause: Sie ist Eigentümerin und Geschäftsführerin der urigen Eckkneipe „Wöller Storwe“ am Prozessionsweg 5. Bereits seit 1965 gibt es dieses Lokal in Grafenwald, seit acht Jahren werden dort – aktuell auf zwei Bildschirmen – die Bundesliga-Spiele übertragen. „Rund 60 Prozent meiner Gäste kommen, um sich die Spiele anzuschauen, die restlichen sind überwiegend aus anderen Vereinen, die beispielsweise zum Kartenspielen oder Knobeln kommen“, erklärt sie. Neben dem Vereinsheim des VfB Kirchhellen und dem Golfclub Schwarze Heide ist „Wöller Storwe“ die einzige „echte“ und offiziell gelistete Sky-Kneipe in Kirchhellen.

Sky gekündigt

Doch damit wird voraussichtlich bald Schluss sein: „Ich habe Sky zur nächsten Saison gekündigt, da die Kosten immer weiter steigen und es sich einfach nicht mehr rentiert.“ Das Problem: „Früher konnten die Leute noch an jedem Wochenendtag Bundesliga über Sky schauen. Durch Eurosport fallen nun einige Spiele aus. Die Kosten für Sky sind aber trotzdem gestiegen und zugleich ist das allgemeine Interesse einfach weniger geworden. Ich habe das Gefühl, die Kneipenkultur stirbt aus. Die Menschen wollen heute was geboten bekommen, da reicht das Bier in der Eckkneipe oft nicht mehr aus. Aber man kann es den Leuten ja auch schlecht aufzwingen.“

Das Geschäft der Kneipen sei heute schwankender als vor 20 Jahren, so der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga NRW. „Natürlich schmerzt jede Preiserhöhung, gerade bei Sky“, sagt Sprecher Thorsten Hellwig: „Gerade kleine Kneipen haben oft eine angespannte Situation.“ Jeder Wirt müsse eine harte betriebswirtschaftliche Entscheidung treffen.

Nur eine Schanklizenz

Vor acht Jahren ist Petra Scheidgen mit rund 325 Euro monatlich gestartet, „mittlerweile zahle ich fast 500 Euro und das bei einem reduzierten Angebot“. Zwar hat sie in ihrer Kneipe eine „Sky-Kuh“ als Spardose platziert, in die die Gäste Spenden einwerfen können, „aber mehr als 60 Euro kommen da im Monat auch nicht zusammen.“ Dazu kommt: Im Vergleich zu anderen Gaststätten hat Petra Scheidgen lediglich eine Schanklizenz, weshalb die Kosten für Sky über das Bier wieder reingeholt werden müssen. „Die Bierpreise sind in den vergangenen Jahren extrem gestiegen, deshalb ist es für mich nahezu unmöglich, die Gebühren wieder reinzuzapfen.“

Fußball in der Kneipe ist ein kleiner Teil des großen Geschäfts. Es ist ein Teil der Verwertungskette rund um den Fußball. Doch das Geschäft ist teurer und komplizierter geworden. Neben Sky verkaufen auch Eurosport und DAZN Abos.

Sky bietet ein Gastro-Abo an. Wirte zahlen mehr und dürfen Fußball gewerblich zeigen. Im Paket gibt es Werbung für die Kneipe von der Sky-App bis zur Werbetafel. Dazu kommen Kontrollen. Laut Sky werden mehr als 150.000 Betriebe in Deutschland und Österreich pro Jahr überprüft, ob sie auch wirklich das Gastro-Abo bezahlen. Man müsse den geldwerten Vorteil der ehrlichen Kunden schützen, sagt Paul Sexton-Chadwick, Senior Vice President Business Solutions Sky Deutschland GmbH: „Wir schätzen unsere ehrlichen Kunden und erhalten viele Anrufe pro Woche, die uns über Bars informieren, die unsere Inhalte illegal ausstrahlen und damit unsere Kunden um zusätzliche Umsätze bringen.“

Übergangslösung

Die neuen Anbieter haben noch kein Gastro-Abo aufgelegt. Eurosport erlaubt Wirten in dieser Saison, das Privatabo zu nutzen – eine Übergangslösung bis Juli. DAZN arbeitet nach eigenen Angaben hart an einem Angebot, zeigen dürfen Wirte das offiziell nicht.

„Wir freuen uns, wenn Gastronomen Interesse am Eurosport Player haben und sehen sie als Multiplikatoren für unser Eurosport-Angebot“, sagt Dominik Mackevicius, Sprecher vom Eurosport-Mutterkonzern Discovery. Seit dieser Saison überträgt der Sender die Freitagsspiele der Bundesliga. „Am Freitag ist in meiner Kneipe daher meist nicht besonders viel Verkehr“, erklärt die Kirchhellenerin Petra Scheidgen die Konsequenzen der veränderten Fernsehlandschaft. Das Programm von Eurosport oder DAZN in ihrer Kneipe anzubieten, kommt für sie nämlich nicht infrage. „Dafür müsste ich extra Anschlüsse verlegen lassen und durch das Telekom-Abo würden weitere Kosten auf mich zukommen. Das lohnt nicht.“ Die Hoffnung, dass Sky ihr zur nächsten Saison preislich entgegenkommt, hat sie zwar noch nicht komplett aufgegeben, „aber ich gehe ehrlich gesagt nicht davon aus. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass Sky die Wirte verdrängen möchte und auf Einzelabos abzielt. Wenn Sky keinen Schritt auf mich zukommt, bleibt die Kündigung auf jeden Fall bestehen.“

Paul Sexton-Chadwick entgegnet: „Unsere Strategie ist es, möglichst viele Menschen mit den Inhalten von Sky zu verbinden, wann und wo immer sie wollen.“ Man braucht Servicekapazitäten für Geschäftskunden. Beim Platzhirsch Sky arbeitet bei Sky Business Solutions ein eigenes „relativ kleines Team sehr effizient“ für Gaststätten und Hotels, sagt Paul Sexton-Chadwick.

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Preisgestaltung offen

Ob zur kommenden Saison erneut eine Preisanpassung kommt, will Sky auf Anfrage nicht sagen. Die Gastro-Preise berechnen sich nach Region und Größe der Gaststätte. Es gibt Wirte, die haben ihre Räume mit Trennwänden verkleinert: Die Verringerung der Sky-Gebühren sparte mehr Geld, als Tische Einnahmen gebracht hätten. Die Sender sind sich über den Wert ihres Produktes Fußball sehr bewusst. In der laufenden Saison haben laut Sky knapp 900.000 Menschen, in der Spitze sogar 1,32 Millionen pro Bundesliga-Spieltag bundesweit die Sky Sportsbars besucht. „Die Gastronomie erwirtschaftete im Rahmen der Live-Sportübertragungen von Sky im Zeitraum Juli 2016 bis Juni 2017 Erlöse von über 1,6 Milliarden Euro. Das ist schon eine Hausnummer“, so Sky-Manager Paul Sexton-Chadwick.

Eine Gelddruckmaschine also für alle Beteiligten? In dieser Logik müssten alle von der Aufsplittung der Spieltage profitieren. Jeden Tag ein Fußballspiel, jeden Tag Kundschaft in der Kneipe. „Das ist bei mir leider nicht der Fall. Die Leute kommen überwiegend zu den Spielen von Dortmund und Schalke. Und wenn Schalke ein Heimspiel hat, sind viele im Stadion und gehen erst gar nicht in die Kneipe“, sagt Petra Scheidgen. Wie es mit ihrer Kneipe weitergeht, kann sie noch nicht abschätzen. „Ein kleines Risiko gehe ich ein, denn sicher werden weniger Gäste kommen, wenn ich kein Sky mehr anbiete, aber ich spare natürlich auch einiges an Kosten. Wie genau sich das darstellt, wird sich dann in nächster Zeit herausstellen.“

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