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Im Jubiläumsjahr droht das Ende

Mit Stricknadeln gegen Lepra kämpfen

Kirchhellen 50 Jahre lang haben Kirchhellenerinnen für Leprakranke in Pakistan Socken, Pullover und Mützen gestrickt. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr ist die Zukunft der Gruppe aber ungewiss.

Mit Stricknadeln gegen Lepra kämpfen

Margret Eimann (83), Agnes Brüning (62), Hermine Thesing (93) und Hildegard Voßbeck (85) stricken Socken und Schals für Leprakranke. Foto: Nina Louwen

Donnerstagmittag um 15 Uhr im Café des St.-Antonius-Krankenhauses: Vier ältere Damen sitzen gemütlich zusammen, essen eine warme Waffel mit Kirschen und stricken. Eine von ihnen, es ist die Älteste, arbeitet gerade an einem blaugrünen Socken. „Ich müsste mal wieder einen Schal stricken, das habe ich lange nicht getan“, sagt eine andere Dame, während sie ihr Gegenüber beim Stricken betrachtet.

Stricken, das machen die vier sehr häufig. Aber nicht für sich, sondern für Menschen, die an der Infektionskrankheit Lepra erkrankt sind. In Deutschland und Europa gibt es kaum Erkrankte, aber in ärmeren Ländern in Afrika oder Asien tritt sie noch auf. Betroffene werden oft ausgestoßen, die Krankheit greift nämlich die Nerven und die Haut an und kann zu schweren Entstellungen und Verstümmelungen führen.

Die deutsche Ärztin und Ordensschwester Dr. Ruth Pfau begann in den 1960er-Jahren den Kampf gegen Lepra in Pakistan. „Unsere Gruppe gibt es seit 50 Jahren“, erklärt Agnes Brüning. Früher habe man noch aus alter Bettwäsche Binden für die Erkrankten angefertigt, heute strickt die kleine Gruppe Socken, Schals, Mützen oder Kinderpullover. Diese werden verkauft, die Einnahmen gehen an das Deutsche Aussätzigen Hilfswerk (DAHW). Das leitet das Geld dann weiter an die Ruth-Pfau-Stiftung.

Gruppe muss sich auflösen
In diesem Jahr konnte die Gruppe stolze 2550 Euro spenden. „Das ist schon einiges an Geld nur für Socken“, sagt Brüning stolz. Ob es im nächsten Jahr so weitergehen wird, ist jedoch noch offen. Nur vier von einmal zwölf Frauen gehören noch zur Gruppe, wenn sich keine neuen Mitglieder finden, wird sich die Gruppe im Sommer auflösen. „Wir werden einfach immer weniger“, meint Brüning. Sie selbst schaffe es auch nicht mehr, die Gruppe weiter zu leiten. „Nach uns kommt keiner mehr“, sagt auch Hermine Thesing, mit 93 Jahren die Älteste. Immer wieder habe man sich bemüht, aber keine Interessierten gefunden.

Die Hoffnung, dass sich noch jemand findet, der mithelfen möchte, haben die vier noch nicht aufgegeben. Schließlich kann man nicht nur Leprakranken etwas Gutes tun. „Mir persönlich hat es immer sehr viel Spaß gemacht“, erinnert sich Thesing. „Du hast ja auch locker drei- oder vierhundert Teddys gestrickt“, wirft Hildegard Voßbeck ein. Die 93-Jährige kann einfach nicht aufhören mit dem Stricken. „Wenn ich nicht mehr hierhin gehe, dann wird es echt richtig langweilig für mich“, gibt die Seniorin zu.

Sie alle erinnern sich gerne an die Höhepunkte der Lepragruppe zurück. „Das war unser 40-jähriges Bestehen, das war echt sehr schön“, findet Agnes Brüning. Auch an einige Ausflüge erinnert man sich gerne zurück.

Jedes Jahr ein Brief
Auch viel Anerkennung gab es für die Gruppe – zum einen von der Gemeinde, zum anderen auch von Ruth Pfau. Bis vor ihrem Tod im Jahr 2017 schickte sie jedes Jahr einen Brief nach Deutschland, in dem sie sich bedankte und mitteilte, dass das Geld angekommen ist. „Das war für uns als Gruppe natürlich immer die größte Anerkennung“, sagt Brüning. Persönlich getroffen habe man sie nicht.

Bevor es endgültig vorbei ist, will sich die Gruppe aber weiterhin jeden zweiten Donnerstag zum Stricken treffen.

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