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Neue Serie: Helfer aus Kirchhellen

Mit Gerd Tribowski und Robert Stratmann durchs Dunkle

Kirchhellen In der neuen Serie „Helfer aus Kirchhellen“ stellen wir Ehrenamtliche vor. Den Start machen wir mit Gerd Tribowski und Robert Stratmann. Die beiden engagieren sich für den VfB Kirchhellen in der Flüchtlingshilfe.

Mit Gerd Tribowski und Robert Stratmann durchs Dunkle

Kalt, nass, dunkel: Gerade bei so einem Wetter ist es wichtig, dass die Kinder nicht alleine zum Schwimmbad gehen. Foto: Marie Rademacher

Es ist kalt in Kirchhellen, nass und dunkel, als Gerd Tribowski und Robert Stratmann mit ihren Fahrrädern vor den Holzhäusern auf der Bredde halten, nach und nach an die Türen klopfen. Seit knapp zwei Jahren sind diese Häuser Unterkunft für Menschen, die als Flüchtlinge ihren Weg nach Kirchhellen gefunden haben. Vor allem kleine Familien wohnen hier derzeit.

Nicht lange dauert es, bis sich die Türen für die beiden Kirchhellener öffnen, ihnen freundliche Gesichter entgegenschauen. Man kennt sich. Woher? Na ja: Gerd Tribowski und Robert Stratmann sind Mitglieder beim Sportverein VfB Kirchhellen und engagieren sich als solche in der Flüchtlingshilfe. Wie? Mit einem Sportangebot. Und – deshalb stehen Gerd Tribowski und Robert Stratmann gerade hier – mit einem Bring- und Abholdienst, damit die Kinder nicht allein durch die dunklen Straßen laufen müssen.

Idee kam durch Feldhausen

Schnell hat sich um Gerd Tribowski und Robert Stratmann eine kleine Gruppe von Kindern gebildet, die sich nun langsam in Bewegung setzt. Es geht Richtung Schwimmbad. Auf dem Weg erzählen die beiden, wie die Idee für ihren „Dienst“ entstanden ist. Die ging nämlich eigentlich von der Flüchtlingsunterkunft in Feldhausen aus. Von dort aus hatten die Kinder, die am Schwimmunterricht teilnehmen wollten, nicht wirklich eine Chance, zum Hallenbad in Kirchhellen zu kommen – die Unterkunft ist nicht besonders gut an das Wegenetz angebunden, abends fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr.

Mit Gerd Tribowski und Robert Stratmann durchs Dunkle

Gerd Tribowski Foto: Marie Rademacher

„Wir haben die Kinder dann immer mit einem Bus, den die Caritas zur Verfügung gestellt hat, und mit einem Pkw zum Hallenbad gefahren“, erzählt Gerd Tribowski. Er nutzt die Vergangenheitsform. Aus folgenden Grund: „Die Kinder, die noch in Feldhausen wohnen, können jetzt schon alle schwimmen“, erklärt er lächelnd.

Zum Hintergrund: „Wir haben von der Flüchtlingshilfe Kirchhellen verschiedene Abteilungen. Die einen kümmern sich um die Schule, die anderen um den Spracherwerb und wir beiden sind von VfB Kirchellen und haben den Bereich Sport und Freizeit übernommen. Schnell hatten wir die Idee, den Kindern das Schwimmen beizubringen“, erzählt Robert Stratmann.

50 Kinder aus Flüchtlingsfamilien
Auf die Idee folgten schnell Taten. Mit der Hilfe der Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) laden sie Flüchtlingskinder ein, an den Kursen für Anfänger teilzunehmen und gemeinsam mit Kindern, die nicht aus einer Flüchtlingsfamilie kommen, das Schwimmen zu lernen. Mittlerweile gibt es den fünften Kurs dieser Art, rund 50 Kinder aus Flüchtlingsfamilien haben so in Kirchhellen in den vergangenen zwei Jahren das Schwimmen gelernt.

Mit Gerd Tribowski und Robert Stratmann durchs Dunkle

Robert Stratmann Foto: Marie Rademacher

Natürlich gibt es aber auch andern Sportangebote für Jugendliche und Kinder aus Flüchtlingsfamilien. In der Jugendabteilung des VfB Kirchhellen spielen einige von ihnen Fußball, auch in Feldhausen gibt es Aktive, einige interessieren sich auch für das Leichtathletikangebot. „Gerade im Sport klappt die Integration super – viel besser als in der Schule zum Beispiel“, erklärt Gerd Tribowski, warum es wichtig ist, Flüchtlingen den Weg in den Vereinssport zu ebnen.

Beim Schwimmen, so erzählen es Gerd Tribowski und Robert Stratmann, will die Flüchtlingshilfe den Kindern, die bereits Schwimmen gelernt haben, aber dabei bleiben möchten, auch ermöglichen, in den Schwimmverein einzutreten. Das kostet natürlich. Aber: „Das klären wir dann von Fall zu Fall“, so Stratmann. Über die Spendengelder der Flüchtlingshilfe könne das ermöglicht werden.

„Die Kinder sind sehr motiviert“

Nach ein paar Minuten ist die Gruppe schon am Eingang des Schwimmbads. Hier ist schon ziemlich viel los. Die Kinder warten, bis sie gleich in die Umkleide können, es endlich losgeht. Ralf Hoffbauer, Abteilungsleiter Schwimmen von der TSG und Trainer, kommt auf dem kurzen Weg vom Schwimmbecken in das Foyer des Hallenbades und begrüßt Gerd Tribowski und Robert Stratmann. Die drei kommen ins Gespräch und Ralf Hoffbauer erinnert sich an die Anfänge des Programms. „Für uns war das Neuland“, sagt er. „Aber wir dachten: Es ist einen Versuch wert.“ Das, so sagt er weiter, habe sich bald ausgezahlt. „Die Kinder sind sehr motiviert – und nicht so ängstlich. Das macht richtig Spaß.“

Das Besondere an seinem Kurs: Er ist zusammen mit sieben bis elf Mitarbeitern vor Ort – bei nur 22 Kursteilnehmern. Das heißt (im besten Fall): Jeder Betreuer kann sich um zwei Kinder kümmern. Gerade, weil es beim Schwimmenlernen auch um Vertrauen und Mut geht, eine wichtige Sache, so Ralf Hoffbauer. An eine schwierige Situation kann er sich und können auch Gerd Tribowski und Robert Stratmann sich in Bezug auf die Flüchtlingskinder nicht erinnern. „Es hat immer alles ohne Probleme geklappt. Mit den Kindern. Mit den Eltern“, so Robert Stratmann anerkennend.

Mit Gerd Tribowski und Robert Stratmann durchs Dunkle

Sieben bis elf Mitarbeiter sind immer dabei. Foto: Marie Rademacher

Dann sind die Kinder ins Hallenbad verschwunden, springen munter ins Wasser. Gerd Tribowski und Robert Stratmann warten. „Wir bleiben hier und unterhalten uns ein bisschen – und dann bringen wir die Kinder wieder nach Hause“, sagt sagt Gerd Tribowski mit einer großen Selbstverständlichkeit, obwohl das Engagement der beiden eigentlich gar nicht so selbstverständlich ist. „Von den Kindern kriegen wir viel Dankbarkeit zurück“, sagt Robert Stratmann lächelnd. „Sie freuen sich jedes Mal, wenn sie uns sehen. Das ist wirklich schön. Eine lohnenswerte Sache.“

In unregelmäßigen Abständen wollen wir in der Serie „Helfer aus Kirchhellen“ Ehrenamtliche vorstellen, die durch ihr Engagement Wertvolles leisten. Fällt Ihnen jemand ein, den wir vorstellen und so wertschätzen könnten? Wenn ja, melden Sie sich bei uns. Das geht unter Tel. (02362) 927788 oder E-Mail kirchhellen@dorstenerzeitung.de

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