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Miese Ernte 2017

Frost erwischte Äpfel im Frühjahr eiskalt

Kirchhellen. Nie war sie so schlecht wie 2017: die Apfelernte. Frühe Wärmeeinbrüche und dann wieder Frost machten den Blüten den Garaus. Dementsprechend gering fiel die Ernte aus. Wir sprachen mit Obstbauer Eberhard Schmücker.

Frost erwischte Äpfel im Frühjahr eiskalt

In diesem Jahr wurden auch in Kirchhellen deutlich weniger Äpfel geerntet. Felix Kästle/dpa Foto: picture alliance / Felix Kästle

Frost erwischte Äpfel im Frühjahr eiskalt

In diesem Jahr wurden auch in Kirchhellen trotz großer Sortenvielfalt deutlich weniger Äpfel geerntet. Foto: Kästle (dpa) Foto: picture alliance / Felix Kästle

Eberhard Schmücker vom gleichnamigen Hof will das Jahr 2017 nicht schlecht nennen. „Es war ein anspruchsvolles Jahr“, drückt er es aus. „Es gehört zu unserem Job, damit umzugehen.“ Aber: Was genau hat so viele Probleme gemacht, dass die Apfelernte so spärlich ausgefallen ist? Wir beantworten mit dem Experten die wichtigsten Fragen.

Was war für die Äpfel dieses Jahr das Hauptproblem? Das Problem hat zwei Komponenten, wie Eberhard Schmücker erklärt. Zum einen gab es in der Osterwoche 2017 – also Mitte April – Bodenfrost und Minusgrade. „Das ist für die Zeit eigentlich nicht untypisch“, so Schmücker. Aber: „Das Problem war, dass die Obstblüte zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Wärme, die wir im Frühjahr schon hatten, so weit vorangetrieben war, dass sie total empfindlich auf diesen Frost reagierte.“ Die erste Blüte – Königsblüte genannt – überlebte den Frost oft nicht. Damit hörten die Probleme noch nicht auf. Zwei Wochen noch diesem Ergebnis gab es noch mal Frost – die Blüten, die sich nach der ersten Blüte entwickelt hatten, froren also vielerorts auch weg.

Hätte man die Blüten nicht irgendwie schützen können? Jein. „Es gibt die Möglichkeit, die Blüten zu schützen, indem man sie kontinuierlich befeuchtet. Was dann passiert, nenne ich immer das umgekehrte Kühlschrankprinzip: Um die Blüte herum bildet sich, wenn es draußen friert, ein Eispanzer. Und wenn das passiert, setzt sich physiologisch Wärme frei“ so Schmücker. Wie bei vielem in diesem Jahr folgt auch dieser Erklärung ein Aber. „Es reicht nicht, einmal Eis draufzumachen, und gut. Man muss kontinuierlich neues Wasser, das gefriert, zugeben. Durch das Gefrieren wird Wärme freigesetzt. Und die schützt Blüten, die sonst bei 0 Grad erfrieren würden, bis zu -7 Grad. Dafür brauchen Sie aber wahnsinnig viel Wasser. Für einen Hektar zwischen 25.000 bis 30.000 Liter – pro Stunde.“ Bei einem so großen Betrieb wie dem seinen – „keine Chance“.

Wie schlecht ist die Ernte konkret? Nicht mal die Hälfte er üblichen Ernte hat der Hof Schmücker produziert. „Ich hatte gehofft, dass wir sortenunterschiedlich eine 60-Prozent-Ernte bekommen. Jetzt sind wir bei manchen Sorten bei 35 und 40 Prozent von einer normalen Ernte“, so Eberhard Schmücker. Ähnlich sieht es übrigens bei den Birnen aus, die unter dem gleichen Phänomen zu leiden hatten.

Wie merken das die Kunden? An den Preisen für Äpfel – im Supermarkt wie auch in Hofläden. „Äpfel sind bei uns teurer als sonst, aber nicht besonders teuer. Wir haben die Preise moderat angehoben – im Verhältnis zum Marktgeschehen eigentlich zu wenig“, meint Eberhard Schmücker.

Gibt es schlechte Ernten wie diese mit einer gewissen Regelmäßigkeit? Nein, dieses Jahr ist ein besonderes. „Wir haben seit 1986 Kernobst im Betrieb. Und so ein Phänomen haben wir in dieser Zeit noch nie erlebt“, erzählt Eberhard Schmücker.

Welche Lehren ziehen Obstbauern aus diesem Jahr? Der Schmücker Hof hat schon reagiert. „Wir haben jetzt einen Wasserspeicher, den wir tagsüber volllaufen lassen, sodass wir über größere Mengen Wasser verfügen. Aber trotzdem würde es nicht reichen. Also, da müssen wir uns für das nächste Jahr noch mal überlegen, wie wir das bewerkstelligen können“, so Eberhard Schmücker.

Werden schlechte Apfelernten in Zukunft öfter vorkommen? Nach Einschätzung des Experten schon: „Ich glaube, es wird uns in Zukunft noch häufiger treffen. Nicht, weil Bodenfrost etwas Besonderes ist. Sondern weil die Kulturen im warmen Winter und Frühling so stark vorangetrieben sind, dass sie für Frost zu empfindlich sind.“

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