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Die Mais- und Kartoffelernte sieht in dieser Saison mau aus

Erntebeginn

Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet. Wenn das Wetter so bleibt, könnte das für die Bauern einen massiver Ernteausfall bedeuten, für den Konsumenten steigen die Preise.

Kirchhellen

von Alina Meyer

, 11.07.2018
Die Mais- und Kartoffelernte sieht in dieser Saison mau aus

Dem Mais auf dem Bauernhof Maaßen von Selina und Philipp Maaßen (v.l.) geht es in diesem Jahr nicht so gut. Er fängt schon bei einer Höhe von 1,50 Metern an, den Kolben zu bilden. Das ist viel zu früh. © Alina Meyer

Die Frühkartoffeln und frühen Zwiebeln haben gerade Saison und werden von den Landwirten abgeerntet. Doch vielerorts ist die Ernte rar. Grund dafür ist die lange Trockenperiode, mit der die Bauern zu kämpfen haben. „Wir haben seit etwa acht Wochen keinen Regen mehr erlebt“, sagt Johannes Miermann von dem Hof Miermanns Scheune. Das ist für uns ein großes Problem: Wenn es auch in den nächsten zwei Wochen nicht regnet, können das Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent für uns bedeuten.“

Die Felder werden Tag und Nacht bewässert

Aus diesem Grund greifen viele Bauern auf Bewässerungsanlagen zurück. Auch auf dem fünf Hektar großen Zwiebelfeld von Miermann steht ein solcher Wassertank, der das Feld mit einer Wasserfontäne von bis zu 40 Metern bewässert. „Die Anlage läuft Tag und Nacht. Trotzdem dauert es etwa fünf Tage bis das Feld vollständig bewässert ist“, sagt Johannes Miermann.

Die Mais- und Kartoffelernte sieht in dieser Saison mau aus

Auch das fünf Hektar große Zwiebelfeld auf dem Hof von Johannes Miermann wird Tag und Nacht bewässert. © Alina Meyer

Auch auf dem Bauernhof Maaßen wird das Kartoffelfeld kräftig bewässert. „Wir haben insgesamt 90 Hektar, die wir bewirtschaften, können aber gerade mal knapp die Hälfte bewässern“, sagt Landwirtin Christel Maaßen. „Auch der wenige Regen, der manchmal dann doch fällt, hilft uns da nicht weiter. Denn der schafft es gar nicht bis zu den Wurzeln der Kartoffeln“, sagt die Seniorchefin.

Bauern hoffen auf regnerische Tage

„Wir brauchen ein paar Tage regnerisches Wetter. Das ist zwar jetzt im Sommer nicht so schön, würde uns Bauern aber sehr helfen“, sagt auch Landwirt Philipp Maaßen, der mit seiner Tochter Selina Maaßen die Bewässerunganlage kontrolliert. Er gräbt einige Kartoffeln aus, die noch viel kleiner sind als die handelsüblichen Kartoffeln aus dem Supermarkt. Auch die Erde, die durch seine Hände rieselt, ist knochentrocken.

Die Mais- und Kartoffelernte sieht in dieser Saison mau aus

Die Erde auf dem Kartoffelfeld ist staubtrocken, die Kartoffeln sind noch viel zu klein, weil sie wenig Wasser bekommen. © Alina Meyer

Der Mais hat ein ähnliches Problem: „Der Mais bildet jetzt bei einer Höhe von 1,50 Metern schon den Kolbenansatz“, sagt Miermann. Normalerweise wachse der Mais bis zu 2,50 Meter hoch, bevor sich der Kolben bildet. Wegen des Trockenstresses werde der Mais notreif, aber in dem Kolben sei dann am Ende kaum Mais drin. „Trotzdem ist die Ernte bei dem Mais noch schlecht abzuschätzen. Es kann ja noch regnen“, sagt der Landwirt. Das Sommergetreide, dass er anbauen wollte, konnte er bisher nicht aussäen, weil das Wasser fehlt.

Die Auswirkungen durch den Regenmangel können fatal sein: „Viele Bauern haben Angst, dass sie nicht genug Futter für den Winter haben und dass das Futtersilo im Januar leer ist. Wir alle stellen uns momentan die Frage: Reicht es oder reicht es nicht? Auch für den Verbraucher wird es vermutlich einen enormen Preisanstieg vor allem bei den Kartoffeln und Zwiebeln geben“, sagt Johannes Miermann.

Ernteausfall beim Getreide ist besonders hoch

Verena Kämmerling, Pflanzenbaureferentin vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV), bestätigt die Ernteeinbußen in ganz Westfalen-Lippe. Besonders dramatisch sei es beim Getreide. „Bei der Gerste müssen die Bauern mit Ernteausfällen von 10 bis 25 Prozent rechnen. Bei Roggen und Weizen sind die Einbußen von bis zu 50 Prozent noch größer. Viele Rindvieh- und Pferdebetriebe müssen schon jetzt mit dem Zufüttern beginnen, weil kaum Futter da ist. Bei Mais, Kartoffeln und den Zuckerrüben ist es ähnlich.“

Vor dem Hintergrund der Notlage auf vielen Höfen fordert der WLV die Landesregierung NRW dazu auf, die Stilllegungsflächen zur Futternutzung freizugeben. „Außerdem wollen wir die Finanzämter dazu anhalten, dass die Landwirte die Möglichkeit der Steuerstundung erhalten, dass also aktuell fällige Steuern erst später gezahlt werden“, sagt Kämmerling. Zudem fordere der Landwirtschaftsverband eine sogenannte Risikoausgleichsrücklage für die Bauern, sodass sie in schlechten Erntejahren auf das Geld von ertragreicheren Jahren zurückgreifen können.