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"Mit Halterner Kulturtagen fing vieles an"

Haltern Mit barocken Bach-Klängen von Gitarre und Cembalo gastieren Reinbert Evers und Gregor Hollmann, Dozenten der Musikhochschule Münster, in der Reihe "Mittwochs Musik aus Münster" in der Stadtsparkasse.

Herr Prof. Evers, was verschlägt Sie in das beschauliche Haltern?

Evers: Ich wollte in der Konzertreihe, die die ganze Hochschule repräsentieren soll, auch die Dozenten in einem Konzert vorstellen. Da ich einen Bezug zu Haltern habe, dachte ich, es wäre vielleicht ganz schön, selbst mit dabei zu sein. Von 1973 bis 1977 lebte ich in Lavesum. Damals wurde ich zum Professor an die Musikhochschule berufen. In Haltern habe ich einige kulturelle Aktivitäten organisiert, eine kleine Konzertreihe in der Erlöserkirche und sogar zweimal Halterner Kulturtage. Da fing vieles an...

Wie kommt es zu der ungewöhnlichen Instrumentenkombination?

Evers: Sie ist so ungewöhnlich nicht, in der Barockmusik sind ja beides Continuo-Instrumente, die oft zusammen spielten. Es gibt zwar aus dieser Zeit keine Originalkomposition für diese Kombination, aber es sind viele Bearbeitungen entstanden, im 20./21. Jahrhundert auch originale Werke. Die Kombination von Cembalo und Gitarre ist klanglich äußerst reizvoll, der subtile, modulierbare Klang einer Gitarre verschmilzt mit dem transparenten Klang des Cembalos zu einer ganz neuen Einheit.

Sie beschließen die Trilogie. Planen Sie künftig Ähnliches?

Evers: Die Sparkasse Haltern hat uns (der Musikhochschule) signalisiert, dass sie an einer Fortsetzung der Zusammenarbeit interessiert ist, wir sind es auch. Für eine Musikhochschule sind Partner in der Region wichtig.

Das ursprüngliche Programm sah "Gitarre und Cello" vor, überwiegend Werke zeitgenössischer Komponisten. Fällt es schwer, sich in so kurzer Zeit umzustellen?

Evers: Eigentlich nicht, das muss man als professioneller Musiker einfach können. Ich arbeite mit Gregor Hollmann schon mehr als zehn Jahre zusammen, immer mit Bach im Gepäck. Das Programm mit dem Cellisten Matias de Oliveira Pinto wäre auch sehr schön gewesen, trotz der vielen zeitgenössischen Musik. Aber er musste wegen einer nicht verschiebbaren Verpflichtung in Brasilien absagen. Mal eben aus dem Hut zaubert man ein neues Programm natürlich trotzdem nicht, ich bin außerdem ein Freund von gutem Einstudieren und Proben.

Sie sind auch Privatmann, sind Sie ein Familienmensch?

Evers: Kann man nicht so sagen, natürlich liebe ich meine Familie, meine Frau und meine zwei erwachsenen Kinder, beide keine Musiker.

Sie haben kaum Freizeit, was machen Sie vorzugsweise, was vermissen Sie?

Evers: Lesen, Schach spielen, kochen. Ich vermisse Ruhephasen, die länger als eine Woche dauern.

Was (wen) lesen Sie gerne?

Evers: Literatur zu philosophischen und geschichtlichen Fragen, Krimis, deutsche Literatur der 20-er Jahre, Heinrich Mann, Joseph Roth u.a.

Und welche Musik?

Evers: Gute. Wie immer man das auch fassen kann. Ich höre natürlich viel Musik von Berufs wegen, da möchte man manchmal nichts mehr hören. Meine Favoriten in der klassischen Musik sind Mozart, Bach und Brahms. Ich liebe auch Jazzmusik, habe sie in meiner Jugend selbst gespielt, Flamenco und ethnologische Musik. Besonders hingezogen fühle ich mich zur neuen Musik aus dem europäischen Osten, auch zu der Ostasiens.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Evers: Ende Oktober fliege ich für eine Woche nach St. Petersburg, da gibt's ein Konzert und Masterclasses mit mir am Rimski-Korsakoff-Konservatorium; Mitte November gibt es beim Bayerischen Rundfunk Aufnahmen für eine CD-Produktion mit Musik von Dieter Schnebel; im Januar Konzerte in der Schweiz mit Neuer Musik; im Februar das KlangZeit-Festival Münster, auch mit Neuer Musik; im März Aufnahmen mit Musik aus dem frühen 19. Jahrhundert mit Orchester in Vilnius, dann drei Wochen in Korea, China, Russland; die Programmierung der Festivals und Konzertreihen, die ich betreue, Internationales Gitarrenfestival Münster, St. Christopher Guitar Festival in Vilnius, pART 4... - genug also, um nicht einzuschlafen.

Fragen: Elke Rüdiger

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