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Gibt es in Haltern keine Zukunft für „Halteraner“?

Ende der Geburtenstation

Mit dem Ende der Geburtshilfestation im Sixtus-Hospital werden wohl auch die gebürtigen Halterner aussterben. Oder wie war das noch? Halterner oder Halteraner? Wir haben Experten gefragt.

Haltern

von Ingrid Wielens

, 05.07.2018
Gibt es in Haltern keine Zukunft für „Halteraner“?

„Halteraner“ Daniel Winkelkotte (l.), Heimatfreund und -forscher Uli Backmann (m.) und Kiepenkerl Paul Schrör. © Schrief/Bender/Stadt

Mit Beginn dieses Monats wurde die Geburtshilfe-Station im Halterner Sixtus-Hospital geschlossen. Entbindungsstationen in der Nähe der Seestadt bieten die Krankenhäuser in Datteln, Coesfeld, Marl oder Dorsten an.

Die Zahl der in Haltern geborenen Menschen wird also zwangsläufig dramatisch sinken. Sterben die Halterner nun aus? Und auch die Halteraner? Aber was für einen Unterschied macht eigentlich dieser eine kleine Buchstabe – das „a“ – konkret aus? Gibt es überhaupt einen Unterschied? Experten haben uns das Phänomen erklärt.

„Halterner, das geht überall unwidersprochen durch“

„Halterner“, sagt Paul Schrör, „das geht überall unwidersprochen durch.“ Denn alle die, die hier schon länger leben und natürlich auch solche, die schon hier geboren wurden, dürften sich so nennen, sagt der Mann, der die Touristen als Nachtwächter durch Haltern führt und zudem stadtbekannter Kiepenkerl und somit ein Halterner Original ist.

Mit der Kommunalreform im Jahre 1975 seien die Stadt und das Amt Haltern, das aus den Gemeinden Kirchspiel-Haltern (Holtwick, Lavesum, Sythen), Hullern und Lippramsdorf bestand, zusammengelegt und um die Gemeinden Flaesheim (früher Amt Datteln) und Hamm-Bossendorf (teils Amt Marl) erweitert worden. „Spätestens seitdem sind wir doch alle Halterner“, meint Schrör, der selbst in Sythen wohnt.

„Wenn du ein Sythener bist, dann bist du gar nichts“

Ein echter Poahlbürger, also quasi ein Ureinwohner Halterns, erwiderte dem Nachtwächter bei einer Stadtführer aber erbost: „Wenn du ein Sythener bist, dann bist du gar nichts – weder Halteraner noch Halterner“. Schrör nahm’s mit Humor. „Dann bin ich eben nichts.“

Was aber hat es mit der Spezies „Halteraner“ wirklich auf sich? Schrör erklärt dazu: „Man muss innerhalb der alten Mauern Halterns geboren sein, im Zentrum der Stadt und mindestens in dritter Generation dort wohnen.“

Heimatfreund und -forscher Uli Backmann, mit Leib und Seele Halterner, konkretisiert die Anforderungen: Geboren sein müsse man „innerhalb der Pöste“ (Pfähle), zudem in dritter Generation hier wohnen und zugleich innerhalb der ehemaligen Stadtmauern Hauseigentum haben“. Es geht also um die echten Poahlbürger (Pfahlbürger).

Der Name Pfahlbürger stamme aus einer Zeit, als Landesherren und der niedere Adel bestrebt waren, ihre Gebiete durch Grenzbefestigungen zu sichern. Backmann weist aber auch darauf hin, dass „auswendige“, also außerhalb der Mauern wohnende Bürger ebenfalls Pfahlbürger oder auch Schutzbürger sein konnten.

Der Poahlbürger, der Ureinwohner Halterns

Denn da die Zahl der in der Stadt wohnenden Bürger oft nicht ausreichte, um Wehranlagen zu unterhalten, wurden die Bewohner des Umlands gezwungen, dabei zu helfen. Diese Poahlbürger galten allerdings als nicht voll berechtigte Bürger. Sie hatten Pflichten, aber keine Rechte. Mit den echten Halteranern hatten sie also nicht viel gemein.

Auf dem letzten Stadtbauernhof von Westfalen, dem Hof Winkelkotte in Haltern, wuchs Daniel Winkelkotte, Sprecher des TuS Haltern, auf. Der Kotten im Winkel – am Stadtgraben 4 – gehörte ursprünglich dem Vater seines Vaters. Dort wohnte der TuS-Sprecher neun Jahre lang – in dritter Generation. „Die Sache ist also klar“, sagt Winkelkotte. „Ich bin ein Halteraner.“

Der erste dauerhafte Fußball-Club „Edelweiß“

Wenige Jahre später wurde er erneut mit der Halterner Historie konfrontiert. Diesmal in einem anderen Zusammenhang. Denn inzwischen lebt Winkelkotte mit seiner Familie in der Straße „Zum Kiwitt“. Dort, genauer auf der dortigen städtischen Wiese, begann im Jahr 1912 der erste dauerhafte Fußball-Club „Edelweiß“, aus dem später der TuS Haltern hervorging, sein Training. Einen Sportplatz gab es noch nicht.

Die Debatte „Halterner oder Halteraner?“ wird seit Urzeiten geführt – mal mehr, mal weniger ernsthaft. Eher scherzhaft weist Uli Backmann darauf hin, dass es doch noch eine letzte Möglichkeit gebe, das Aussterben der Halteraner zumindest hinauszuzögern – „die Hausgeburt“. Innerhalb der Pöste, versteht sich.