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Treffen in Haltern

Esperanto ist mehr als nur eine Plansprache

HALTERN Sie klingt ein bisschen wie Portugiesisch: Die Plansprache Esperanto verbindet Menschen weltweit. Jetzt kamen die Esperantisten in Haltern zusammen. Dabei gaben sie Einblicke, was ihre Gemeinschaft ausmacht.

Esperanto ist mehr als nur eine Plansprache

Kristin Tytgat, Uni-Dozentin aus Antwerpen, leitete den Esperanto-Sprachkursus Foto: Ingrid Wielens

Andreas Diemel hat vor 17 Jahren Esperanto gelernt. Damals war er 18 Jahre alt. Dass Esperanto eine reine Plan- oder auch Kunstsprache ist, stört den heute 35-Jährigen nicht. Denn Esperanto hat ihm viele Kontakte ermöglicht, Freunde beschert und Türen und Tore geöffnet. Silvester hat der Duisburger diesmal in Haltern gefeiert. Zusammen mit rund 50 weiteren Esperanto sprechenden Menschen, die sich im Könzgenhaus zum Silvestertreffen versammelt hatten. Andreas Diemel hat es organisiert.

„Interessantes Netzwerk“

„Es ist ein wahnsinnig interessantes Netzwerk“, beschreibt er den Kreis der Esperantisten. Sie kommen aus aller Herren Länder – rund 100.000 Menschen weltweit sprechen aktiv Esperanto. Es geht ihnen um Sprachengerechtigkeit. „Englisch beispielsweise ist eine Weltsprache“, erklärt Diemel. Gegenüber einem Briten sei man sprachlich aber im Nachteil, immer nur Zweitbester – selbst wenn man Englisch noch so gut beherrsche. Das sei bei Esperanto eben nicht so, weil es niemanden Muttersprache ist.

Esperanto ist eine Kunstsprache. Für den Laien klingt sie ein wenig portugiesisch. Oder auch spanisch. Es heißt, Esperanto sei leichter zu erlernen als andere Sprachen. Weil die Sprache nur 16 Grundregeln hat. Weil es keine unregelmäßigen Verben oder Deklinationen gibt. Per Fernkurs soll es nach Angaben des Deutschen Esperanto-Bundes möglich sein, die Plansprache in 15 Wochen zu erlernen.

Dabei können aber auch die regelmäßigen Treffen der Esperantisten helfen. Bei Silvester- und Familientreffen sowie Kongressen, auch weltweit, wird das Sprechen geübt. So wie in Haltern. Sechs Tage lang wurden wissenschaftliche Vorträge, Reiseberichte und Sprachkurse angeboten – alles auf Esperanto, versteht sich.

Im Kurs der Belgierin Kristin Tytgat, die an der Uni in Antwerpen Deutsch lehrt, üben die Teilnehmer das „paroliga kurso“, das natürliche Gespräch. Es geht um „somera tempo“ (Sommerzeit) und vintra tempo (Winterzeit). Diskutiert wird über das „por“ (pro) und kontrau (kontra) der Zeitumstellung. Um avantagoj (Vorteile) und malavantagoi (Nachteile). Und ob die enkonduko (Einführung) utila (nützlich) ist. Nebenan spricht ein aus Karlsruhe angereister Arzt über die Lunge. Natur-, Umwelt- und Energiethemen stoßen ebenfalls auf großes Interesse. Daneben sind Exkursionen und sogar der Besuch des zeitgleich stattfinden Familientreffens in Saarbrücken möglich. An Silvester aber stand der Kontakt und das Feiern bei Tanz und Musik im Mittelpunkt.

Verständigung der Völker

Der Kontakt, die Verständigung der Völker – das ist das zweite große Thema der Esperantisten. Die meisten Mitglieder reisen gerne und werden in fremden Ländern von ebenfalls Esperanto sprechenden Menschen aufgenommen. Dazu gibt es eigens ein Adressverzeichnis. Eine große Gastfreundschaft ist den Esperantisten gemein. „So lernt man Land und Leute natürlich auch ganz anders kennen“, sagt Andreas Diemel.

Aber was sind das für Leute, die eine solche Sprache erlernen und anwenden wollen? „Sie sind reiselustig, sie sind generell sehr sprachinteressiert“, meint der Organisator, der im wahren Leben als Verwaltungsfachwirt im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium tätig ist.

Von 1887 an lernten vor allem Arbeiter Esperanto. Die planmäßig ausgearbeitete Sprache sollte in den Dienst des Klassenkampfs gestellt werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde Esperanto dann verboten. Später wurde es von Intelektuellen und Akademikern neu belebt. Der Kreis der Esperantisten solle weiter wachsen, hoffen sie. Nicht nur aus Idealismus, vielmehr auch aus wirtschaftlichen Gründen schlagen sie der EU in Brüssel Esperanto als Amtssprache vor. Das würde enorme Kosten für mehr als 1000 Dolmetscher sparen, argumentieren sie. Und ihrer Sprache zu einem erneuten Boom verhelfen, der die Völkerverständigung vorantreibt.

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