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Dortmunder Musiker sammelt Banjos

Wenn aus dem Instrument eine Leidenschaft wird

Brechten Der Dortmunder Andreas Benkhofer liebt die Musik – und vor allem das Banjo. Mit 13 Jahren kaufte er sich das erste Exemplar, heute zieren Dutzende seine Wohnung des Musikers. Das Instrument prägte sein Leben mit.

Wenn aus dem Instrument eine Leidenschaft wird

Der Brechtener spielt täglich auf seinen Banjos – die Auswahl ist dabei gewaltig. Foto: Michael Schuh

Wie stellen Sie sich einen typischen Banjospieler vor? Als freundlichen Herrn mit grauem Haar und einem ebensolchen Bart? Bingo! Der Brechtener Andreas Benkhofer entspricht allen Klischees, die man landläufig mit solchen Tonkünstlern verbindet. Doch der 65-Jährige ist nicht nur Musiker mit Leib und Seele – er sammelt zudem Instrumente.

Rund 90 Exemplare, darunter vor allem Banjos, zieren seine Wohnung. Damit nicht genug: Benkhofer veranstaltet zudem internationale Banjo-Treffen, spielt Konzerte, gibt Unterricht, lernt selbst bei anerkannten Koryphäen im Ausland – um nur einige Aspekte seiner großen Leidenschaft zu nenen.

Lange Suche nach dem Stil

Die Musik spielte schon früh eine gewichtige Rolle im Leben des Dortmunders. Als Kind erhielt er Klavierunterricht, der allerdings nicht gerade heutigen Vorstellungen von moderner Ausbildung entsprach: War die Handhaltung unkorrekt, bekam er von der Lehrerin schon mal mit einem Stöckchen etwas auf die Finger. „Das mit den Tasten habe ich dann aufgegeben“, erinnert er sich grinsend. Die Liebe zur Musik blieb jedoch erhalten.

Da Benkhofer ein Faible für Dixieland besaß, kaufte er sich als 13-Jähriger ein Banjo und brachte sich das Spielen weitgehend selbst bei. Ganz glücklich war er aber noch immer nicht, denn sein Instrument besaß nur vier Saiten und erwies sich deshalb nach und nach „als Fehlkauf“.

Wenn aus dem Instrument eine Leidenschaft wird

Ziemlich exotisch: Auch eine chinesische Koto (rechts im Bild) zählt zur Sammlung des Brechteners Andrea Benkhofer. Foto: Michael Schuh

Überhaupt dauerte es, bis der Dortmunder seine Stilrichtung gefunden hatte: „Ich habe Jahre gebraucht, um herauszufinden, dass es Old-Time-Music ist.“ Dabei werden die Saiten meist geschlagen; zudem spiegelt sich im Old-Time Rhythmus und Geschichte der Sklaven wider, die diese Musik einst aus ihrer afrikanischen Heimat in die USA mitbrachten.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Was ein Vollblutmusiker ist, der macht sein Hobby auch zum Beruf: Benkhofer studierte Musik, wurde Lehrer, unterrichtete in Brambauer und anschließend in Castrop-Rauxel, ehe es ihn 2005 nach Hamburg zog.

Dort konnte er seine Vorstellungen verwirklichen: Der Westfale installierte an der hanseatischen Stadtteilschule eine eigene Musikschule, die regelmäßig 200 Kinder und Jugendliche besuchten. „Das ist super gelaufen“, denkt der Dortmunder gern an diese Zeit zurück. Zumal sich dort auch eine Band gründete, die sich ganz seinem Lieblingsinstrument verschrieb: „Das war wohl die einzige Banjo-Formation an einer Schule.“

Neben Erfahrung auch Instrumente gesammelt

Im Laufe der Jahrzehnte sammelte er aber nicht nur Erfahrungen als Lehrer und Interpret, sondern auch Instrumente. „Allerdings war es früher schwieriger, ein Banjo zu kaufen“, erzählt der Brechtener. Also bestellte er sich 1970 erstmals in den USA ein Exemplar, das seinerzeit noch in Einzelteilen nach Europa geliefert wurde. „Das hat damals 800 Mark gekostet“, erzählt der 65-Jährige, der 2017 als Pensionär nach Brechten zurückkehrte. „Das war viel Geld für mich.“ Doch das US-Banjo war es wert, auf andere Hobbys zu verzichten.

Nach und nach gesellten sich weitere Instrumente hinzu, unter anderem eine neapolitanische Mandoline, eine chinesische Koto – Experten auch als Wölbbrettzither bekannt –, eine Mondgitarre und eine französische Épinette.

Das Lebenselixier des Vollblutmusikers

Doch das Banjo ist und bleibt sein Lieblingsinstrument. Kaum verwunderlich also, dass Benkhofer seit vielen Jahren spezielle Veranstaltungen wie das „Banjoree“ mitorganisiert. Inzwischen treffen sich die Banjo-Fans dabei einmal jährlich in der Proitzer Mühle im Wendland, um zu lernen, sich auszutauschen oder Vorträge zu hören. Und natürlich, um zu musizieren. Denn das ist nach wie vor das Lebenselixier eines Vollblutmusikers.

Andreas Benkhofer spielt täglich auf seinen Instrumenten. Da dies körperliche Spuren hinterlassen würde, lässt er sich alle acht Wochen einen Speziallack auf die Nägel des Zeige- und des Mittelfingers der rechten Hand auftragen. So sind dies Fingernägel robuster.

Der Brechtener trifft sich regelmäßig mit anderen Musikern, um gemeinsam Folk zu spielen. Dann sind auch schon mal ein Dudelsack oder eine Harfe mit von der Partie.

Bei der Veranstaltung „Banjoree“ kommen alljährlich rund 120 Banjospieler aus ganz Europa und sogar aus den USA zusammen. Dabei gibt es einen echten Stundenplan, nach dem die Teilnehmer Kurse belegen können. Bereits einige Wochen nach Bekanntgabe des Termins ist die Veranstaltung stets ausgebucht.

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