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Betriebsratswahl bei Amazon in Dortmund

Verdi bleibt auf der Hut und stellt Fragen

Dortmund Die rund 1600 Beschäftigten im Amazon-Lager auf der Westfalenhütte in Dortmund wählen erstmals einen Betriebsrat. Der US-Versandriese rührt dafür als Arbeitgeber sogar kräftig die Werbetrommel. So viel Engagement macht die Gewerkschaft Verdi stutzig.

Verdi bleibt auf der Hut und stellt Fragen

Das Transparent vor dem Amazon-Gebäude auf der Westfalenhütte zeigt es an: Demnächst wird ein Betriebsrat gewählt. Foto: Dieter Menne Dortmund

Karsten Rupprecht staunte nicht schlecht. Im März wurde der für den Einzel- und Versandhandel zuständige Verdi-Sekretär von Beschäftigen informiert, dass es im Amazon-Lager am 27. Juni eine Betriebsratswahl geben werde. Seitdem wundert sich Gewerkschafter Rupprecht über das plötzliche Engagement, mit dem Arbeitgeber Amazon den Weg für die Wahl der Arbeitnehmervertreter frei macht.

„Da werden Broschüren gedruckt und Transparente ausgehängt“, stellt Rupprecht fest. Amazon habe Beschäftigten schon im Vorfeld juristische Hilfestellung einer Kanzlei angeboten und den Beschäftigten zudem eine Schulung empfohlen, sagt Rupprecht.

Im Grundsatz eine gute Sache, findet Rupprecht. Spanisch kommt ihm allerdings vor, wie sehr Amazon die Pläne vorantreibt. Ausgerechnet der US-Versandhandhändler, der mit Verdi im Dauer-Tarifclinch liegt und an anderen Orten immer mal wieder Streit mit Betriebsräten hat.

Betriebsratswahl bei Amazon: Verdi ist skeptisch

Die Skepsis von Verdi hat einen Grund: Rund 90 Prozent der 1600 Beschäftigten am Amazon-Standort auf der früheren Westfalenhütte hätten Arbeitsverträge, die auf zwei Jahre befristet seien. Die Gretchenfrage, die sich Verdi stellt: Wie stark können sich Betriebsräte, über denen das Damoklesschwert eines befristeten Arbeitsvertrages schwebt, für ihre Kollegen tatsächlich einsetzen?

Dahinter steht die Befürchtung, Amazon schaffe sich ein Gremium für die Außendarstellung: einen Betriebsrat, der zwar alle formellen Voraussetzungen erfülle, tatsächlich aber ohne großen Einfluss bleiben solle. Rupprecht drückt das so aus: „Es ist wichtig, dass Kollegen gewählt werden, die trotz ihres befristeten Arbeitsvertrages die Kraft haben, aktiv zu sein und mitzugestalten.“ Zumal auch die Mitgliedschaft im Betriebsrat nicht davor schütze, nach Ablauf des befristeten Vertrages die Papiere ausgehändigt zu bekommen.

Rupprecht fürchtet, dass Amazon die Wahlen nutzt, um sich ins rechte Licht zu setzen und sein Image aufzupolieren.“ Stutzig mache ihn beispielsweise, „wie perfekt“ Amazon als Arbeitgeber im März die von Hunderten Mitarbeitern besuchte Gründungsversammlung für den Wahlvorstand organisiert habe. „Das hatte ich bis dato so noch nicht erlebt.“ Auf sein Rederecht allerdings, das ihm anfangs verwehrt worden sei, habe er beharrt, sagt Rupprecht.

Amazon bestreitet Einflussnahme des Arbeitgebers

Das Verhältnis von Verdi und dem US-Handelsriesen ist getrübt durch den Dauerstreit um den richtigen Tarifvertrag. Nach Angaben von Rupprecht zahlt Amazon eben nicht mal nach den Tarifen der Logistikbranche. Amazon lehne sich lediglich an die ortsüblichen Löhne der Logistikbranche an. Tatsächlich seien aber die höheren Tarife des Einzel- und Versandhandels anzuwenden. „Der Unterschied in den beiden ersten Jahren liegt bei 600 Euro monatlich“, rechnet Rupprecht vor.

Auf Anfrage bestreitet Amazon-Sprecherin Antje Kurz-Möller jede Einflussnahme des Arbeitgebers auf die anstehenden Betriebsratswahlen. Es stimme nicht, dass man den Beschäftigten rechtliche Unterstützung durch eine von Amazon benannte Kanzlei angeboten habe. Richtig sei, dass man Interessenten eine Schulung nahegelegt habe. „Das Institut haben sich die Mitarbeiter selber ausgesucht“, betont Kurz-Möller. „Es hat keine Empfehlung von Seiten Amazons gegeben.“

Warum der Versandriese die Aktivitäten für die Betriebsratswahl so großzügig unterstütze? „Es ist wichtig, ein Gremium zu haben, mit dem wir über die Interessen der Beschäftigten kommunizieren können“, sagt die Amazon-Sprecherin. „Das haben wir gelernt.“

Und was die befristeten Arbeitsverträge angehe: „Wir werden auch in Dortmund irgendwann 80 Prozent Mitarbeiter mit unbefristeten Verträgen haben.“ Verdi will sich mit solchen Aussagen nicht abspeisen lassen: Die Gewerkschaft wird bei der Betriebsratswahl eigene Kandidaten ins Rennen schicken.

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