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Technische Allüren und sympathische Stars am Brett

Eine Stunde vor Turnierbeginn sind die Stühle auf der Bühne des Schauspielhauses noch leer, die Schachbretter unberührt. Guido Kohlen greift einen Bauern, hebt ihn an. Das Feld auf dem metergroßen Beamerbild im Hintergrund färbt sich blau: «Die elektrischen Bretter zeichnen jede Bewegung auf - im Grunde wie bei einem Schachcomputer.»

Der technische Leiter des Schachturniers kennt das System seit mehr als zehn Jahren, hat es im Laufe der Zeit immer weiter verbessert. Besonders die heutigen Internet-Breitbandverbindungen seien ein Segen: «Noch vor fünf Jahren war es abenteuerlich. Wenn es nur ein analoges Modem gab, musste man ordentlich basteln, um die vielen Daten ins Netz zu kriegen», denkt Kohlen lächelnd zurück.

Passieren kann immer etwas. Zum Beispiel vor zwei Jahren, mit der Kamera eines russischen Fernsehteams: «Die haben mit riesigen Akkus die Eröffnung auf der Bühne gefilmt, als plötzlich alle Bretter der Reihe nach den Geist aufgaben - die Magnetfelder der Akkus hatten sie ausgeknipst.»

Während der Partien sitzt er hinter der Bühne am zentralen Rechner. Der Aufwand steigt jährlich. Neu ist die 15-minütige Verzögerung bei der Online-Übertragung, «um Betrugsversuchen vorzubeugen. Die Spieler haben das sehr begrüßt», betont der ehemalige Football-Fullback.

Die Spieler kennt Kohlen mittlerweile gut, war auch schon mal mit Wladimir Kramnik und dessen Freund Vitali Klitschko abends unterwegs, «zwei wirklich nette, umgängliche Menschen.»

Drei bis vier Jobs dieser Art hat er pro Jahr. Gern erinnert er sich an den Schaukampf Kramniks gegen Peer Steinbrück vor zwei Jahren: «War spaßig. Wir hatten schon gewettet, wie schnell er ihm das Fell über die Ohren zieht. Aber Steinbrück war nicht schlecht», sagt Kohlen anerkennend. tag

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