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Skandinavisch für Tiger

Schach ist: Bauer e2-e4, Springer auf d3 - um das zu verstehen, reicht ein abgebrochenes Falkplan-Studium und das Seepferdchen im Schiffe versenken.

Aber mitreden, wenn sich die Fachleute unterhalten, kann man damit noch lange nicht. Denn Schach ist: Damengambit, Grünfeldindisch, Troizki-Manöver.

Fachjargon, bei dem die grünen Ohren klingeln.

Johann Schmalenberg lächelt. «Mein Lehrmeister hat immer gesagt: 'Sie müssen nicht alles wissen, sondern nur, wo es steht'.» Das trifft auf ihn zu: Auf dem Chess-Meeting im Schauspielhaus steht er am Bücherstand, verwaltet die Theorie.

Auf dem Weg zum Parkett kommen hier die Spieler und Zuschauer vorbei. Viele bleiben stehen, magisch angezogen von Titeln wie «Nimzo-Indische Geheimnisse» oder «Englische Verteidigung».

So wie Helmut Guski aus Köln, auf der Suche nach Literatur über eine Variante des skandinavischen Systems: «Dame im dritten Zug auf d6 statt a5 - das wird unterschätzt.» Schmalenberg zeigt ein paar Bücher, ein angeregtes Gespräch beginnt.

Der polnische Meister Pytel reklamiere die Entdeckung dieses Zuges für sich, erklärt Schmalenberg hinterher. Und hat eine anschauliche Anekdote parat: «Im Maschinenbau-Studium gab es bei uns die Theorie vom weißen Blatt: Sobald man die ersten Striche zur Lösung eines Problems gezeichnet hat, kommen die Kollegen und sagen: 'Die Idee hatte ich auch schon'. Genau wie die Schachspieler.»

«Das ist ein gutes Buch», sagt Guski und deutet auf den etwas reißerischen Titel «Schach für Tiger», «da stehen tolle Tipps drin, auch für Anfänger.» Zum Beispiel? «;Geh' deinem Gegner an die Kehle' - soll heißen: Setze ihn unter Druck, greife immer an.» Komplexe Taktiken einfach erklärt - geht doch!

Gleich beginnt das Turnier, Guski geht zum Saal. Wenige Minuten später folgt ihm jemand, der den Büchern ausnahmsweise keinen Blick gönnt: Der russische Großmeister Alexejew, der mit langen Schritten und leichter Verspätung Richtung Bühne eilt. tag

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