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Schurkereien auf dem Schreibtisch

Schurkereien auf dem Schreibtisch

<p>Dr. Ina Holznagel als Schreibtischtäterin. Kolle</p>

5 vor 5 in Dortmund. Jeden Mittwoch porträtieren wir an dieser Stelle Menschen unserer Stadt.

Für Dr. Ina Holznagel fängt ein Tag gut an, "wenn nichts über uns in der Zeitung steht". Sechs Tageszeitungen sieht die Oberstaatsanwältin morgens durch. Die Welt ist schlecht und die Wahrscheinlichkeit groß, dass die 47-Jährige etwas findet. Oft genug hat sie als Sprachrohr ihrer Behörde selbst dafür gesorgt. Mit nordischer Stimmfarbe. Die zierliche Juristin, die seit sieben Jahren in Dortmund lebt und arbeitet, kann ihre Herkunft von der Waterkant nicht verhehlen.

Ab Zehn geht das Telefon. Die Presse ruft an, will z.B. wissen, ob es Neues aus dem OB-Büro gibt oder schon klar ist, ob die verdächtige Mutter ihr Kind vergiftet hat. Das geht ihr manchmal "tierisch auf den Wecker, insbesondere dann, wenn es um eine Nachricht geht, die eigentlich gar keine ist".

Doch Dr. Ina Holznagel lässt die Anrufer das nicht spüren, gibt immer freundlich Auskunft, auch wenn sich die Akten auf ihrem Tisch stapeln oder davor. "Die Kiste ist anklagereif", meint sie und zeigt auf einen Karton, "die muss abgeschlossen werden, aber dafür brauche ich zwei Tage Ruhe".

Die bekommt sie frühestens ab nachmittags. Dann frisst die Abteilungsleiterin für Organisierte Kriminalität und Kapitalverbrechen Akten. Um fünf vor Fünf ist die Schreibtischtäterin mittendrin in den Schurkereien, die sie in der Regel nicht vor 19 Uhr loslassen. Das Salz in der Suppe sind die schrägen Fälle, auf die sie jeden Tag stößt.

So schräg wie in den Gerichtsshows und Krimis, die aber völlig an der Realität vorbeigehen, meint sie ärgerlich, "die erwecken den Eindruck, der Staatsanwalt hätte nur einen Fall". Doch meist sind es 800 bis 1000 Verfahren im Jahr. Viel Stoff für die Zeitung. Gaby Kolle

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