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Kastrationspflicht für Katzen in Dortmund gefordert

Neue Daten belegen mehr als 15.000 verwilderte Katzen

Dortmund Drei Mal hat der Dortmunder Tierschutzverein bereits versucht, eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen durchzusetzen, und hat sich bei der Politik jedes Mal eine blutige Nase geholt. Es fehle das notwendige Datenmaterial zum Katzenelend. Das liegt aber nun vor. Und ist erschreckend.

Neue Daten belegen mehr als 15.000 verwilderte Katzen

Es gibt erstmals eine Analyse zu streunenden Katzen in Dortmund. Hier ein scheues, verwildertes Jungtier an einer Futterstelle Am Werzenkamp in Scharnhorst. Foto: Stephan Schütze

Etwa 15.000 verwilderte Katzen gibt es schätzungsweise in Dortmund. Sie führen ein elendes und kurzes Leben. Oft halbverhungert und krank schlagen sie sich auf der Straße durch. Trotz langjähriger Bemühungen zahlreicher Tierschutzvereine gelingt es bisher nicht, ihr Leid in den Griff zu bekommen. Eine Kastrationspflicht könnte helfen.

Zu diesem Ergebnis kommt die Analyse von Dr. Gudrun Heinisch. Die Medizinerin im Ruhestand, selbst Katzenhalterin und im Vorstand des Dortmunder Katzenschutzvereins, hat die Situation der freilebenden Katzen in Dortmund zum Thema ihrer Abschlussarbeit beim Seniorenstudium an der Universität Dortmund gemacht.

Je 20.000 Streunerkatzen in Essen und Leipzig

Da es keine Zählungen gebe, sei die Zahl 15.000 verwilderter Katzen eine Schätzung. Sie seien für Dortmund heruntergerechnet vom Basiswert der zwei Millionen Streunerkatzen, die für die Bundesrepublik Deutschland angenommen werden, erläutert Gudrun Heinisch. Essen und Leipzig haben für ihre Städte 20.000 Streunerkatzen angegeben.

Wenn man allein von einer Gesamtzahl von etwa 15.000 freilebenden Katzen in Dortmund ausgehe, lebten Tausende von ihnen völlig im Verborgenen ohne jeglichen Menschenkontakt oder Futterunterstützung, sagt Heinisch.

Vereine und ehrenamtliche Helfer in Dortmund bemühen sich laut Studie an rund zwei Dutzend erfassten Futterstellen, die Not der verwilderten Katzen ein wenig zu lindern.

Viele Futterstellen an sozialen Brennpunkten

Insgesamt werden ungefähr 100 Tiere gefüttert, so die Analysedaten. Die meisten dieser Futterstellen liegen in nördlichen und westlichen Stadtteilen, wo sich auch die sozialen Brennpunkte der Stadt ballen. „Über eine Auswertung der Tierarztrechnungen könnten noch zusätzliche Daten zum Gesundheitszustand der freilebenden Tiere erhoben werden“, sagt Heinisch.

Alle im Katzenschutz aktiven Vereine in Dortmund versuchen, möglichst viele Tiere zu kastrieren. ,,Doch ohne eine Kastrationslösung auch für Hauskatzen mit Freigang werden sie des Elends nicht Herr", so Heinisch. Denn Katzen seien fruchtbar, wenn auch viele von ihnen ausgezehrt und krank seien, unter Würmern und Flöhen litten. Heimsch: „Sie vermehren sich schnell. Die weiblichen unkastrierten Tiere sind zusätzlich geschwächt durch ständige Trächtigkeit und Aufzucht von zwei Würfen mit bis zu sieben Welpen im Jahr.“

Viele Junge überleben nur Monate

Viele der Jungen überlebten jedoch nur Monate, sagt die ehemalige Hausärztin. Hinzu kämen ungezählte Verletzungen und Todesfälle im Straßenverkehr. Viele Tiere - vor allem Welpen - erfrören im Winter bei fehlenden UnterschlupfmögIichkeiten. „Der Dortmunder Katzenschutzverein versucht mit selbst gebauten Schlafboxen aus Styropor bei Minusgraden zu helfen, sagt die Autorin der Analyse. "Streunerkatzen werden im Schnitt nur zwei Jahre alt. Die betreute Besitzerkatze kann bis zu 20 Jahre alt werden“, stellt Dr. Heinisch fest.

Der Dortmunder Katzenschutzverein hat in den vergangenen 30 lahren fast 20.000 Kastrationen erfasst. Alle in Dortmund tätigen Tierschutzvereine haben seit 2012 jährlich rund 1000 Kastrationen veranlasst. Eine Sisyphosarbeit, solange unkastrierte Hauskater und -katzen Freigang haben, die draußen bei ihren obdachlosen Artgenossen für Nachwuchs sorgen.

2008 Katastrationspflicht erstmals angewandt

Viele Städte schreiten daher bereits seit 2008 rechtlich ein, um diesen Teufelskreis des Elends zu durchbrechen. In fast allen Nachbarstädten Dortmunds ist bereits eine Kastrationsverordnung in Kraft. Insgesamt haben sich in Deutschland bereits fast 600 Städte und Gemeinden für diesen Weg entschieden, darunter jüngst in Köln.

Zuletzt hat der Bürgerdienste-Ausschuss in Dortmund gegen die Stimmen von Grünen sowie Linken/Piraten im März 2017 einen Antrag zur Ausweisung eines Katzenschutzgebietes mit einer Kastrationspflicht zurückgewiesen. Begründung: Eine ordnungsbehördliche Verordnung sei rechtswidrig, Gefahren für die Bevölkerung lägen nicht vor und entsprechende Erkenntnisse, dass durch Überpopulation bedingtes Katzenleid vorliegt, fehlten. Zahlen, die ein solches Leid belegen, lägen nicht vor.

Ein neuer Versuch steht bevor

Inzwischen haben die Grünen im Rat die Analyse von Gudrun Heinisch auf dem Tisch. Auch Erika Scheffer, Vorsitzende des Tierschutzvereins, hat angekündigt, eine neue Offensive für eine Kastrationspflicht zu starten. Den Dortmunder Katzenschutzverein (KSV) weiß sie dabei an ihrer Seite.

Die Regelung des §13b des Tierschutzgesetzes ermöglicht seit 2015 einen neuen Ansatz zur Einführung einer Katzenkastrationspflicht.

Die Städte und Gemeinden wurden von der Landesregierung ermächtigt, eine Kastrations-Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für alle Freigängerkatzen zu verordnen.

So hat zum Beispiel die Stadt Essen 2016 eine Verordnung zum Schutz freilebender Katzen in Kraft gesetzt. Dabei geht es ausschließlich um den Schutz der Katzen um ihrer selbst willen.

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