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«Münsterstraße ist ein Stück Weltkultur»

Nähe zu den Menschen ist für einen Priester sehr wichtig. Nur wer die Menschen und ihre Lebenswelten versteht, kann ihnen auch Gott nahe bringen. Einer, der dies in besonderer Weise zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, ist Pfarrer Hermann Daniel aus der Gemeinde St. Joseph in der Dortmunder Nordstadt. Seine Verabschiedung in den Ruhestand am Sonntag vor einer Woche nehme ich hier einmal zum Anlass, einen Blick auf ein ungewöhnliches Priesterleben zu werfen. 16 Jahre lang war Hermann Daniel Arbeiterpriester.

Nach Theologiestudium, Priesterweihe und Gemeindearbeit, tauschte er 1976 die Kanzel mit der Kaue und fing als Arbeiter auf der Zeche Erin an. Später war er dann neun Jahre lang Hilfsschlosser auf der Kokerei Hansa. Hermann Daniel lebte «mittendrin», teilte das Leben und die Probleme der Arbeiter.

Solche Arbeiterpriester gab es bereits in den 50er Jahren, vor allem in Frankreich. Nicht immer war ihr engagiertes Eintreten für die Interessen der Arbeiter bei der offiziellen Kirche willkommen. Und so sagt Hermann Daniel heute: «Man hat mich immer gefragt: Willst du die Arbeiter bekehren? Und ich habe immer geantwortet: Nein, ich will die Kirche bekehren.»

Nähe zu den Menschen heißt eben auch an mancher Stelle Partei zu ergreifen für die Notleidenden, ihnen eine Stimme zu geben. Eine Position, die im Unterschied zu früher heute überwiegend Zustimmung findet. So meldete Radio Vatikan kürzlich in einer Nachbetrachtung der Brasilienreise des Papstes, dass die «Option für die Armen» nun offiziell akzeptiert sei.

Nach seiner Zeit im Bergbau war Hermann Daniel als Pfarrer in der Nordstadt noch einmal weitere 15 Jahre «mittendrin». Er war Seelsorger dort, wo die Arbeitslosigkeit hoch ist, wo ein großer Teil der Menschen auf öffentliche und private Hilfen angewiesen ist und sich die verschiedenen Kulturen und Religionen um ein gutes Miteinander bemühen. Die Münsterstraße bezeichnete er als ein «Stück Weltkultur», das er wohl besonders vermissen werde. Ich wünsche Hermann Daniel für seine neue Wirkungsstätte in Warburg ein herzliches «Glück Auf».

Andreas Coersmeier, propst.coersmeier@kath-cen trum.de am 28. Mai 1958 geboren in Paderborn. Coersmeier fungiert als Stadtdechant und Propst der Propsteikirche, ist 1. Repräsentant der Kath. Kirche in Dortmund. E-Mail:

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