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Mit 15 auf den Strich

DORTMUND Sie war erst 15 und stand schon 18 Stunden täglich auf dem Straßenstrich. Vor dem Dortmunder Landgericht hat gestern ein Prozess begonnen, in dessen Mittelpunkt eine der wohl jüngsten Prostituierten der Stadt steht.

Angeklagt sind zwei 28 und 38 Jahre alte Männer. Der Ältere soll der Zuhälter des Mädchens gewesen sein, der Jüngere hat sich angeblich an einer brutalen Vierer-Vergewaltigung beteiligt. Beide bestreiten.

Die Geschichte der heute 16-Jährigen ist die einer naiven und rastlosen Jugendlichen. Schon mit zehn Jahren ist sie von zu Hause abgehauen, trieb sich herum, ging nur noch selten zur Schule. "Ich habe die falschen Leute kennen gelernt", sagte sie den Richtern der 35. Strafkammer. Das Jugendamt hatte sie schließlich sogar zwei Monate nach Finnland geschickt. In der Hoffnung, dass sie sich irgendwann wieder fangen würde. Doch dem war nicht so.

Von Freier vergewaltigt

Im August 2006 tauchte die damals 15-Jährige das erste Mal am Straßenstrich auf. Und wurde nach eigenen Angaben gleich von einem Freier vergewaltigt. Danach sei ihr dann alles egal gewesen. Es dauerte dann auch nicht lange, bis sich der ältere der beiden Angeklagten bei ihr einschmeichelte. "Sie war meine Freundin", sagte der 38-Jährige, der eine Tochter in fast demselben Alter hat, den Richtern.

Pause ab 200 Euro

Eine Liebesbeziehung also? Die heute 16-Jährige schüttelt den Kopf. "Nein, geliebt habe ich ihn nicht." Aber abgewendet hat sie sich auch nicht. "Ich habe mich nicht getraut." Schon nach kurzer Zeit musste sie angeblich ihren ganzen Tagesverdienst abliefern. Außerdem habe es klare Regeln gegeben: Bei 200 Euro Verdienst war eine Trinkpause erlaubt, bei 300 durfte sie etwas essen, bei 500 Euro nach Hause. Heute lebt sie irgendwo in Norddeutschland. Wo genau, soll niemand erfahren. "Ich mache meinen Hauptschulabschluss nach", sagte sie den Richtern. "Und lebe, wie 16-jährige Mädchen halt so leben."

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