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Julias Lieblingszahl ist die Eins

Aplerbeck Normalerweise ist Schulleiter Elmar Schebaum mit Wertungen sehr vorsichtig. Beim Blick auf das Zeugnis von Julia Golbek legt er aber jede Zurückhaltung ab.

«Ich bin seit 30 Jahren im Schuldienst, aber so ein gutes Zeugnis ist mir noch nicht unter die Augen gekommen.» Ob Mathe, Chemie, Bio oder Deutsch. Die siebzehnjährige Schülerin der Hauptschule Aplerbeck hat Maßstäbe gesetzt. Ausschließlich die Note Eins findet sich auf dem Abschlusszeugnis der Klasse 10 B wieder. Die Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe mit Bravour bestanden. «Wir sind an unserer Schule mächtig stolz auf Julia», sagt Klassenlehrer Wilfried Kannenberg. «Zumal man bedenken muss, dass sie erst seit dreieinhalb Jahren in Deutschland ist.» Geboren in Russland Rudin heißt der Geburtsort der sympathischen Spätaussiedlerin. In der Nähe zur Grenze nach Kasachstan ist das schulische Multitalent aufgewachsen. «Ich bin mit fünf Jahren in die Schule gekommen», erläutert Julia. In Warna hat sie bis zur siebten Klasse die Grundlagen des russischen Bildungssystems gepaukt. Schon dort mit viel Erfolg. Auf dem letzten Zeugnis in kyrillischer Schrift abzulesen. Obwohl der erste Blick doch überrascht. Tauchen hier doch in schöner Regelmäßigkeit Fünfen auf. «Eine Fünf ist in Russland eine Eins», erklärt Julia und lächelt. Sympathisch kommt die zukünftige Gymnasiastin (Phoenix-Gymnasium) rüber. Offene Art Keine Spur von Überheblichkeit, eher ein wenig zurückhaltend wirkt die Schülerin. «Ich hatte in Russland in der Schule Deutsch als Fremdsprache. Trotzdem habe ich am Anfang nicht viel verstanden.» Der Anfang, das war auf der Hauptschule Aplerbeck die Förderklasse. «Julia war gerade ein paar Wochen hier, als sie ihr erstes Zeugnis bekam», sagt Schebaum. Ein gutes, nebenbei bemerkt - trotz der Sprachbarriere. Neid? Streber? «Diese Worte kamen innerhalb der Klasse nie auf», sagt Klassenlehrer Kannenberg. Die offene sympathische Art von Julia kam auch bei ihren Mitschülern gut an. «Das Lernen fällt mir eben leicht», sagt sie. Ihre weiteren Ziele stehen noch nicht fest. «Abi, dann vielleicht studieren - irgendetwas mit Mathe oder Sprache.» Aber um sich festzulegen hat Julia, die sich noch einmal herzlich bei Lehrern und Schulleitung für die Hilfe bedankte, noch ein wenig Zeit. Jetzt geht es erst einmal für vier Wochen nach Kasachstan - zur Oma, Urlaub machen. jöb

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