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In Bierlaune

Deutschlands wichtigster Bier-Manager Ulrich Kallmeyer (62) stellte sich erstmals den Fragen unserer Zeitung. Entspannt, selbstbewusst und gut gelaunt sprach der Radeberger-Chef mit unserem Redakteur Achim Roggendorf über die Dortmunder Brauereien.

Wann haben Sie zuletzt ein Dortmunder Bier getrunken?

Kallmeyer: Am Donnerstag - und zwar ein Hövels. Davon steht immer ein Kasten in meinem Keller.

Wie hat es Ihnen geschmeckt?

Kallmeyer: Wie immer, sehr lecker.

Die Dortmunder haben zuletzt nicht mehr so oft heimisches Bier getrunken. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Kallmeyer: Vielleicht wurden die Dortmunder Biere in der Vergangenheit unter Wert verkauft.

Was wollen Sie damit sagen?

Kallmeyer: Man muss eine Marke auch achten und richtig pflegen. Sonst gerät sie in Vergessenheit. Das ist in der Vergangenheit nicht immer optimal gemacht worden.

Es sind zu viele Handelsmarken gebraut worden, deren Absatz hoch war, die aber nicht viel Geld einbrachten. Für uns zählt am Ende aber das Ergebnis und nicht die Menge.

Auch Radeberger wird vorgeworfen, zu spät für die Dortmunder Biere die Werbetrommel gerührt zu haben.

Kallmeyer: So ein negativer Trend ist nicht über Nacht umzudrehen. Als wir die DAB und später auch Brau und Brunnen übernommen haben, stand es um die Bierstadt Dortmund nicht gut.

Die Werbe-Offensive blieb dennoch aus.

Kallmeyer: Unter dem Dach der Radeberger Gruppe werden viele Marken gebraut, die von uns unterstützt werden wollen. Wir mussten uns erst einmal einen Überblick über die Marktsituation verschaffen, um jetzt vernünftig investieren zu können.

Sie haben einmal in einem Interview gesagt: Jede Brauerei muss eigenes Geld verdienen. Investiert wird, wo Ergebnisse es zulassen. Wird bei den Dortmunder Brauereien wieder Geld verdient? Kallmeyer: So etwas geht nicht von heute auf morgen, aber es geht voran.

Wir haben die Weichen für die Zukunft gestellt. Wir haben Marktforschung betrieben, wollten wissen, welche Biere auf dem Markt eine Chance haben. So etwas dauert seine Zeit.

Einfach nur Geld in die Hand zu nehmen, macht in solch einer Situation keinen Sinn. Das ist sonst schnell verbrannt.

In dem gleichen Interview haben Sie auch gesagt, dass Sie diesen Standort brauchen, aber nicht so wie er heute ist. In Dortmund müsse die Beschwörung der glorreichen Vergangenheit in die realistische Ausgestaltung der Zukunft münden. Wie haben Sie das gemeint?

Kallmeyer: Operative Verluste, Prozessvergleiche, Wertberichtigungen, nachgeholte Abschreibungen, Restrukturierungen, einen Kapitalschnitt und Pensionsrückstellungen sowie höchste Personalkosten vor Ort lassen sich nun mal nicht mit niedrigen Verkaufspreisen der Hauptmarken zur Wirtschaftlichkeit kombinieren. Deshalb musste etwas passieren.

Als erstes sind Sie den Mitarbeitern ans Geld gegangen.

Kallmeyer: Wir sind ihnen nicht ans Geld gegangen. Wir haben die Überstunden nur neu geregelt. Und zwar gemeinsam mit Betriebsrat und Gewerkschaft, in sehr konstruktiver Atmosphäre.

Trotzdem haben die Brauer und Mälzer jetzt weniger Geld im Portemonnaie.

Kallmeyer: Was wäre denn die Alternative gewesen? Durch flexiblere Arbeitszeiten haben sie ihre Arbeitsplätze gesichert.

Müssen die Mitarbeiter weitere Opfer zur Sanierung des Standortes bringen?

Kallmeyer: Der Konsolidierungs-Prozess ist abgeschlossen. Mittlerweile sind die Dortmunder Brauereien als wichtiger Eckpfeiler der Gruppe fester etabliert.

Wie viel Dortmunder Bier wird eigentlich noch am Standort gebraut. Aus Insiderkreisen ist zu hören, dass vor allem der Absatz von Kronen eingebrochen ist. Das soll auch für Brinkhoff´s gelten. Würden nicht Billigbiere gebraut, würden an der Steigerstraße nur noch rund eine Mio. Hektoliter Bier produziert, heißt es.

Kallmeyer: Im vergangenen Jahr wurden in den Dortmunder Brauereien tatsächlich insgesamt eine Mio. Hektoliter Dortmunder Biere für die Region gebraut. Die Marken für den Export und die restliche Bundesrepublik erhöhen die weitere Auslastung des Standortes.

Vor allem das fein-herbe Brinkhoff´s No.1 macht uns viel Freude. Es schmeckt den Verbrauchern zurzeit besonders gut. Auch die Traditionsmarke Dortmunder Kronen wird wieder in größeren Mengen getrunken. So viel zu Gerüchten.

Vor kurzem haben Sie bei den Dortmunder Brauereien eine neue Zeitrechnung eingeläutet. Damit der Standort wieder wächst, investieren Sie viel Geld in eine Werbeoffensive. Wie ist das bei den Mitarbeitern angekommen?

Kallmeyer: Ich war selber bei der Einführungs-Veranstaltung nicht da. Ich habe mir aber sagen lassen, dass die Stimmung euphorisch war.

Auf welche Dortmunder Marken setzten Sie für die Zukunft ganz besonders?

Kallmeyer: Alle Marken sind unsere Kinder.

Könnten Sie sich auch vorstellen, Dortmunder Biermarken aufzugeben?

Kallmeyer: Nein, eine Marke zu töten, wäre der größte Blödsinn.

Würde es helfen, wenn die Dortmunder mehr heimisches Bier trinken würden?

Kallmeyer: Natürlich würde es das. Wenn die Dortmunder schon ihr Bier nicht trinken wollen, wer dann.

Im Rahmen eines Marken-Neustartes ruft Kronen Dortmunder dazu auf, Vereine zu gründen. Welchen Verein würden Sie gern gründen?

Kallmeyer: Einen Verein, der in Dortmund längst überfällig ist: Den Bier-bleibt-hier-Verein.

Die Mitglieder trinken natürlich nur Dortmunder Bier.

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