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Hoffen auf Gespräche

Seit 25 Jahren arbeitet Ralf Horster bei Deilmann-Haniel, bis Mitte 2003 unter Tage auf der Zeche Walsum. Dann wurde er als Betriebsrat freigestellt. Ende September flatterte dem 48-Jährigen, dessen Lebensgefährtin gerade Nachwuchs erwartet, die Kündigung ins Haus. RN-Redakteurin Bettina Kiwitt sprach mit ihm über Enttäuschungen und Hoffnungen.

Wollten Sie immer schon Bergmann werden?

Horster: Nein, eigentlich nicht. Ich habe Heizungsmonteur gelernt. Aber ich wollte mich verändern, habe eine Stellenanzeige für einen Bergmann entdeckt und mich beworben. Meine drei Brüder arbeiteten schon im Bergbau und was die erzählt haben, das hat mich gereizt.

Arbeiten ihre Brüder noch im Bergbau?

Horster: Nein, ich bin als einziger übrig geblieben. Einer hat umgeschult, einer hatte einen Arbeitsunfall und konnte nicht mehr untertage arbeiten. Einer ist gestorben, sein Tod hatte aber nichts mit dem Bergbau zu tun.

Für Außenstehende scheint die Arbeit untertage wenig attraktiv, anstrengend und ohne Tageslicht.

Horster: Mir hat die Arbeit richtig Spaß gemacht. Egal welche Nationalität, jeder ist ein Kumpel. Alle sind gleich. Man fühlt sich wie in einer großen Familie. Der Job ist anstrengend, das ist immer noch viel Handarbeit. Doch man sieht immer, was man geschafft hat.

Ende des Jahres ist Schicht im Schacht. Hätten Sie gedacht, dass es so weit kommt?

Horster: Nein, das hätte ich nicht für möglich gehalten.

Befürchten Sie, dass Sie und ihre Kollegen Ende des Jahres tatsächlich in die Arbeitslosigkeit entlassen werden?

Horster: Wir hoffen alle, dass die gemeinsamen Gespräche mit der Landesregierung, der IGBCE, der Deutschen Steinkohle und Thyssen Schachtbau etwas bringen.

Was sollte dabei rauskommen?

Horster: Wenigstens, dass sich für die Kumpel, die kurz vor der Anpassung stehen, eine Lösung findet.

Wann kann man denn in Anpassung gehen?

Horster: Wenn man 50 ist und mindestens 20 Jahre untertage gearbeitet hat.

Dann stehen Sie mit ihren 48 Jahren auch kurz davor.

Horster: Ja und ich denke nicht, dass ich in meinem Alter noch etwas anderes finden würde. Vielen Kollegen geht es ähnlich.

Wie hoch ist das Anpassungsgeld?

Horster: Das kann man pauschal nicht sagen. Das ist bei jedem anders, hängt u.a. von der Lohngruppe ab.

Aber mit dem Anpassungsgeld sind Abschläge im Vergleich zur Rente verbunden...

Horster: Das schon, aber die Anpassung bietet dennoch eine bessere Perspektive als Arbeitslosigkeit und Hartz IV.

Wer jetzt Mitte 30 ist, für den kommt die Anpassung auf keinen Fall in Frage. Was empfehlen Sie denen ?

Horster: Die sollten sich schleunigst was Neues suchen.

Finden die auch was?

Horster: Schlosser, Elektriker und Hydrauliker haben gute Chancen. Aber für den reinen Bergmann wird's schwer.

Wie viele von den 350, die die Kündigung erhalten haben, sind Kumpel?

Horster: Fast alle.

Für die sieht es also schlecht aus?

Horster: Es sei denn, es wird noch eine Transfergesellschaft eingerichtet. Dafür braucht man allerdings Geld und das hat Deilmann-Haniel nicht mehr. Irgendwo müsste das Geld also herkommen.

Es hat an mangelnden Aufträgen gelegen, dass Deilmann-Haniel letztlich in der Insolvenz gelandet ist. Und die Aufträge gab es nicht, weil die Konkurrenz etwa in Osteuropa viel billiger ist. Hätten die Deilmänner da nicht mehr Abstriche machen müssen?

Horster: Aber das haben wir doch! Wir haben beim Tarif abgespeckt. Wir haben 2006 komplett aufs Weihnachtsgeld verzichtet, auf Fahrgeld und Freischichten. Der Verzicht hat keinen einziger Arbeitsplatz gesichert!

Gibt es noch ein Fünkchen Hoffnung?

Horster : Die Gespräche in Düsseldorf verlaufen sehr konstruktiv. Wir hoffen, dass die Politiker zu ihrem Wort stehen. Dass kein Kumpel ins Bergfreie fällt.

2018 ist mit dem Bergbau ganz Schluss. Können Sie die Entscheidung nachvollziehen?

Horster: Nein! Das ist eine völlige Fehlentscheidung. Wir machen uns doch nur abhängig von anderen. Die Rohstoffe werden immer teurer. In den Niederlanden, Belgien und Frankreich läuft die Diskussion genau in die andere Richtung, dort will man Bergwerke aufmachen. Die haben die Probleme, die auf uns zukommen, besser erkannt.

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