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Gottesdienst in der Wurstküche

Festakt: St. Marien 1957 wieder eingeweiht

Wunder lassen sich nicht erklären. Das Wunder in St. Marien geschah am 6. Oktober 1944. Ein schwerer Luftangriff legte das zuvor schon stark beschädigte Gotteshaus in Schutt und Asche. Alles Brennbare ging in Flammen auf, bis auf die barocke Christusfigur aus dem Jahre 1720. Sie stand als Dekoration auf dem Schall-Deckel der Kanzel aus Eichenholz. Die Figur muss durch die Detonation heruntergefallen sein und «überlebte» unter dem Schuttberg. Heute steht dieses Wunder am Westportal der ältesten Stadtkirche aus dem 12. Jahrhundert. Am 17. Juni feiert die St. Mariengemeinde den 50. Jahrestag ihrer Wiedereinweihung nach dem Krieg. Zu diesem Tag erscheint eine Festzeitschrift, in der auch die Frage nach dem Gemeindeleben beantwortet wird in der Zeit zwischen Zerstörung und Einweihung. Das waren immerhin zwölf Jahre. Dr. Inge Janßen vom Gemeindevorstand blickt zurück in eine Zeit, wo Kirchenaustritt noch ein Fremdwort war und ein reges Gemeindeleben die Menschen zusammen schweißte in bitterer Not: «1945 traf sich die Gemeinde in der Wurstküche der damaligen Metzgerei Feuerbaum an der Märkischen Straße. Heute ist hier eine Pizzeria untergebracht. Mangels Masse, es gab keine Schlachttiere, wurden hier die ersten Gottesdienste gehalten.» Bis 1950, denn ab da fand der Gottesdienst in dem als Notkirche eingerichteten südlichen Seitenschiff mit der feierlichen Einweihung der Berswordt-Kapelle statt. Von der ersten Kollekte in der Wurstküche wurden Kerzen gekauft. Eine erste Sammlung zum Wiederaufbau der Kirche organisierte die Gemeinde 1946. Die eine Million Mark teuren Aufbauten begannen 1948 unter der Leitung des Architekten Hermann Kessemeier, Presbyter an St. Marien. Das völlig zerstörte Dach war nach dem Krieg nur notdürftig mit Pappe abgedeckt worden. Vor den schweren Bombenangriffen zu Kriegsende gerettet wurden nur die evakuierten Kunstschätze aus den vier Stadtkirchen, darunter der Marienaltar von Conrad von Soest. Er konnte erst 48 Stunden vor Wiedereinweihung der Kirche in den zehn Tonnen schweren Bronzerahmen heutiger Form eingesetzt werden. bö Der Festgottesdienst am 17. Juni in St. Marien beginnt um 10 Uhr. Den Festvortrag um 12 Uhr hält Prof. Dr. Thomas Schilp, stellvertretender Direktor des Stadtarchivs. Ab 14 Uhr kommen Zeitzeugen der Wiedereinweihung 1957 zu Wort, darunter auch der damalige Pfarrer Konrad Lorenz. Die Ausstellung zum Wiederaufbau ist noch den ganzen Juni in St. Marien zu sehen.

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