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Die zweite Chance

Husen Unterm Tisch knurrt's. Amigo posiert mit breiter Brust zwischen den hohen Stuhlbeinen. Der Terrier ist hellwach. Da steht ein Fremder in seiner Küche: Tobi mit den braunen Locken. Und dem macht er jetzt mal die Rangfolge klar.

Überm Tisch versucht Frauchen Beate Adler, sich ein Lächeln zu verkneifen. «Amigo zeigt eben, dass er hier was zu sagen hat.» Schulterzucken. So sei das bei Hunden. Terrier Tobi trollt sich.

Die 51-jährige Beate Adler engagiert sich seit Jahren im Tierschutzverein «Hand und Pfote». Gestrandeten, einsamen, auch gequälten Hunden gibt sie eine zweite Chance. Sucht neue Besitzer, findet langfristig funktionierende Lösungen. «Das klappt wunderbar» , bilanziert die Husenerin. «Wir haben ganz wenig Rückläufer.» Drei in sechs Jahren - und auch diese Tiere haben heute ein festes Zuhause.

Beate Adler nippt an ihrer Tasse Kaffee, krempelt die Ärmel hoch. Und setzt mit energischer Stimme an, die Grundpfeiler ihrer Arbeit aufzuzählen: «Wir kontrollieren die Familien, schließen einen Schutzvertrag ab, wir schauen ganz genau, dass die Hunde zu den Menschen und ihrer Lebenssituation passen.» Eine aufwändige Arbeit. Abends klingelt ständig das Telefon. Tags stellen sich Pflegefamilien vor. Überwiegend vermittelt «Hand und Pfote» Hunde aus einem ungarisches Tierheim. «Dort leben sie im Rudel, nicht in Käfigen», betont Beate Adler. Und trotz klammer finanzieller Verhältnisse kümmere sich die Leiterin sehr liebevoll um ihre Tiere. Beate Adler könnte noch viel mehr erzählen. Über die Dankeschön-Briefe. Über die guten Geschichten. Über dreibeinige und blinde und alte Tiere, denen sie helfen konnte. Die 51-Jährige hält kurz inne.

Und während sie auf dem Tisch ihre Unterlagen sortiert, feuert Amigo untendrunter respekteinflößende Blicke in Richtung des Terriers Tobi ab. Der Rüde weiß, wie man als Hund überlebt. Bevor er seinen Stammplatz an der Kurler Straße bezog, kämpfte er sich allein durch. «... und das haben wir in den ersten Monaten auch deutlich zu spüren bekommen.»

Beate Adler spitzt bei der Erinnerung die Lippen, als wolle sie pfeifen. Und Amigo knurrt leise. Hilke Schwidder

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