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Unfalldaten werden mit „ProDigi“ digital erhoben

Die Unfallaufnahme der Polizei wird digital

Dortmund Im Rahmen des landesweiten Projekts „ProDigi“ sichert die Polizei nach schweren Unfällen digitale Fahrzeugspuren. Dortmund ist als Pilotstandort dabei. Die Daten, die ein Auto speichert, sind zahlreich.

Die Unfallaufnahme der Polizei wird digital

Die neue digitale Unfallaufnahme kommt nur bei schweren Unfällen zum Einsatz – möglicherweise auch Anfang Mai, als der Wagen eines 19-Jährigen in Marten fünf Meter durch die Luft katapultiert wurde. Foto: Helmut Kaczmarek

Was ist in den Sekunden vor einem Verkehrsunfall passiert? Hat der Fahrer gebremst oder das Gaspedal durchgedrückt? Wie schnell war er unterwegs? Und war er überhaupt angeschnallt? Die Dortmunder Polizei rekonstruiert jeden Unfall umfassend. Neben der herkömmlichen Rekonstruktion können inzwischen auch digitale Fahrzeugdaten Antworten liefern. Die Dortmunder Polizei darf diese im Rahmen eines Pilotprojekts für ihre Ermittlungen nutzen. Dortmund ist Pilotstandort beim Projekt „ProDigi – Sicherung digitaler Fahrzeugspuren zur Verkehrsunfallaufnahme“ in Nordrhein-Westfalen.

Seit Herbst 2017 läuft das Projekt. Ziel sei es, Straftaten bei Unfällen beweissicher aufklären zu können. Die digitale Unfallaufnahme soll die herkömmlichen Methoden nicht ersetzen. Aber auf die Frage, was genau passiert ist, könne sie zusätzliche Antworten liefern. „Die Sitzsensoren messen, wie viele Personen im Fahrzeug waren. Waren die Gurte angelegt? Hat der Fahrer noch die Bremse getreten oder das Gaspedal betätigt? All das wird im Fahrzeug gespeichert“, sagt Thorsten Brüggenthies vom Verkehrskommissariat der Dortmunder Polizei. Bei der Rekonstruktion des Unfalls könnten diese Daten weiterhelfen.

Daten aus dem Auto können von Behörden genutzt werden

Ein Paragraf im Straßenverkehrsgesetz erlaubt seit 2017, dass die im Auto gespeicherten Daten von Behörden für Ermittlungen genutzt werden können – um Verkehrsverstöße zu ahnden. Die Hersteller müssen die Daten dann auf Anfrage der Polizei freigeben.

„Grundsätzlich beantworten wir behördliche Anfragen im Rahmen gesetzlich bestehender Verpflichtungen“, teilte Mercedes-Benz auf Anfrage mit. Ob die Voraussetzungen für die Freigabe erfüllt sind, werde im Einzelfall geprüft. Auch Audi reagiert entsprechend auf Bescheide der Behörden, wie das Unternehmen mitteilte. Opel hingegen konnte sich „aus Kapazitätsgründen“ nicht äußern, da sich das Unternehmen aktuell „in einer sehr speziellen Situation“ befinde.

Über 100 Steuergeräte in einem Auto

Die Fahrzeugdaten werden im Auto von elektronischen Steuergeräten erfasst. Über 100 solcher Steuergeräte seien laut Polizei NRW in einem Auto mit neuer Technik verbaut. Sie alle erfassen permanent Daten für die Fahrassistenzsysteme. Manche Daten sind nicht mehr als Komfort für die Fahrer, wie zum Beispiel der Regensensor, andere sind für die Sicherheit immens wichtig, wie das Airbagsteuergerät.

dzWie die Polizei Unfallursachen findet

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„Elektronische Steuergeräte in Autos sammeln unzählige personenbezogene Daten“, sagt Daniel Strunk, Pressesprecher der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW (LDI). Das Polizeiprojekt „ProDigi“ sei der LDI aber nicht bekannt, wie der Pressesprecher auf Anfrage mitteilte. „Eine Stellungnahme dazu ist uns daher erst möglich, wenn wir die Einzelheiten kennen. Dazu werden wir das Innenministerium NRW um Auskunft bitten.“ Allgemein gelte aber, dass ein Zugriff der Polizei nicht ohne Weiteres möglich sei und einer Bewertung im Einzelfall bedürfe.

Neben Dortmund nehmen auch andere Städte teil

Vier Städte machen bei dem Projekt „ProDigi“ mit: Dortmund, Düsseldorf, Münster und Köln. Die Polizei liest die Daten aus und erstellt ein Protokoll. Relevant für die Polizei sind die Daten des Airbagsteuergeräts: Unter anderem Geschwindigkeit, Bremspedaldruck und Lenkbewegung werden dort fünf Sekunden vor dem Unfall bis zwei Sekunden danach gespeichert. „Die Daten werden erst dann ausgelesen, wenn die Fahrzeuge sichergestellt wurden. Das machen wir nur bei schweren Verkehrsunfällen“, sagt Brüggenthies.

CDR-Geräte lesen die Daten aus:

Die Geräte, mit denen die Strafverfolgungsbehörde die Fahrzeugdaten auslesen, heißen CDR-Geräte. Kurzform für Crash Data Retrieval.

Die Geräte werden an das Fahrzeug angeschlossen und mit einem Computer verbunden, der die ausgelesenen Daten speichert.

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