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Unfälle bei Einsatzfahrten mit Blaulicht

Das Risiko bei Alarm-Fahrten von Polizei und Feuerwehr

Dortmund Zwei Unfälle mit Rettungswagen auf Einsatzfahrt innerhalb von zwei Wochen. Was ist los auf Dortmunds Straßen? Wird alles schlimmer? Können Blaulicht-Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer nicht miteinander?

Das Risiko bei Alarm-Fahrten von Polizei und Feuerwehr

Ein Auto krachte am 8. März 2018 im Kreuzungsbereich Mallinckrodtstraße/Schützenstraße in die Seite eines Rettungswagens. Foto: AXT Presse

Einsatzfahrten mit Blaulicht und Martinshorn können riskant sein: Die Helfer und Retter müssen schnell zum Ziel kommen und sich mit "Sonderwegerechten" den Weg durch den Großstadt-Verkehr bahnen. Hier Fragen und Antworten dazu.

Was für Unfälle waren das?

Am 8. März waren auf der Mallinckrodtstraße ein Rettungswagen und ein BMW zusammengestoßen. Der Rettungswagen kippte um. Die Feuerwehr musste einen Praktikanten befreien. Es gab insgesamt 4 Verletzte. Am 21. März stießen ein Rettungswagen und eine Autofahrerin in Lütgendortmund zusammen. Zwei Insassen wurden leicht verletzt.

Zwei Unfälle mit Rettungswagen auf Dortmunds Straßen innerhalb von zwei Wochen - ist das ein Hinweis darauf, dass es immer gefährlicher wird?

Nein. Der kurze Zeitabstand ist ein Zufall. 2016 zählte die Dortmunder Feuerwehr 130.000 Rettungsdienst-Einsätze und 10.000 Feuerwehr-Einsätze. Bei diesen 140.000 Alarmfahrten kam es zu 5 Unfällen - das ist ein Anteil von 0,003 Prozent.

Gibt es Zahlen auch von der Polizei?

Ja, die Zahl der Unfälle, an denen Streifenwagen der Polizei beteiligt sind, ist etwas höher. Die Übersicht aus den Jahren 2012 bis 2017 lässt Schwankungen erkennen:

  • 2012: 22
  • 2013: 15
  • 2014: 11
  • 2015: 19
  • 2016: 12
  • 2017: 18

Was sagt die Straßenverkehrsordnung?

Alle Verkehrsteilnehmer müssen Einsatzfahrzeugen sofort Platz verschaffen, damit sie schnellstmöglich ihr Ziel erreichen. Das Gesetz entbindet Einsatzfahrer von Pflichten. Wenn "höchste Eile" geboten ist, dürfen sie bei Rotlicht in Kreuzungen einfahren. Sie nehmen dabei Sonderrechte und Wegerechte in Anspruch. Allerdings dürfen die Einsatzfahrer nicht rücksichtslos durchbrettern, denn so steigt das Unfallrisiko - und das Ziel wird nicht erreicht.

Eine Alarmfahrt quer durch die Großstadt aus der Sicht der Feuerwehr - wie sieht das aus?

André Lüddecke von der Dortmunder Feuerwehr: "Wir können das Verhalten der Autofahrer nie vorhersehen. Manche fahren nach links oder nach rechts. Andere treten sofort auf die Bremse und bleiben einfach stehen oder geben Vollgas. Man muss sehr aufmerksam sein." Ein anderes Problem ist die Bildung von Rettungsgassen. Was auf Autobahnen so einfach und notwendig erscheint, ist so kompliziert, dass Polizei und Feuerwehr inzwischen Erklär-Videos und Grafiken veröffentlichen, damit Auto- und Lkw-Fahrer zwischen zwei Fahrspuren den Platz für eine Durchfahrt von Einsatzfahrzeugen schaffen.

Und die Perspktive der anderen Verkehrsteilnehmer?

Ist auch nicht immer einfach. Beispiel Ruhrallee in der Dortmunder Innenstadt: Wer vor der Kreuzung Neutor im Stau steht, kann das Martinshorn eines herannahenden Einsatzfahrzeugs nichtimmer sofort orten. Die Straßenschlucht leitet den Schall des Martinshorns. Höhere Fahrzeuge versperren die Sicht. Im Stau gibt es für Sekunden kein Vor und kein Zurück - die Situation ist "festgefahren". Man kommt nicht voran, obwohl man das will.

Wann und wo ist die Unfallgefahr besonders hoch?

Das hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege untersucht. Das Risiko ist an Kreuzungen hoch. Die Unfallgefahr steigt, wenn Einsatzfahrzeuge bei Rotlicht in die Kreuzung einfahren. Selbst dann, wenn sie Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet haben. Laut Berufsgenossenschaft sind das "typische" Gefahren.

Wer sind die Unfallverursacher?

Auch dazu trifft die Berufsgenossenschaft eine Aussage. In 65 Prozent wurden die Fahrer der Rettungsdienst-Fahrzeuge als "Verursacher" ermittelt. Dieser Wert gilt bundesweit. Ob die Zahl so auch auf Dortmund zutrifft, ist nicht bekannt. Anlass für die Untersuchung war die Optimierung der Aus- und Fortbildung für "Stressfahrten". Denn Einsatzfahrer geraten deutlich öfter in Risikosituationen als andere Verkehrsteilnehmer. Sie arbeiten unter Stress bei großem Zeitdruck, weil sie ein Leben retten oder eine andere Gefahr abwenden müssen.

Wer haftet bei einem Unfall?

In vielen Fällen erhalten die Einsatzfahrer eine Teilschuld. Bei Verletzung oder Tod ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft. 

Können Polizei und Feuerwehr gefährliche Einsatzfahrten trainieren?

Fahrsicherheitstrainings sind Pflicht. Die tägliche Praxis liefert Erfahrungen. Andere Verkehrsteilnehmer absolvieren einmal für immer den Führerschein und müssen dann nie wieder für den Verkehr üben.

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