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Das Hohoff’s 800° Farmhouse: Der Tempel der Fleischeslust in Deusen

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Das Hohoffs 800° Farmhouse rühmt sich, die besten Steaks Dortmunds zu machen. Das Essen von Fleisch wird hier mit religiösem Eifer zelebriert. Unser Autor erlebte trotzdem eine Enttäuschung.

Deusen

, 09.07.2018

Ich liebe Fleisch. Klar, es gibt auch leckere vegetarische Gerichte, doch ein gutes Steak ist und bleibt für mich der König der Speisen, es ist das Lebensmittel mit dem intensivsten Geschmack. Entsprechend freute ich mich schon seit Langem darauf, das Hohoff’s Farmhouse in Deusen für unseren Restaurant-Check zu testen. Ein Steakhaus, das auf seiner Internetseite von sich behauptet, die „feinsten und geschmacklich sensationellsten Steaks in Dortmund und im umliegenden Ruhrgebiet“ zu haben.

Große Worte. Damit schraubte das Restaurant meine Erwartungen entsprechend hoch. Und genau das sollte später noch zum Problem werden.

Das Essen im Hohoffs 800° Farmhouse:

Der Fleischeslust wird im Hohoffs mit religiöser Hingabe gefrönt. In der Speisekarte gibt es über 20 verschiedene Steak-Varianten (die komplette Karte gibt es hier). Beim Fleisch setzt Hohoffs auf Exklusivität: Es wird von „ausgesuchten Höfen“ in Nebraska in den USA oder New South Wales in Australien importiert.

Zubereitet werden die Steaks mit einem 800-Grad-Spezialgrill aus Kalifornien. Er ist das Herzstück des Restaurants, das „800°“ im Namen des Hohoffs bezieht sich auf ihn. Durch die große Hitze schließen sich die Poren des Fleisches innerhalb von Sekunden. Außen entsteht eine krosse Kruste, während das Innere sehr saftig bleibt.

Wir sind bei unserem Besuch überfordert von der Vielfalt der unterschiedlichen Steaks. Der freundliche Kellner hilft, erklärt geduldig die Besonderheiten eines Flank Steaks und eines Australian Tenderloins, beschreibt die Geschmacksnuancen, die ein Simmentaler- von einem Wagyu-Steak unterscheiden. Ich fühle mich wie auf einer Weinprobe und verhalte mich entsprechend, nicke weltmännisch zu den Ausführungen, obwohl ich nur die Hälfte verstehe. Es ist „Food Porn“ der allerersten Güte, ach was, „Fleisch Porn“.

Nach etwa fünf Minuten Beratung entscheide ich mich für das empfohlene U.S. Dry Aged Ribeye Steak (ca. 400 Gramm, 54 Euro), dazu eine Portion bunte Bohnen (6 Euro). Ich schlucke ob des sehr saftigen Preises, aber der Kellner schwärmt so überzeugend von der tollen Marmorierung des Fleisches und dem intensiven Geschmack durch die etwa einmonatige Reifezeit, dass ich gar nicht anders kann, als es zu bestellen.

Ich freue mich auf das verdammt nochmal beste Stück Fleisch meines Lebens, einen Geschmacks-Orgasmus im Mund, göttliches Manna, das vom Himmel gefallen und zufällig auf meinen Teller gelandet ist. Und so sieht das Steak auch aus, als es dampfend vor mir steht.

Das Hohoff’s 800° Farmhouse: Der Tempel der Fleischeslust in Deusen

Da ist das Ding: das 400-Gramm-Dry-Aged-Ribeye-Steak, eingeflogen aus Nebraska. © Thomas Thiel

Ich schneide ehrfürchtig, ganz vorsichtig, als wäre es eine heikle Schnitzarbeit, durch die dunkle, dicke Kruste. Als ich das Stück Fleisch in meinen Mund stecke, schließe ich die Augen in Erwartung des Göttlichen, gleich ist es soweit, dann fange ich an zu kauen und spüre – nichts.

Mein 54-Euro-U.S.-Dry-Aged-Ribeye-Steak schmeckt „nur“ wie ein gutes Stück Fleisch. Klar, der versprochene intensive Geschmack ist da, verbreitet sich im Mund wie ein kräftiger Rotwein und bleibt auch lange dort. Aber es reicht nicht, um meine durch das Brimborium im Vorfeld auf die Höhe des Florianturms geschraubten Erwartungen zu erfüllen.

Beim vierten Bissen greife ich sogar zu der wirklich leckeren, hausgemachten Steaksoße mit Dijon-Senf, obwohl der Kellner vorher davon abgeraten hat, weil das vom Eigengeschmack des Fleisches ablenken würde. Was bleibt, ist ein großes, leckeres und saftiges Steak, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.

Die Vorspeise davor übertrifft hingegen unsere Erwartungen. Wir haben das „Surf & Turf“-Tatar für zwei Personen (29 Euro) bestellt. Sie besteht aus einem vortrefflich gewürztem Beef Tatar, auf dem ein Eigelb und marinierter Lauch thronen, knusprig gebratenen Garnelen und einem himmlischen Thunfisch-Tartar, das in der Mitte von einer superfrisch schmeckenden Schicht Avocado durchzogen ist. Ein perfekter Magenöffner für das knappe Pfund Fleisch, was danach kommt.

Das Hohoff’s 800° Farmhouse: Der Tempel der Fleischeslust in Deusen

Die himmlische Vorspeise: „Surf and Turf“ für zwei Personen mit Beef-Tartar unter Eigelb und mariniertem Lauch (links), Garnelen (Mitte) und Thunfisch-Tartar mit Brotchips und Avocado. © Thomas Thiel

Die Preise:

Haben es in sich. Das günstigste Steak ist das „Petite Tender“, ein 300 Gramm schweres, fettarmes Tenderfilet für 34 Euro. Das teuerste Stück auf der Karte ist ein 250-Gramm-Tenderloin vom australischen Wagyu für 99 Euro. Und wer die „Ultimate Filet Experience“ bestehend aus vier 250-Gramm-Steaks erleben will, muss 235 Euro bezahlen.

Die Beilagen – zum Beispiel Spinat, gemischte Pilze und French Fries – kosten extra und liegen zwischen 6 und 11 Euro. Die Vorspeisen – unter anderem Carpaccio, gegrillter Tintenfisch und konfierter Iberico-Rücken – kosten zwischen 11 und 18 Euro. Dazu kommt noch das „Surf & Turf“-Tatar für 29 Euro, das aber auch für zwei Personen gedacht ist.

Wir haben für die Vorspeise, die Hauptspeisen und Getränke insgesamt 160 Euro für zwei Personen gezahlt. Für uns war es gefühlt zuviel.

Der Service im Hohoffs 800° Farmhouse:

War bei unserem Besuch ausgezeichnet. Unser Kellner war sehr freundlich, er hatte sichtlich Spaß an seinem Job. Zu jedem Steak hatte er eine Geschichte auf Lager. Auf Wunsch erklärte er uns auch die so genannte „Schatzkammer“, einen luftdicht verschlossenen Glasschrank am Eingang, in dem die verschiedenen Steaks bei fünf Grad weiter reifen.

Die Vor- und Hauptspeisen waren zeitlich perfekt aufeinander abgestimmt, die Wartezeit auf den ersten Gang verkürzte ein leckerer kleiner „Gruß aus der Küche“, der bei uns ein warmer Spargel-Creme-Shot war.

Die Atmosphäre:

Wie der Name schon andeutet, will das Hohoffs den Flair einer Ranch versprühen – und das gelingt gut. Es gibt Holz, wohin das Auge schaut. Der Hauptraum des Restaurants erinnert an ein umgedrehtes Boot, das Licht fällt durch große Fenster auf schicke Holztische, am Ende des Speisesaals wartet eine große Bücherwand auf den Besucher. Alles wirkt sehr gemütlich, durch die Weite und Höhe des Raums aber auch herrschaftlich. Ein Saal für den Wild-West-Adel. Durch zwei Fenster können die Gäste dem Koch bei der Arbeit zusehen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sieht es im Hohoffs 800° Farmhouse aus

09.07.2018
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Der Hauptraum des Hohoffs erinnert mit seinem offenen Dachstuhl an einen umgedrehten Schiffsrumpf.© Oliver Schaper
Die „Schatzkammer“ im Eingangsbereich des Hohoffs. Hier präsentiert das Restaurant die Fleischstücke, die bei 5 Grad in einer luftdichten Kammer reifen.© Oliver Schaper
Die Steaksauce wird am Tisch frisch zubereitet.© Oliver Schaper
Durch die Fenster der Küche können die Gäste dem Koch bei der Arbeit zusehen.© Oliver Schaper
Der Service war bei unserem Besuch sehr gut. Es gibt aber auch Stimmen im Netz, die mit der Bedienung nicht zufrieden waren.© Oliver Schaper
Bei schönem Wetter kann man im lauschigen Innenhof Platz nehmen. Links: das Hauptgebäude des Hohoffs 800°.© Oliver Schaper
Im Hohoffs 800° Farmhouse dominiert Holz und sorgt für eine rustikale Atmosphäre.© Oliver Schaper
Eine Leseecke im Speisesaal sorgt für eine familiäre Atmosphäre.© Oliver Schaper
Das Hohoffs in Deusen ist einer Wild-West-Ranch nachempfunden.© Oliver Schaper
Auch hochprozentige Getränke stehen auf der Karte.© Oliver Schaper
Der Speisesaal des Hohoffs in Deusen ist familiär und herrschaftlich zugleich.© Oliver Schaper

Bei schönem Wetter kann man vor dem Eingang auch im kleinen Innenhof Platz nehmen. Hier sitzt man an dunklen Holztischen auf weißem Kies, eingerahmt vom Holz-Speisesaal des Hohoffs und der ehemaligen evangelischen Gustav-Adolf-Kirche.

Kinderfreundlichkeit im Hohoffs 800° Farmhouse:

Eine gesonderte Kinderkarte gibt es nicht im Hohoffs 800°. Dafür steht in der Erwachsenen-Speisekarte, dass sich der Koch sehr gerne in einem „Vier-Augen-Gespräch“ um die jungen Gäste kümmert. Die Küche halte immer „kindgerechte Leckereien“ bereit. Und wenn sich die Kinder noch nicht an ein Stück Fleisch trauen, gibt es immer noch den ewigen Klassiker Spaghetti Bolognese.

Barrierefreiheit:

Das komplette Restaurant ist barrierefrei, auch wenn der kurze Weg von der Deusener Straße zum Eingang ein wenig steil ist. Es gibt eine extra Toilette mit genügend Platz für Rollstühle und Rollatoren.

Anfahrt / Parkplatzsituation:

Direkt neben dem Hohoffs 800° gibt es einen Privat-Parkplatz, auf dem man für 3 Euro sein Auto abstellen kann, solange man will. Wobei die Chancen auf einen Gratis-Parkplatz entlang der Deusener Straße auch ganz gut stehen.

Die Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz ist nicht so gut: Die nächste Stadtbahnstation, die Parsevalstraße in Huckarde, ist zwei Kilometer Fußmarsch entfernt. Immerhin hält die Buslinie 475 an der nahen Haltestelle „Deuser Wiesen“. In 15 Minuten ist man vom Hauptbahnhof aus dort. Die Busse verkehren im Halbstundentakt.

Das sagt das Netz über das Hohoffs 800° Farmhouse:

Bei Tripadvisor bekommt das Hohoffs 800° im Durchschnitt der 199 abgegebenen Bewertungen vier von fünf möglichen Punkten (Stand 24.6.2018). In über der Hälfte (54 Prozent) aller Bewertungen bekommt das Hohoffs die Bestnote „Ausgezeichnet“. 14 Prozent entfallen auf die beiden schlechtesten Noten „Mangelhaft“ und „Ungenügend“.

In den positiven Bewertungen werden meistens die Steaks gerühmt, die hervorragend seien. „Mein Mann ist absoluter Steakfan und wir haben schon viele Steakhäuser probiert, dies ist das Beste“, schreibt eine Nutzerin. „Essen wird hier zelebriert in höchst entspannter Weise!“ „Ein perfekter Restaurantbesuch und schöner Abend“, fasst ein anderer zusammen.

Bei den kritischen Kommentaren wird hingegen häufig der unfreundliche Service bemängelt, auch seien die Preise überteuert. Ein Nutzer schreibt, er sei „sehr enttäuscht […], bei einem 89 Euro teuren Steak habe ich keine Unterschiede im Geschmack zu Maredo feststellen können.“ Ein anderer schreibt: „Es wird, so finde ich, ein wenig zu viel Chi-Chi gemacht mit dem exklusiven Drumherum.“

Bei Facebook schneidet das Hohoffs besser ab: mit 4,6 von 5 Sternen, basierend auf 232 Bewertungen (Stand 24.6.2018). „Die Steaks sind jeden Cent wert“, schreibt dort einer. „Eines der besten Steaks meines Lebens“, meint ein anderer.

Restaurant-Infos:

Hohoffs 800° „The Farmhouse“, Deusener Straße 215, 44369 Dortmund, Reservierung: (0231) 926 996 05, per Mail an Reservierung-Dortmund@hohoffs.de oder online über OpenTable.de.

Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags und feiertags, 17 Uhr bis offenes Ende, Küche bis 22 Uhr, montags und dienstags Ruhetag; Lunch sonntags und feiertags 13 bis 16 Uhr, Küche 13 bis 14.30 Uhr.

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freuden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.