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«Das Haus hat gute Chancen»

Das Wort «Insolvenz» hing in den letzten Tagen öfter wie ein Damoklesschwert über Dortmunds größtem Krankenhaus.

Um die 10,9 Millionen Euro Miesen aus dem letzten Jahr auszugleichen, muss das Haus der Maximalversorgung weiter an sein Eingemachtes gehen. Mit der Konsequenz: Schmilzt die Eigenkapitaldecke, geben die Banken kein Geld für Kredite. Diese aber wären dringend nötig für wichtige Investitionen, ohne die in den nächsten Jahren kein wirtschaftliches Arbeiten möglich wird. Welchen Weg die Stadt als Gesellschafter gehen wird, wie viele weitere Bürgschaften sie bereit ist zu geben, dürfte nach der Sommerpause entsprechend heiß diskutiert werden.

Leistungsfähig

Wir fragten einen, der sich auskennt wie kein zweiter in der Krankenhauslandschaft: Ulrich Neumann, Regionaldirektor der AOK Westfalen-Lippe für die Städte Bochum, Dortmund und Herne. Mit ihm handeln alle Häuser jährlich ihre Budgets aus. Hat das Klinikum noch eine Chance? «Es hat gute Chancen. Das Haus ist leistungsfähig. Das sieht man auch am Budget», sagt Neumann, der für dieses Jahr in allen Bereichen etwas drauf legte. An die Adresse der Politiker gerichtet, unterstreicht der Regionaldirektor: «Die Stadt hat die ethisch-moralische Verpflichtung, sich zum Klinikum zu bekennen. Es ist ein Aushängeschild für die Stadt.» Einem Privatbetreiber als Allheilmittel im desolaten Krankenhauswesen steht Neumann eher skeptisch gegenüber: «Das wäre nicht im Sinne der Medizin.» Es bestünde die Gefahr der Patienten-Selektion, so der AOK-Direktor.

Die Ursache des hohen Defizits am Klinikum läge sicherlich im investiven Bereich. Zwischen pflegesatzfähigen Kosten und Ist-Kosten, in denen anteilig auch Investitionskosten steckten, gäbe es eine hohe Diskrepanz, so Neumann. Ein Zeichen für die Wirtschaftlichkeit sei, dass der Patient hier billiger als in anderen Häusern sei. Ulrich Neumann nennt Beispiele: Mit 2752,31 Euro durchschnittlichem Fallwert läge das Klinikum nur noch 64 Euro über dem Landes-Basisfallwert in NRW. Häuser wie das evangelische Krankenhaus Lütgendortmund, das Elisabeth-Krankenhaus in Kurl und das St. Marien in Hombruch lägen deutlich darüber, arbeiteten also teurer.

Über ein höheres Budget für 2007 kann sich das Klinikum vor allem in folgenden Bereichen freuen: 43 Prozent Steigerung bei teuren Arzneimitteln (u. a. für Krebspatienten) und medizinischen Produkten (z. B. Gefäßprothesen für Bauchraum und Speiseröhre). Statt 3,5 Millionen Euro kann das Klinikum mit 5 Mio. rechnen.

Hoffnung

0,5 % mehr gibt's für die Patienten-Fallzahl weil diese 2007 noch mal um 1,5 % steigen soll, 0,7 % mehr für den Schweregrad und 0,28 % mehr für allgemeine Preissteigerungen, 0,2 % für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Satte 13,7 % sind es sogar bei den Ausbildungsbudgets.

Neumann macht nochmals Hoffnung auf die Zukunft: «Die Verlängerung der Konvergenz-Phase ist im Gespräch.» Das heißt: Die Anpassung an den Landes-Basisfallwert muss wahrscheinlich nicht, wie zunächst vorgesehen, in zwei Jahren erfolgt sein. Für Häuser der Maximalversorgung, wie das Klinikum, eine wichtige Atempause. Ulrike Böhm-Heffels

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