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Brahms unter dem Röntgenschirm

Alle vier Brahms-Sinfonien erklingen in dieser Saison im Konzerthaus. Beim zweiten und vierten Werk fühlt man sich allerdings bei der "Sinfonie um 4" am Sonntag mit Philippe Herreweghe und seinem Orchestre des Champs-Élysées nicht sofort an den Romantiker Brahms erinnert. Das Rotterdam Philharmonic Orchestra unter Valery Gergiev spielt am 23. April die Sinfonien 1 und 3 - das wird anders klingen.

Herreweghe ist Bach-Kenner und Liebhaber von Originalinstrumenten und transparentem Klang. Die Instrumente der Brahms-Zeit klingen schärfer, besonders die Bläser präsenter, zum Teil schmetternder. Sehr gute Hornisten hat der 60-jährige Flame im Orchester - ein Vorteil, wenn die im Klang nicht allzu weichen Hörner exponiert heraustreten.

Herreweghe seziert Brahms bis zum Exzess. Wie auf einem Röntgenbild zeigte er den Zuhörern beide Sinfonien, lichtete Klänge auf, machte die Farbigkeit und Struktur der Partitur deutlich, aber zum Leuchten brachte er die Musik nicht. Der große romantische Fluss blieb - in der 2. Sinfonie noch stärker als in der 4.- oft auf der Strecke.

Für die Passacaglia im Finale der 4. Sinfonie war Bach Pate - sowohl melodisch als auch kompositionstechnisch. Wie Herreweghe diese Variationen des Themas strukturierte und ordnete, war dann wieder schön, wenngleich oft spröde. JG

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