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Betrug beim Schwarzfahren in der U-Bahn

Bernd Meyer sollte zahlen, obwohl er nichts getan hatte

Dortmund Bernd Meyer aus Dortmund sollte eine Strafe zahlen – fürs Schwarzfahren in der U-Bahn. Und das, obwohl er gar nicht schwarzgefahren war. Post von den Stadtwerken bekam er trotzdem.

Bernd Meyer sollte zahlen, obwohl er nichts getan hatte

Bernd Meyer aus Dortmund sollte Strafe fürs Schwarzfahren bezahlen, obwohl er überhaupt nicht schwarzgefahren war. Ein anderer hatte die Daten des 48-Jährigen angegeben, als er ohne Fahrkarte erwischt wurde. Foto: Stephan Schuetze

Wenn jemand in Dortmund beim Schwarzfahren erwischt wird, passiert eigentlich Folgendes: Die Person muss einen Lichtbildausweis vorzeigen, die Mitarbeiter der Dortmunder Stadtwerke (DSW21) füllen ein Formular mit den Daten der Person aus und bestätigen im Anschluss schriftlich, dass sie den Betroffenen auf dem Ausweis erkannt haben.

Hat die Person keine Ausweispapiere dabei, muss sie handschriftlich eine sogenannte „Selbstauskunft“ ausfüllen. Außerdem wird die Polizei gerufen, um die Daten zu überprüfen. Halten diese der Kontrolle stand, ist der Fall für die Polizei erledigt und der Schwarzfahrer muss 60 Euro Strafe zahlen. Normalerweise.

Bei Bernd Meyer lag der Fall etwas anders. Auch er sollte fürs Schwarzfahren bezahlen. 60 Euro plus drei Euro Mahngebühr, hieß es in dem Schreiben der Dortmunder Stadtwerke. Dabei fährt der 48-Jährige so gut wie nie mit der U-Bahn – und ohne Ticket schon mal gar nicht. Sagt er. Und das glauben mittlerweile auch die Stadtwerke.

Schriftprobe als Beweis

Um das Missverständnis aufzuklären, sollte er bei DSW21 eine Schriftprobe abgeben, denselben Vordruck mit seinen Daten ausfüllen, der Schwarzfahrern vorgelegt wird, wenn sie ohne Fahrschein erwischt werden. Das Ergebnis: negativ. Meyers Schriftbild sah offenbar nicht so aus wie jenes, das der Unbekannte Ende Februar mutmaßlich unter falschem Namen produziert hatte.

Aber Meyers Daten, die stimmten. Seine Adresse, sein Geburtsdatum, die Anschrift seiner Mutter: Alles sei richtig ausgefüllt worden. Nur eben nicht von ihm, beteuert der 48-Jährige. Auch die Polizei habe die Daten überprüft, weil der Falschfahrer damals keine Ausweispapiere mit sich geführt habe, bestätigte Britta Heydenbluth, Sprecherin der DSW21, unserer Redaktion. Strafe musste Meyer letztlich doch nicht zahlen. Die Stadtwerke stellten das Verfahren gegen ihn ein und dafür Strafanzeige gegen unbekannt bei der Polizei.

„Ich traue mich kaum noch an den Briefkasten“

Meyer selbst lässt der Vorfall keine Ruhe. Der 48-Jährige ist verunsichert, schließlich wisse er immer noch nicht, wer seine Daten mutmaßlich missbraucht hat, ob derjenige nicht sogar dazu bereit ist, noch mehr zu tun. Versandhausbetrug begehen zum Beispiel. „Ich traue mich kaum noch an den Briefkasten“, sagt er. „Nicht, dass dort die nächste Rechnung drin liegt.“

17 solcher Fälle sind den Stadtwerken 2017 untergekommen. Gemessen an den 24.000 Fahrgästen, die die Mitarbeiter der DSW21 im vergangenen Jahr ohne Fahrschein angetroffen hätten, sei diese Anzahl jedoch gering, sagt Sprecherin Heydenbluth.

Ein Drittel der Personen habe innerhalb einer zweiwöchigen Frist eine gültige Fahrkarte vorgelegt.

In 18 Prozent der Fälle sei Strafanzeige gestellt worden, etwa dann, wenn die Personen regelmäßig und in kurzen Abständen beim Schwarzfahren erwischt wurden. Der Rest zahlte die Gebühr in Höhe von 60 Euro fristgerecht.

Gewissheit gibt es nicht

Eine hundertprozentige Gewissheit, ob der Schwarzfahrer wirklich derjenige ist, für den er sich ausgibt, kann auch die Polizei nicht geben. Fotos der Missetäter würden nicht gemacht, auch nähmen die Beamten die entsprechenden Personen nicht mit aufs Revier. „Das steht nicht im Verhältnis zu dem, was der Schwarzfahrer gemacht hat“, sagt Polizeipressesprecher Gunnar Wortmann.

Aufnahmen, die die Stadtwerke in Bussen, U-Bahnen sowie an den Haltestellen machen, werden zudem nach 48 Stunden wieder gelöscht. „Die Menge an Daten ist einfach zu groß“, sagt Britta Heydenbluth. „Auch datenschutzrechtlich können wir es uns nicht erlauben, die Bilder einfach abzuspeichern.“

Bleibt also nur der Schriftabgleich, sollte jemand mutmaßlich nicht seinen eigenen Namen bei der Kontrolle angegeben haben und jemand anders irrtümlicherweise dafür belangt werden. So wie im Fall von Bernd Meyer. Bei ihm haben die Mechanismen von Stadtwerken und Polizei gegriffen. Obwohl er keine Strafe zahlen muss, ist der Fall für ihn noch nicht erledigt. Verwandte, Freunde – jeden aus seinem Umfeld verdächtigt er, seine Daten missbraucht zu haben. „Ich weiß kaum noch, wie ich denen begegnen soll“, sagt er. „Das ist kein schönes Gefühl.“

60 Euro Strafe für Schwarzfahrer

Wer in Dortmund mit Bus und Bahn unterwegs ist, kein gültiges Ticket mit sich führt und dabei erwischt wird, muss eine Strafe in Höhe von 60 Euro zahlen.

Diejenigen, die innerhalb einer zweiwöchigen Frist eine gültige Monatskarte vorzeigen, zahlen dann fünf Euro Bearbeitungsgebühr.

Sollte jemand den Verdacht haben, dass seine Daten missbraucht worden sind, ist wichtig, sich umgehend an die Polizei zu wenden.

Vor allem in Internet sollte man laut Polizei sorgsam mit seinen Daten umgehen. Dort trieben sich viele Betrüger herum.

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