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Asbestose: Die Lawine kommt noch

Sie arbeiteten damit jahrein, jahraus und begaben sich in Lebensgefahr: Die Mitarbeiter des wohl größten Asbest-verarbeitenden Betriebes in Dortmund. Seit fast zwei Jahrzehnten gibt es die Firma am Hafen nicht mehr.

In Deutschland ist die Verwendung von Asbest seit 1993 verboten. Zur chronischen Erkrankung führen diese Faser-Stäube erst 15 bis 20 Jahre später. Mit dem Höhepunkt dieser anerkannten Berufserkrankung rechnen Mediziner um 2010, mit dem der Krebsentstehung fünf bis zehn Jahre später. Bis dahin sind bis zu 20 000 Todesfälle durch Asbest in Deutschland zu befürchten.

In der Pneumologie der Medizinischen Klinik am Standort Nord des Dortmunder Klinikums, also fast in Riechweite zur damaligen Asbest-Firma, sieht Oberarzt Dr. Christian Teipel schon jetzt die wachsende Gefahr. Fast 2000 Bronchoskopien im Jahr, dazu 100 Spiegelungen von Lungen- und Rippenfell überschlägt Kollege Dr. Schnelle, Chefarzt der Medizinischen Klinik und Ärztlicher Direktor des Klinikums.

Mehr als 3500 Asbestosen werden in Deutschland jährlich neu entdeckt. 25 bis 30 Asbestose-Neudiagnosen stellt die Pneumologie am Klinikum im Jahr. Dazu fertigen die Ärzte mindestens 50 Gutachten - auch von Verlaufskontrollen - für die Berufsgenossenschaft an.

Wer früher beruflich mit dem Stoff in Kontakt kam und dazu noch rauchte, hat ein 40- bis 50-faches Risiko für einen Lungenkrebs. Und in den Kontakt mit dem Killer Asbest kamen viele, darunter Chemiearbeiter, Isolierer, Schweißer, Schornsteinfeger, Walzwerker, Hüttenwerker, Gießereiarbeiter, Bauschlosser und Ofenmaurer, Klempner und Maschinenwärter. "Ja sogar Ehefrauen, die die asbestverseuchte Arbeitskleidung ihrer Männer wuschen, entwickelten die Lungenkrankheit Asbestose", sagen die Ärzte am Klinikum.

"Die Dunkelziffer ist hoch", mahnt Dr. Schnelle und spricht von typischen Symptomen wie Atemnot durch Flüssigkeitsansammlung im Rippenfell. Die meisten Fälle von Asbestose seien Zufallsbefunde. Auf dem Röntgenbild falle eine Verkalkung des Rippenfells auf, Spiegelungen (unter Narkose) gäben die Gewissheit. Auch hier gilt: Frühdiagnosen können Leben retten. bö

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