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Andacht mit Gänsehaut

Huckarde Das Sonnenlicht scheint durch die Bleiglasfenster zu fließen. Durch das alte Kirchenschiff der St. Urbanus-Basilika weht der Weihrauch, auf dem braunen Holz der Bänke, dem erdigen Pastell der Mauern und den andächtig geneigten Köpfen der Gemeinde liegt ein sanfter Glanz.

Dann erhebt der Chor die Stimme zur Kyrie.

Die Messe brève Nr. 7 in C-Dur von Charles François Gounod ist ein ehrwürdiges Werk eines tief religiösen Komponisten. Die bedächtig schreitenden Tonfolgen sind rein technisch nicht allzu anspruchsvoll, dafür verlangen sie Ausdruck und - ja, Seele.

Der Chor beherrscht die Dynamik. Ausdauernd und mit sauberer Intonation entwickeln die Melodiebögen raumgreifende Erhabenheit. Die für viele Kirchen typische, «heilige Unschärfe» der Akustik verleiht den klaren Stimmen des Urbanus-chors eine samtene Kontur.

Der Standort der Sänger auf der Empore, dem Blickfeld der Gemeinde entrückt, vollendet die atmosphärische Parallele zu einem Renaissance-Gemälde: Aus unsichtbarer Quelle, wie das gemalte göttliche Licht, erfüllt der Klang den Raum.

Das mag aus der Distanz kitschig klingen - aus der Nähe war es ein großer Genuss.

«Das war ein schönes Konzert, die Resonanz war sehr gut», sagt, ganz sachlich, Chorleiterin und Organistin Beate Hohmann. Auch einige der ehemaligen Mitglieder seien gekommen, so Hohmann, und hätten zum 100-jährigen Bestehen gratuliert.

So wie Heinrich Jansen, der dem Chor in den 50er Jahren vorstand. «Das war schon eine andere Zeit. Damals war es schwierig, moderne Musik durchzusetzen», erinnert sich der 82-Jährige, «aber es ist schön zu sehen, dass der Chor immer noch einige der Stücke im Programm hat, die wir damals eingeführt haben.»

Die Leistung seiner Nachfolgerin weiß er zu schätzen. «Chorleiterin und Organistin in einer Person, das ist eine Doppelbelastung. Außerdem ist die Akustik in der Kirche schon anspruchsvoll. Sie macht das sehr gut», sagt der Musiker, der unter anderem als Organist in der St. Josefs-Kirche in Berghofen immer noch aktiv ist. Sein Credo: «Kirchenmusik hält jung.» tag

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