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Ein Oldtimer-Freund erzählt

Wie ein Käfer zum Familienmitglied wurde

Dorsten Vor genau 40 Jahren lief der letzte VW-Käfer in Emden vom Band. Udo Seidler fand über den Käfer sein Hobby, seinen Beruf und sogar seine Frau.

Wie ein Käfer zum Familienmitglied wurde

Der gelbe Käfer Glack begleitet Udo Seidler seit 30 Jahren. Mittlerweile steht der „alte Mann“ meist in der Garage und bekommt sein Gnadenbrot. Foto: Foto: Jennifer Riediger

Glack ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Familienauto. „1974 hat ihn mein Patenonkel gekauft, 1986 hat ihn mein Bruder bekommen und ich hab ihn 1988 von ihm gekauft. Für 1500 Mark“, erinnert sich Udo Seidler. Viel Geld für den damals 18-Jährigen. „Aber der Käfer war in einem fantastischen Pflegezustand, weil meine Tante den immer unter ihren Fittichen hatte.“ Mit dem sonnengelb lackierten VW 1303 brauste er fortan zur Schule. „Man musste nur den Schlüssel umdrehen – und los ging‘s – die große Freiheit.“

Wie Legospielen

Und Glack erwies sich als treuer Gefährte. „Wenn mal was kaputt ging, konnte man es einfach auseinanderbauen. Wie beim Legospielen. Ob man es dann auch wieder zusammen bekommen hat, war eine andere Frage“, sagt der 48-jährige Hardter lachend. Dass ihm die Reparaturen meist glückten, verdankt er seinem Vater. „Der hat immer viel selbst gemacht und ich habe mit den Augen geklaut.“ Wenn Udo Seidler ein Ersatzteil brauchte, fuhr er zum Schrottplatz. „Dort konnte man von den Autos dann abmontieren, was man brauchte, 23,50 Mark an der Kasse lassen und am nächsten Tag lief der Käfer wieder.“

Das Schrauben an seinem ersten Auto wurde sein Hobby und bald, nach Abitur und Zivildienst, sein Beruf: Er wurde Kfz-Mechaniker, machte seinen Meister, eröffnete seinen eigenen Betrieb in Gladbeck.

Besondere Geschichten

Glack blieb an seiner Seite und er bekam „Geschwister“. Zum Beispiel den 1200 Export-Käfer mit Faltdach. Die Geschichte dazu ist fast so besonders wie das Auto. „Ein Ehepaar hat den Wagen 1962 bei einem damals noch jungen Verkäufer gekauft. Es war eines der ersten Autos, das er verkaufte. 40 Jahre später sind die Eheleute wieder zu ihm gegangen. Sie wollten ihren Käfer verkaufen, weil der Mann nicht mehr fahren konnte“, erzählt Udo Seidler. „Aber sie wollten das Auto in gute, wissende Hände abgeben. Mit diesem Auto hat der Mann schließlich seine Frau nach der Geburt des ersten Kindes aus dem Krankenhaus abgeholt. Mit diesem Auto ist die Familie über den Großglockner nach Österreich in den Urlaub gefahren und hat dafür einen Aufkleber an die Heckscheibe bekommen. Der Verkäufer kannte mich, vermittelte mir das Auto – und ging kurz danach in Rente“, berichtet Udo Seidler.

Erinnerungen an gute Zeit

Neben Ausstattung und Aussehen des Autos sind es diese Geschichten, die ihn so für den Käfer begeistern. „Immer wenn ich mit einem Käfer unterwegs bin, begegnen die Menschen mir positiv. Viele lächeln. Das Auto erinnert sie an eine gute Zeit.“ Vor allem die deutschen Käfer der 50er- und 60er-Jahre haben es Udo Seidler, der etwa 25 Jahre lang das Dorstener Käfer-Treffen organisiert hat, angetan.

Die „Mexiko-Käfer“, die nach dem Aus in Emden am 19. Januar 1978 in Mexiko gefertigt und bis 1985 von Volkswagen importiert und verkauft wurden, sind sein Fall nicht. „Die sind auch bekannt dafür, dass sie nicht dem deutschen Standard entsprechen und durch die fehlende Hohlraumversiegelung schneller rosten“, weiß der Experte. Gekauft wurden sie trotzdem gerne – zum Glück für ihn. Denn so lernte er in einem Verkaufsgespräch eine nette junge Frau kennen. „Meine heutige Ehefrau.“ Sie kaufte ihr erstes Auto – einen gebrauchten Mexiko-Käfer – bei ihm.

Diesen Käfer gibt es nicht mehr. Aber Glack schon, den seine Frau noch fünf Jahre lang in den 1990er-Jahren fuhr. „Und jetzt bekommt er sein Gnadenbrot.“ Das mittlerweile 44 Jahre alte Auto steht heute in der Garage, wird nur noch selten und bei gutem Wetter gefahren. „Aber verkaufen würde ich ihn nie.“ Denn Glack gehört zu Familie.

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